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Öko wird immer schicker. Auf eine Art und Weise wie es sich die guten alten Grünen in ihren Gesundheitssandalen nie träumen ließen. Nicht nur, dass Adidas mit Turnschuhe aus recycelten Autoreifen und ähnlichen Ökoschnickschnack jetzt auch umweltbewusstes Konsumieren propagiert, in England hat die Turnschuhmarke (tschuldigung – das Lifestyle-Unternehmen) einen kontrovers diskutierten Werbespot in den Kinos geschaltet. Der Plot: Hippe junge Leute in Adidasklamotten kurven mit einem Auto voller Pflanzen verdächtig durch die Stadt und schlagen plötzlich zu. Tatort ist ein öffentlicher Grünstreifen. Schneller als bei einem Ladenüberfall wird er hübsch bepflanzt und bevor die Polizei dem Treiben Einhalt gebieten kann, sind alle auch schon wieder abgehauen.

Guerilla Gardening nennt sich diese nächtliche Umweltverschönerung, die zwischen Stockholm, London und Zürich gerade zu einer neuen Bewegung heranwächst und die – kaum ins öffentliche Bewusstsein gerückt – von den Adidas-Trend-Spürnhunden schon kommerziell vereinnahmt wird. Sehr zum Ärger der Initiatoren, für die Guerillaverständnis und Marketing unversöhnliche Feinde bleiben – trotz inflationären Gebrauchs des Wortes Guerilla (Guerillastores, Guerillawerbung etc.) Eine Haltung, die die subversiven Gärtner dann doch wieder den Uraltgrünen deutscher Provinienz annähert. Und wer weiß, wenn sie Pech haben lässt Madonna in ihrem nächsten Videoclip ein paar Guerillagardener rumturnen.

Vertraut man den Modezeitschriften, ist in diesem Sommer – nach gefühlten 120 Jahren in der Versenkung – türkisfarbener Lidschatten wieder total chic.

Laut Glamour, aus der auch dieses Foto stammt, wird so geschminkt:
Einen Hauch türkisfarbenen Lidschatten in den inneren Augenwinkel geben, dann mit türkisfarbenem Kajal einen Lidstrich ziehen. ‚Fangen Sie dünn an und werden Sie zum äußeren Wimpernrand dicker – das macht den Look weicher‘, erklärt Lisa Eldridge (die Stars wie Cate Blancehtt und Keira Knightley berät). Brauen mit Gel fixiren, auf die Wangen etwas pfirsichfarbenes Rouge gebe, auf die Lippen Lippenstift in Rosenhol: ‚Die sanften Töne balancieren das leuchtende Türkis aus.'“

Alles klar?
Nein?
In dem Fall kann das folgende Video helfen. Amy B hat innerhalb kürzester Zeit eine ungewöhliche Visagistenkarriere gemacht. Sie wurde mit Make-up-Lektionen auf youtube berühmt (so kann’s gehen), und malt auch den türkisfarbenen Lidschatten richtig mit Schmackes. Was durchaus hübsch anzusehen ist, auch wenn sich beim Betrachten die Erkenntnis festigt: Das werde ich nie nachmachen. Wer lieber Audrey Hepburn in Frühstück bei Tiffany ähneln möchte: Dazu gibt es ebenfalls eine youtube-Schminklektion mit Amy B und in ihrem Marie-Antoinette-Video lüftet sie das Geheimnis des Amy-Whinehouse-Dutts. (Achtung: Auf zehn Minuten ausgedehnt, zieht sich der Film leider ziemlich in die Länge. Das gibt die dollste Frisur nicht her.)

Ich liebe youtube. Man kann drin rumwandern wie auf einem Flohmarkt, mal in dies, mal in das rein gucken, sich von Bildern, Namen, Tönen anlocken lassen und nach ein paar unterhaltsamen Stunden ist man vielleicht – wie nach einem Besuch auf einem Flohmarkt – absolut zufrieden, weil man was Hübsches gefunden hat.
Wichtig ist nur, dass man sich treiben lässt. Zum Beispiel so:

Ich suche bei Google Infos zum venezianischen Modemacher Fortuny und finde bei youtube einen (uninteressanten) TV-Beitrag von RAI über Fortuny.
Während er läuft, fällt mir auf der Liste der „related videos“ ein ganz anderer Name auf: jovovich-hawk fashionshow.
Milla Jovovich ist eine Schauspielerin, die mit einer Freundin auch Kleider entwirft. Das könnte doch was zum bloggen sein.

Click.
Gähn.
Aber die Musik ist hübsch. Wer singt den da?

Die Musik fiel auch anderen auf, die in den Kommentaren danach fragen. Und jemand weiß es und schreibt es rein:
Nouvelle Vague. Love will tear us apart.

