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janker„Ich war 17 als ich aus Deutschland weg ging“, sagte John gestern abend. „Weil ich alles Deutsche hasste. Wie die Leute sich benahmen, wie sie sprachen und wie sie sich kleideten. Besonders wie sie sich kleideten. Und jetzt bin ich nach so vielen Jahren zurück in München und stelle fest: Mir gefällt die Tracht. Diese gehäkelten, geraden Jacken mit dem kleinen Stehkragen und den Borden sehen doch Klasse aus. Ich war sogar im Laden neben meinem Hotel und habe eine anprobiert. Ich konnte mich gerade noch bremsen, sonst hätte ich sie gekauft. Vielleicht beim nächsten Besuch. Und dann kaufe ich einen Hut dazu und ein Dirndl für meine Frau. Vielleicht bin ich inzwischen Amerikaner genug, um zu sehen: It’s cute.
Nebenbei entdeckten wir an diesem Abend eine Gemeinsamkeit von Josef Ackermann und Erich Honecker: Beide gehören zu der Sorte Männern, die sich weigert, zu erkennen, dass das System, auf dem sie ihr Leben aufgebaut haben, in sich zusammen bricht.

PS: Ein Janker wird natürlich gestrickt und nicht gehäkelt, aber woher soll John das wissen? Und es gibt sie noch aus Leinen und aus Filz.

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Gerade ist hierzulande Vanity Fair hops gegangen, aber das heißt ja nicht, dass Condè Nast die Geschäfte aufgibt. In Großbritannien hat der Verlag heute ein neues fettes Lifestylemagazin gestartet. Mit einem ebensolchen Cover.
Beth Ditto erinnert an ein anderes Dickerchen, das schon mal mal berühmt war – die kniende Nackte am Strand, unterm Sonnenschirm. Wann war das, in den 70ern oder 80ern? Jedenfalls zu einer Zeit, als ein paar Kilo zuviel auf den Hüften eine Frau nicht für den Rest ihres Lebens in Depressionen stürzten.
In der Mode hängt angeblich die Saumlänge mit der Konjunktur zusammen, wie die Kurve auf der Anzeigentafel der Börse. Je besser die Zeiten, desto kürzer die Röcke, heißt es. Da liegt ein Umkehrschluss nahe. Je schlechter die Zeiten, desto runder die Mädchen.
Übrigens ist Chefredakteurin
Katie Grand das wahrscheinlich größte Talente, das momentan im Frauenzeitschriftenmarkt zugange ist. Es könnte gut sein, dass Condè Nast mit ihr Anna Wintours Nachfolgerin aufbaut.

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Auf diesem Foto ist Jan Josef Liefers Privatmensch. Beruflich agiert er auch als Tatort-Pathologe in Münster. Sein Kostümbildner käme hoffentlich nie auf die selbe Idee, wie der Kostümbildner des Frankfurter Tatorts gestern Abend. Der band nicht nur Frau Sawatzki sondern auch allen anderen, die in die hessische Kälte raus mussten, den Schal mit einem sogenannten Galgenknoten um den Hals (siehe Herr Liefers oben). Als ob die Menschheit im Laufe der Geschichte nur eine Stylingvariante für Bronchienschutz entwickelt hätte. Oder schmuggelte der Kostümbildner vielleicht ein satirisches Abbild der Wirklichkeit in den Sonntagabend-Krimi?

Sieht man sich auf der Straße um, hat der Galgenknoten inzwischen die Alleinherrschaft übernommen. 99 Prozent aller Schalträger binden sich auf diese Art und Weise einen Wulst auf die Brust. Ist das jetzt elegant oder was? Ich jedenfalls bleibe stur: Ich wickele seit meiner Kindheit den Schal zweimal um den Hals und knote ihn einmal locker. Sieht viel lässiger aus und geht inzwischen schon wieder als Avantgarde durch.

