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Eigentlich würde ich wenigstens im Auto Radio hören – wenn mich die Moderatoren, die Werbung, die Eigenwerbung (Jingles) und vor allem der von Maschinen ausgesuchte Tonmüll nicht immer zum sofortigen Abschalten nötigen würden. Als Jugendliche glaubte ich noch, Hausaufgaben grundsätzlich nur mit Musikberieselung bewältigen zu können, aber inzwischen ist die alte Kulturform Radio so auf den Hund gekommen, dass ich niemand mehr kenne, der sich da noch mit Vergnügen einschaltet. Mal von dem einen oder anderen hartgesottenen Hörspielliebhaber abgesehen. Manche brauchen das Gedudel auch noch morgens zum Aufwachen. Aber das war’s dann schon.
Schlimme Zeiten für echte Musikenthusiasten.
Das Internet wäre ein Ausweg aus der Misere – wenn das Copyright-Hickhack und das Gejammere des Musikbusiness nicht so viel neue Möglichkeiten behindern würde. Trotzdem schaffen es immer wieder Einzelne, die Mainstream-Giganten auszutricksen und alternative Wege zu finden.

Ein schönes Beispiel dafür ist das kalifornische Radio Paradise. Der Online-Sender eines ehemaligen DJs, der nun auch schon etwas in die Jahre gekommen ist, hat es gegen alle Widerstände geschafft, seine Radiostation seit acht Jahren on Air zu halten. Legal, weil brav die US-Gemma-Gebühren bezahlt werden, trotzdem unabhängig und ohne Werbung. Wie er das schafft? Mit drei Einnahmequellen: 1) Die Hörer zahlen freiwillige (!) Gebühren. 2) Radio Paradise ist an die Affiliateprogramme von Amazon, i-Tunes etc. angeschlossen. Wenn also ein Hörer über das Radio bei Amazon einkauft, geht ein kleine Gebühr an die Leute aus dem Paradies. Und 3) können Fans im Online-Shop die obligatorischen T-Shirts und Tassen bestellen.
Wer umsonst mithören will, ist auch willkommen.

Die Sache funktioniert. Die Macher von Radio Paradise leben davon und das schönste daran: sie moderieren maßvoll und unaufgeregt, keine Werbung nervt und die Musik wird liebevoll und mit Kennerschaft von Hand ausgesucht. Ein eigenwilliger Mix aus allem, was gut ist.

Der schnellste Weg für Mac-Benutzer, um sich einzuschalten: In der i-Tunes-Mediathek (ganz oben links) das Stichwort „Radio“ anklicken. Dann „Eclectic“ und dann in der Liste der Radiostationen unter „R“ nach Radio Paradise suchen.

Schade, dass man beim Autofahren noch nicht Internetradio hören kann.

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Blättert man internationale Modezeitschriften, kann man im Moment einen Superobertrend nicht mehr ignorieren:

In der aktuellen italienische Flair (aus der auch beide Fotos stammen) sind gleich in vier verschiedenen Fotostrecken Spitzenkleider von Prada eingebaut. Andere Magazine halten es genauso. Und auf der Straße tragen schon die ersten Mädels stolz ihre Kopien zur Schau. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Vorausgesetzt man hält sich an die neue Art Spitze zu tragen: auf keinen Fall mit durchblitzendem BH drunter, tiefen Ausschnitten oder mit kokett zipfelnden Rocksäumen. Was allgemein als sexy gilt, ist streng verboten. Frau Prada befiehlt Seriosität. Mit ungewöhnlichen Kontrasten spielen ist ein alter Trick von ihr. Also kombiniert sie das frivolste aller Materialien – Spitze – mit prüden Rollkragenpullis. Und siehe da, es funktioniert.

Zeitschriftenstylisten (und die Mädels auf der Straße) lassen sich davon inspirieren und geben Geklöppeltem mit weißen Männerhemden, mit Sporttrikots oder Kapuzenshirts einen neuen Kick.
Womit auch erklärt wäre, warum Miucchia Prada als immer noch wichtigste Designerin gilt. Sie entdeckt auch in Altbekanntem verblüffend neue Möglichkeiten. Das wirkt manchmal leicht daneben (Neopren in der City?!) ist aber oft ziemlich Spitze.

„So, so,“ sagte ein furchtbar wichtiger Manager eines schrecklich bedeutenden Verlages zu mir. „Sie schreiben also ein Blog. Können Sie mir mal verraten, warum sie das tun.“
„Och, so aus Spaß“, sagte ich. „Für eine Journalistin, die in Zeitschriften ihr Geld verdient, ist es ein Traum, schreiben zu dürfen, was sie will. Keiner meckert, und noch wichtiger, keiner fummelt in meinen Texten rum.“
„Aber wieviele Leute lesen das denn?“ Neben seinen vielen anderen Aktivitäten leitet er auch die Internetabteilung seines Unternehmens. Mit Zahlen kennt er sich.
„Na ja“, sagte ich mit stolz geschwellter Brust, „my best day ever waren 328 Zugriffe.“ Dabei verschwieg ich, dass in Zeiten akuter Faulheit wie in den letzten Wochen, die Besucherkurve steil nach unten geht.
Er brauchte ein paar Sekunden, um den Schock zu verdauen. „328 Zugriffe“, wiederholte er vorsichtig und sah mich mit leerem Blick an. Wahrscheinlich rollten vor seinem inneren Auge gerade die Millionenzahlen der verlagseigenen Webseiten ab. „Äh, was tun Sie denn um mehr Besucher auf Ihre Seite zu kriegen?“
„Nichts“, sagte ich. „Ist mir egal.“
„Kennen Sie Googleoptimierungsmöglichkeiten?“
„Kenne ich.“
„Und, wenden Sie die auch an?“
„Nö, ist ja nur mein privates Blog“, sagte ich.
„Haben Sie schon mal überlegt, mit Ihrem Blog Geld zu verdienen.“
„Nö“, sagte ich.
„Affiliateprogramme und so“, schlug er vor.
„Interessiert mich nicht“, sagte ich.
„Aber Sie müssen doch einen Grund haben ein Blog zu schreiben.“
„Spaß“, erinnerte ich ihn.
Sein Blick glitt nun endgültig ins Leere. Als würde er im Kopf mal schnell alle Möglichkeiten prüfen, wie er diese gefährliche Terroristin aus dem Verlagsgebäude entfernen lassen könnte. Gottseidank rettete ihn die Sekretärin. Sie erinnerte ihn daran, dass unten das Taxi wartete, das ihn zum Flughafen bringen sollte.
Er nahm sein Sakko und ging, ohne sich zu verabschieden.