Novelle Vague? Hab ich doch schon mal gehört. Gibt’s da nicht diesen Song „To drunk to fuck“?
Also Nouvelle Vague in die youtube-Suchfunktion eintippen.
Eine ganze Latte mit Videos.
„Love will tear us apart“ ist dabei – aber in einer schwachen Liveversion. Jede Menge wackelige Handyaufnahmen von Konzerten. Viele davon Mitschnitte von „To drunk to fuck“. Lustig. Und ein Video mit dem Song „Eisbaer“.
Die französisch-englische Band Nouvelle Vague singt deutsch. Das könnte spannend sein.

Click.

Halloo, was ist das denn? Eine hübsche Französin, die sich auf einem Eisbärfell rekelt und dazu mit entzückendem Akzent einen deutsches Nonsense-Schlager haucht.
„Ich möchte ein Eisbär sein, im kalten Polar/
Dann müsste ich nicht mehr schrein/
Alles wär so klar….“

Verwirrend. Sieht ein bisschen aus wie deutsches Fernsehen circa 1960 – ist bei genauerer Überlegung aber viel zu chic dafür. Wie kommt denn Nouvelle Vague zu so was?

Wieder helfen die Kommentare weiter.
„“Eisbär“ ist der Song einer Schweizer Band namens Grauzone“, die Anfang der 80er Jahre auf der neuen deutschen Welle („dadada“) mitspielte. Die Originalversion klingt wie ein Bergführerquartett aus dem Engadin, ist aber wohl Kult. Nouvelle Vague (was ja auch neue Welle heißt) hat das Ganze in einen Bossa Nova (neue Welle auf portugiesisch!) verwandelt – mit Sängerin Marina Celeste als zusätzlichem Charme-Faktor.

Da wir hier im Internet rumwandern, machen wir jetzt noch schnell einen Abstecher zu Nouvelle Vague bei wikipedia. Uns interessiert heute nur die Band nicht die Stilrichtung des frnazösischen Kinos (ist aber auch interessant!)
Und natürlich hat Nouvelle Vague (die Band) auch eine eigene, liebevoll gestaltete Website und – clever, clever – eine Myspace-Seite mit Radio. Hier ist dann endlich das wunderbare „To drunk to fuck“zu hören – übrigens wieder eine Cover-Version als Bossa Nova. Das Original stammt von einer Gruppe namens „Dead Kennedys“ und klingt nicht weiter verwunderlich sehr nach Punk. Wenn nun eine Mädchenstimme zirpt „Went to a party/I danced all night/I drank sixteen beers and started up a fight /I’m rolling down the stairs/to drunk to fuck“ hat das einen ganz eigenen Reiz.
Stellt sich jetzt nur noch Frage, soll ich als neuer Nouvelle Vague-Fan auch gleich das adäquate T-Shirt dazu bestellen? Für 23 Euro, direkt im Nouvelle-Vague-Shop

Da schlaf ich jetzt noch mal eine Nacht drüber.

Eigentlich wähnte ich mich endlich in einem Alter, in dem mich nichts mehr schockieren kann. Und dann gelang es doch zwei Frauen innerhalb kürzester Zeit:

1. Der wunderbaren Charlotte Roche mit ihrem – na sagen wir mal kontrovers diskutierten – Roman Feuchtgebiete.

Freundin L. drückte mir das Buch in die Hand, mit dem Hinweis, ihre beiden 20jährigen Töchter fänden es „ekelhaft“. So was macht neugierig. Dies ist kein Buch, mit dem man sich gemütlich auf die Couch zurück zieht. Es dauerte Tage, bis ich die 218 Seiten bezwungen hatte. Die Beschreibung von so unfeinen Sachen wie Hämorrhoiden, Kloritualen und proktokologischen Untersuchungen („beim Arzt für unten hinten“) oder die liebevolle Klassifizierung der Schleimabsonderungen diverser Körperöffnungen verlangt vom Leser viel Durchhaltewillen. Die ganze Zeit schwankte ich zwischen Abwehr, Faszination, Amüsiertheit und Respekt für den Mut der Autorin.

2. Als mir dann noch mein 18jähriger Sohn Lady „Bitch“ Rays Video „Du bist krank“ vorspielte, weil er es „echt gräßlich“ fand, brauchte ich auch erst mal eine längere Denkpause – die sich beim recherchieren immer länger ausdehnte.

Lady Ray rappt nicht nur. Auf ihrer My-Space-Seite erweist sie sich als auch begnadete Selbstdarstellerin. Das obige Votzen-Sport-Workout-Programm zum Nachturnen z.B. hat echte Performance-Qualität.
Schnell stellt sich die Frage: Ist das, was diese deutsch-türkische Rapperin alles veranstaltet, nun Porno, Kitsch, Kunst oder einfach nur sehr, sehr clevere Selbstvermarktung?