La Reski leidet unter Acqua alta und darunter, dass es in Venedig trotz jahrhundertelanger Tradition an Hochwasser keine schicken Gummistiefel gibt. Zu bunten Kniestrümpfen, die über den Stiefelrand rausgucken oder blümchengemusterten Strickstrümpfen sind sie in München dagegen im Moment schwer angesagt. Keine Ahnung wieso, da die Stadt weder unter Isarüberflutungen noch unter Schlammlawinen zu leiden hat. Es könnte aber sein, dass dies die ersten Anzeichen von Recession-Chic sind, der nun auch bis in die von der BLB-Krise schwer gebeutelten bayerische Landeshauptstadt vordringt. Jeder Laden, der was auf sich hält, hat die wasserdichten Treter im Angebot. In Italien muss das Internet aushelfen. Aber egal ob Venedig oder München – auch in Sachen Gummistiefel bleibt die Frage: Welches Label darf es denn sein?

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Diese beiden Modelle verbieten sich in Zeiten der neuen Bescheidenheit eigentlich von selbst. Das linke ist von Celine und kostet ca. 300 Euro, das rechte von Burberry ca. 500 Euro.
Am anderen Ende der Skala gibt es in diversen Stiefelshops die Chinaware, in bunt gemustert (Pünktchen, Blümchen, Käferchen) oder einfarbig, billig (ab 15 Euro) aber wegen ökologischer und humaner Bedenklichkeiten stehen sie ebenfalls auf der Giftliste.
Bleibt nur die Besinnung auf den Klassiker.

Kate Moss hat 2005 mit ihrem Auftritt beim Glastonbury Festival die Hunter Rubber Boots in stylishen Kreisen salonfähig gemacht. Berühmt waren sie schon vorher. Die Queen stapft in ihren Wellies seit Urzeiten durch ihre Latifundien. Natürlich im Modell Balmoral Classic in einem dezenten Olivgrün mit dem auch Kate Moss auf dem Foto dem Schlamm trotzt. Temperamentvollere Gemüter – wozu auch Frau Reski zählt – könnten deprimierende Regentage mit kräftigeren Farben aufhellen. z.B. Rot, Iris, Fuchsia, Limegreen oder Pink. Da wird so ein Hochwasser doch gleich erträglicher.
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Christa Geissler habe ich vor fast 20 Jahren kennengelernt. Sie stellte mich als Kulturredakteurin bei „Cosmopolitan“ ein und ließ mich machen. Nichts konnte sie schockieren. Sechs Wochen nachdem mein Kind auf der Welt war, schickte sie mich auf Reportage nach Budapest – inklusive Mann und Baby. Meinen Überlegungen, als Autorin nach London zu gehen, hörte sie zu und riet mir dann davon ab. „Jede Redaktion kann schnell mal einen Redakteur nach England jagen, da kriegst du keine Aufträge. Aber wenn du in die USA gehst, egal wohin, dann helfe ich dir.“ So zog ich nach New York, mit Kind, Mann und einem Autorenvertrag von Cosmopolitan. Der wurde erst von ihrer Nachfolgerin als Chefredakteurin von Cosmo gekündigt.

Christa hat schon früh gesehen, dass Frauen Seilschaften bauen müssen wie Männer – und sie war die erste im Seil. Die jenige, die die Haken in die Wand schlägt und das Seil einknipst, an dem die anderen hochklettern können. Aber sie hat auch gesehen, dass wir alle nicht an den 8000ern kletterten. „Solange niemand versucht, uns zu bestechen, haben wir keine Macht“, sagte sie.

Sie war Feministin, befreundet mit Alice Scharzer und Jutta Dithfurt, aber sie wusste auch, dass kein Verleger einer Emanze (so hieß das damals) sein Blatt anvertrauen würde. Also ließ sie sich die Haare vom Starfriseur stylen (und nahm ihn selbstverständlich in ihren Freundeskreis auf) und trug ihre schwarzen Klamotten mit der selben Arroganz wie ihre Kolleginnen. „Ist doch schick die Jacke“, sagte sie. „Rate, wo ich sie her habe.“ „Prada?“ „Bist du verrückt. Woolworth, 35 Euro.“ Aber ich schwöre, sie sah nach Prada aus.
Sie war eine hinterlistige Feministin. „Männer muss man manipulieren“, war ihr Credo – und sie tat es. Verleger, Geschäftsführer, Anzeigenleiter, Art Directoren und manchmal einem der seltenen Redakteure in einer Frauenzeitschrift wickelte sie mit leiser Stimme und eleganter Unverschämtheit um den Finger. Die durchschauten vielleicht manchmal ihr Spiel, gaben ihr aber trotzdem immer das, was sie haben wollte. Mehr Geld vor allem, das sie prompt, in Form von Honoraren und Gehältern, weiter reichte an andere Frauen. Zu ihrer Zeit bei Cosmo gab es acht(!) freie Autorinnen mit Pauschalverträgen, von denen sie gut leben konnten. Und das bei einer Monatszeitschrift und nicht dem Spiegel.
Als Christa pensioniert war, lud sie in unregelmäßigen Abständen zum Salon in ihre Wohnung. Es gab trockenes Brot, Wein und Wasser und jeder Versuch, sie vielleicht zu einem Dip zum Brot zu überreden, schlug fehl. Höchstens Weihnachtsplätzchen durfte man mit bringen. Es ging ihr um interessante Gespräche, um geistige Nahrung, wer den Glamour darin nicht erkannte, war bei ihr an der falschen Adresse. Das war ihr Stil, den zog sie durch.
Ihr Stil war es auch, ihren Freundinnen zu helfen, mit Geld, Beziehungen, Kontakten, und wenn jemand ein Auto brauchte, auch mit ihrem alten Golf. Sie gab Ratschläge, lektorierte Texte und hörte zu. Man konnte Probleme mit ihr besprechen. Ihre eigenen verschwieg sie. Wir wunderten uns in letzter Zeit, dass sie immer magerer wurde, aber nach den Gründen fragte niemand und die verriet sie uns auch nicht.
Sie wusste schon länger, dass sie Krebs hatte. Gestern in Christa Geissler gestorben. Am Ende doch schnell und alleine, aber klar und mit sich im Reinen, so wie es ihr Stil war.

Lieber Ali (und alle anderen, die sich darüber beschweren, dass der stylebus auf offener Strecke liegen geblieben ist). Es gibt mehrere Gründe dafür:
1. versorgt mich meine Lieblingschefredakteurin im Moment mit viel Arbeit.
2. geht ein Buchprojekt in die Endphase. Mehr darüber hoffentlich bald auch hier.
3. verlangen Film und Fernsehen meine Aufmerksamkeit (auch wenn das ein mühseliger Prozess ist).
Und mehr als drei Prioritäten kann ich leider nicht gleichzeitig bedienen. Die vierte hat da leider das nachsehen (egal wieviel Spaß sie macht). Nach zehn, zwölf Stunden Schreiben am Tag habe ich Lust auf Quatschen, Glotzen, Schnecken töten, Unkraut jäten, Bücher lesen, schlafen, ja sogar Klo putzen. Hauptsache, der Computer darf ausgeschaltet werden.
Bis demnächst wieder
Romy

Blättert man internationale Modezeitschriften, kann man im Moment einen Superobertrend nicht mehr ignorieren:

In der aktuellen italienische Flair (aus der auch beide Fotos stammen) sind gleich in vier verschiedenen Fotostrecken Spitzenkleider von Prada eingebaut. Andere Magazine halten es genauso. Und auf der Straße tragen schon die ersten Mädels stolz ihre Kopien zur Schau. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Vorausgesetzt man hält sich an die neue Art Spitze zu tragen: auf keinen Fall mit durchblitzendem BH drunter, tiefen Ausschnitten oder mit kokett zipfelnden Rocksäumen. Was allgemein als sexy gilt, ist streng verboten. Frau Prada befiehlt Seriosität. Mit ungewöhnlichen Kontrasten spielen ist ein alter Trick von ihr. Also kombiniert sie das frivolste aller Materialien – Spitze – mit prüden Rollkragenpullis. Und siehe da, es funktioniert.

Zeitschriftenstylisten (und die Mädels auf der Straße) lassen sich davon inspirieren und geben Geklöppeltem mit weißen Männerhemden, mit Sporttrikots oder Kapuzenshirts einen neuen Kick.
Womit auch erklärt wäre, warum Miucchia Prada als immer noch wichtigste Designerin gilt. Sie entdeckt auch in Altbekanntem verblüffend neue Möglichkeiten. Das wirkt manchmal leicht daneben (Neopren in der City?!) ist aber oft ziemlich Spitze.