Manchmal können die guten alten Printzeitungen beim Nachdenken dann doch noch behilflich sein. Heute erschienen in der SZ unabhängig voneinander ein Artikel über Charlotte Roche (im Feuilleton) und einer über Lady Bitch Ray (im Vermischten). Eine Platzierung, die darauf hinweist, dass ich nicht allein stehe mit meiner Verwirrung über dieses neue deutsche Frauenphänomen. Lothar Müllers zwei Spalten lange Besprechung zielt darauf ab, Charlotte Roche nachzuweisen, dass sie „an Heidi Klum leidet“ und „den Mädchen, die nach Castingshows wie ‚Deutschland sucht das Supermodell‘ anstehen, eine möglichst rabiate Gegenfigur“ anbieten wollte. Ein guter Trick eines intellektuellen Zeitungsschreibes, um sich vor dem Reflektieren weiblicher Sexualität zu drücken, ohne sich zu weit davon zu entfernen. Muss er so doch keine unanständigen Worte fürchten. Und falsch ist der Hinweis auf die Casting-Shows nicht.

Claudia Frommes sympathisierendes Porträt über Lady Ray liest sich sehr vergnüglich. Am Ende mag man die Bitch, versteht, was sie antreibt und wundert sich nicht, wenn sie sich als „eine Feministin der neuen Generation“ bezeichnet – und auch Charlotte Roche dazu zählt. Die Erkenntnis „man muss nicht aussehen wie eine Eule, um für die Frauenrechte zu kämpfen“ ist zwar nicht neu aber sie stimmt noch immer. Auf die Frage, warum sie das alles tut, antwortet sie im verweiblichten Rapper-Slang, es habe sie „einfach in der Möse gejuckt.“

Charlotte Roche wäre mit dieser Antwort sicher auch einverstanden.

Tut mir Leid, L. T. R. und P., aber ich finde sie doch super, die beiden Ladies.

Ein Geständnis vorneweg: Ich habe nur eine ungefähre Ahnung was Trip Hop ist. Weder ein Reittunier, noch ein bestimmter Muskel bei Hip Hoppern noch eine Kaninchensorte, nö, Trip Hop ist eine Musikrichtung. Auch nach mehrmaligem Anhören erschließt sich mir allerdings kein signifikanter Unterschied zu all den anderen Musikrichtungen, die irgendwo in der Luft rumwabern. Trotzdem hat mich ein Artikel in der FAZ über ein Konzert der Band Portishead in München gefesselt. Interessant, was da alles zu lesen stand, über „sinistre, erhabene Klassiker“ der Band, ihr neues Album „Third“ und die erste Single-Auskoppelung „Machine Gun“, worin das „elektronisch verfremdete Schlagwerk lautmalerisch wie ein Maschinengewehr rattert“ und „nur Beth Gibbons‘ süß klagende Stimme dem progressiven Gewummere eine nachvollziehbare Melodie“ hinzufügt.


Foto: Andreas Müller/FAZ

Beth Gibbons! Der Name erinnerte mich daran, dass eine ähnlich schwärmerische Musikkritik vor Jahren in der SZ über ihr erstes (und einziges) Soloalbum „Out of Season“ der Ausgangspunkt einer Short Story wurde, die ich dann schrieb. Mit Erfundenem, Gehörtem und Erlebtem locker gemixt, wie das so ist bei Kurzgeschichten. Beim Rumsuchen und anhören der Videos heute bei youtube überfiel mich wieder diese leichte Langeweile, die der Grund war, warum Beth Gibbons und Portishead mich nicht wirklich interessierten. Ist mir zu cool, zu elektronisch, zu langsam, zu Kopf gesteuert. Am besten gefällt sie mir noch allein, ohne Band. Da hört man, was FAZ-Schreiber Müller meint, wenn er von ihrer „betörenden Stimme“ schwärmt: „Es ist immer noch faszinierend, was sie damit bewirken kann.“
Ihr Styling passt zu ihrem Ruhm als Bühnenelfe: Sie gilt als scheu, gibt kaum Interviews, lebt zurückgezogen auf einer Farm in England und tritt in schwarzer, minimalistischer Existenzialistenkluft (enge Hose, Rolli) auf. Alles sehr sympathisch.

Über diesen You-Tube-Klassiker hat schon die ganze Welt gestaunt.  

Aber wie macht diese Japanerin das? In so einem Fall ist es gut, einen bequemen 18jährigen Sohn zu haben, der ganz viele T-Shirts falten muss, weil er in den Osterferien nach Berlin fährt.  Die klassische Mama-Version ist ihm viel zu umständlich. Irgendwo im Internet wird die 2-Sekunden-Falt-Methode erklärt. Da ist er sich sicher. Und tatsächlich… 

Es funktioniert. Der Koffer für Berlin ist fertig gepackt.

Es gibt Tage, an denen kann man nur die Musik einer russischen Jüdin aus der Bronx ertragen, am Piano und wenn sie dazu singt wie wir das als kleine Mädchen gerne hingekriegt hätten, wenn wir Operndiva spielten. Voilà, the one and only Regina Spektor.