Ach, wie süß: der Spiegel zieht in der aktuellen Ausgabe (und Online) über Blogger her. Die Blogospäre regt sich wahnsinnig auf. Alle verlinken sich entrüstet hin und her. Die Clickzahlen steigen auf beiden Seiten und alle kommen sich wahnsinnig wichtig vor. (Jetzt könnte ich die Links dazu hier auch einbauen und damit mehr Leute auf meine Seite ziehen, ist mir aber wurscht, weil sowas von Gähn.)

Blogger sind der Meinung, das Internet wird Print über kurz oder lang töten und da ist was dran. Eigentlich keine üble Vorstellung. Um täglich News an den Leser zu bringen, müssen keine Bäume gefällt, kein bedrucktes Papier produziert und auch nicht mehr in stinkenden Lastern durch die Gegend gekarrt werden. Da die ganze teure Logistik entfällt, braucht es auch keine Verlage mehr, um die Infrastruktur zu organisieren. Das dämmert Springer, Holzbrinck, Burda und Co. gerade. Es macht sich Panik breit, weil keiner weiß, wo die Reise enden wird. Aber alle geben wahnsinnig viel Geld aus, um noch schnell auf den Begräbniszug aufzuspringen. Es werden Unsummen im Internet investiert, die Schreiber spart man ein. In den USA wurden schon tausende von Journalisten arbeitslos, dafür hoffen die Verlage jetzt auf user generated content. Was bedeutet: Verlagsmanager träumen davon, dass Leser so blöd sind, für lau ein noch schöneres Anzeigenumfeld zu liefern als teure Autoren. Sie starten im Internet immer neue Versuche, dieses Erfolgsmodell durchzusetzen. Natürlich vergeblich. Aber die Kosten müssen die Printredaktionen mit Sparmaßnahmen wieder ausgleichen. Die Konsequenz: die Qualität im Print sinkt, die Leser springen noch schneller ab, die Anzeigen bleiben aus und schuld an allem ist das Internet.

Bei Tageszeitungen sieht es am schlimmsten aus. Die wird es bald nicht mehr geben. Als alte Zeitschriftenfrau, die schöne Bilder mag und nicht zuviel Worte, sehe ich die Lage für mein Metier optimistischer.

Die Internetseite, die es schafft, halbwegs brauchbare Optik zu produzieren wie hier die nicht weiter erwähnenswerte Modezeitschrift Madame in einer ganz alltägliche Fotostrecke, die muss erst noch erfunden werden. Als Zeitungsverlagserbe würde ich die geerbte Klitsche schnell verscherbeln, bevor sie nichts mehr wert ist. Als Zeitschriftenverlagserbe würde ich gepflegt abwarten, bis alle pleite sind und dann (fast) mein ganzes Geld einsetzen, um die besten Fotografen, Autoren und Grafiker zu engagieren und ein erstklassiges Blatt machen. Sollte das Ding dann keine Liebhaber finden und den Bach runter gehen, dann wenigstens mit Würde und Anstand.

Das deutschlandweit stilbildende Druckerzeugnis Instyle hat das Model Agyness Deyn als It-Girl geoutet.

Nicht, dass diese Information neu wäre. Von der Süddeutschen über den Spiegel bis hin zur gesamten Frauen- und Klatschpresse – kein Blatt, das sich dem Zeitgeist verpflichtet fühlt, kann im Moment die Britin ignorieren. Ihre gefühlte Popularität erreicht schon fast die der angelsächsischen Überikone Lady Di.

Da It-Girls allgemein als Geschmacksbarometer gelten, ist interessant, was Miss Deyn auf dem Instyle-Foto trägt. Das Ganze sieht zwar aus wie für das Party-Motto „Punk“ zurechtgepfriemelt, darf aber nicht als Schnapsidee unterschätzt werden. Es zeigt klar, was modemäßig demnächst auf uns zu kommt. Nö, nicht die Union-Jack-Tasche. Seit den letzten Sportereignissen ist jegliches Flaggendesign wegen inflationärer Verbreitung streng verboten. Pumps zu knöchellangen Röhrenhosen gehören auch in den Abfalleimer der Modegeschichte. Und falls das ein Kreuz sein sollte, was da im Dekollete baumelt, das gilt höchstens noch bei Kirchentagsbesuchern als chic.

Nein, das zukunftsweisende Teil dieses Ensembles ist der Pullover. Mit heißer Nadel selbstgestrickt, zipfelig und löchrig, wegen funktionierender Luftzufuhr partytauglich. Kreationen wie diese sind absolut im Kommen.

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Die zu recht hochgelobten Rodarte-Sisters aus New York zeigen in ihrer Winterkollektion, wie man schwarze Löcher in Kunstwerke verwandelt.
Und ein anderer Könner – Dries van Noten – hatte eine ähnliche Idee.

Kopien dieser Art von Strickwaren – demnächst in einem Zara oder H&M near you.

Es soll noch Menschen da draußen geben, die gedruckte Magazine lesen – und sich auf jeden Termin beim Zahnarzt oder Gynäkologen freuen, weil sie dann ungeniert einer heimlichen Leidenschaft frönen dürfen: Sich alle im Wartezimmer rumliegenden, zerfledderten Exemplare von Gala oder Bunte reinziehen. Diese Sucht befriedigt das Internet viel nachhaltiger. Mit Klatschseiten, die ihre Häme schneller, gemeiner und witziger abschießen, als alle Hamburger und Münchner gemeinsam. Dazu täglich, knapp und kostenlos. Für den kleinen Spaß zwischendurch. Dass die oft fünftklassigen Promis und Sternchen in Deutschland keiner kennt, ist für das Vergnügen völlig egal. In der Bunten kann man ja auch nicht jede Pappnase identifizieren.
Mein Tipp zum Einstieg (Englischkenntnisse vorausgesetzt): Gofugyourself. Internetsurfern braucht man diese Meisterinnen des fein ziselierten Spotts nicht mehr zu empfehlen. Sie sind weltberühmt. Aber auch all den hartgesottenen Fans von Druckerzeugnissen seien sie ans Herz gelegt.
Zur Einstimmung hier eine kleine fiktive Konversation zwischen zwei echten Celebrities: Tina Turner und Giorgio Armani. Anlass: ihr Kleid.

Ab dem 8. August muss ja schon wieder Sport geguckt werden. Höchste Zeit also, um sich noch mal schnell – bevor Trainingsanzüge und verschwitzte Trikots die Bildberichterstattung dominieren – anzuschauen, was neben der Olympiade sonst modemäßig in China passiert. Natürlich hat das Land, wie jede boomende Industrienation, eine eigene Fashionweek. Die letzte fand im März in Peking statt, gezeigt wurden Kollektionen für den Herbst/Winter 2008/9 und diejenigen der westlichen Modejournalisten, die davon Kenntnis nahmen, waren sich in ihrem Urteil einig: „Absolut untragbar“ (absolutely unwearable). Was in diesen Kreisen das höchste Lob ist, bedeutet es doch, die Designer haben sich nicht von kommerziellen Zwängen leiten lassen, sondern munter drauf los phantasiert. Ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse eventueller Käuferinnen.
Bewiesen wurde dabei, dass
1. Selbstironie und Kommunismus sich nicht ausschließen

2. auch in China Talente à la Lagerfeld und Galliano heranreifen

3. Maoanzüge, Suzie-Wong-Kleidchen, Drachenstickereien und Stehkragen im Reich der Mitte als erledigt angesehen werden können.


Fotos: chinadaily.com

Den ersten Preis beim Nachwuchswettbewerb „Hempel Award“ gewann übrigens ein Deutscher, David Ubl, Absolvent der Esmod Berlin, mit einer kreativen, aber sehr untragbaren Männerkollektion.

Karen Duve hat es mit ihrem neuen Roman „Taxi“ in die Spiegel-Bestseller-Liste geschafft. Warum, sei an einem Zitat verdeutlicht, das so ganz nebenbei beide Geschlechter stilkritisch abfertigt:

„Der Trendforscher hatte sich mit der zunehmenden Vereinzelung der Westeuropäer beschäftigt und vorausgesagt, dass sich in den Großstädten demnächst nach Geschlechtern getrennte Stadtteile herausbilden würden, in denen entweder nur noch Single-Frauen oder nur noch Single- Männer leben würden. Die Single-Frauen würden in schnuckeligen kleinen Stadtteilen wie Eppendorf oder Eimsbüttel wohnen. Sie würden Rüschengardinen an den Fenstern ihrer Altbauten anbringen, und es würde Cafés und Buchläden geben und Geschäfte, in denen man hübschen sinnlosen Krimskrams kaufen konnte. In den Männer-Stadtteilen würden Zweckbauten stehen – ohne Rüschengardinen. Statt Buchläden und Cafés würde es Kneipen und Fast-Food-Ketten geben und mindestens eine Sportarena. Was der Trendforscher bei seinen Prognosen aber noch nicht berücksichtigt hatte, war, dass die Männerstadtteile unter einer fortschreitenden Verslumung zu leiden haben würden. Ich dachte das für ihn zu Ende: Der Dreck bei den Männern würde kniehoch liegen. Bei den Frauen hingegen würde sogar das Laub zusammengeharkt, in kleine Stoffbeutel gefüllt und mit Samtschleifen in den neuesten Herbstmodefarben zugebunden und an den Straßenrand gestellt. Die Frauen würden auch große Plüschtiere auf die Verkehrsinseln setzen und niemand würde sie wegnehmen, außer wenn zufällig mal ein randalierender Mann rüberkäme. Wahrscheinlich würden die Frauen irgendwann das Elend in den Männerslums nicht mehr mit ansehen können, und sie würden freiwillige Putzkolonnen hinüberschicken. Die Putzkolonnen müssten dann weiße Sicherheitsanzüge tragen wie nach einem Reaktorunfall, und wenn sie aus den Männerstadtteilen zurück kämen, müssten sie zuerst durch eine Schleuse mit Desinfektionsduschen. Diese Desinfektionsschleusen wären überhaupt wichtig, damit die Männer nicht ihr ganzes Ungeziefer und ihre Bakterien mit in die kleine pastellfarbene Welt der Frauen trügen. Ich überlegte, in welchen Stadtteilen das Leben grässlicher wäre, und ich konnte mich nicht entscheiden.“

Obwohl der Roman in den 80er Jahren spielt und weder die neue Gebärfreudigkeit der Frauen berücksichtigt, noch die Vercoffeeshopisierung der Innenstädte, an der sich überraschend viele Männer beteiligen, ist er deshalb noch lange nicht altmodisch. Ganz im Gegenteil. So viel allgemeingültige Wahrheiten über beide Geschlechter hat keiner der Krimis auf der Bestseller-Liste zu bieten. Saukomisch ist er außerdem. Sehr empfehlenswerte Urlaubslektüre

In Paris haben die Haute Couture Schauen für den Sommer 2009 begonnen. Vorher gingen die Männer-Schauen zu Ende. In beiden spielte John Galliano mit – und er bot, wie immer, ganz großes Theater.


Alle Fotos courtesy style.com

Phantasielosigkeit wäre wirklich das allerletzte, was man ihm vorwerfen könnte.

Da sich hier diese Woche alles um das Thema „Verschönerungsmaßnahmen“ dreht, Fußball aber noch zu kurz kommt, heute ein Tipp für alle, die mit einem kleinen chirurgischen Eingriff liebäugeln oder darüber meditieren, ob sie sich die Falten wegspritzen lassen sollen: Youtube könnte bei der Entscheidungsfindung hilfreich sein.

Egal ob es sich um Brustoperationen oder Botox-Injektionen handelt, in tausenden von Videos können Interessenten sich ganz genau über die Prozeduren informieren. Ärzte in der ganzen Welt haben die Videoplattform als Marketingmöglichkeit entdeckt und stellen dort ihre Nip n‘ tuck Künste zur Schau. Laut New York Times geben sie den Frauen, die sich bei der Operation fotografieren lassen, sogar Rabatte.

Wer (wie ich) zu feige ist, sich die Filme anzugucken, kann stattdessen auf ein hochinteressantes Blog ausweichen: Makemeheal mit regelmäßiger, lückenloser Dokumentation der neuesten Verschönerungsaktionen der Promis. Wunderbar zum ablästern und Blut muss man sich auch nicht betrachten.

Was das alles mit Fußball zu tun hat?

Die berühmteste aller Spielerfrauen wird in Makemeheal besonders liebevoll porträtiert.

Auch wenn Victoria Beckham bei dieser EM notgedrungen fehlt, ist ihr stilprägender Einfluss auf der Tribüne der Spielerfrauen deutlich zu sehen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich dort eine besonders eifrige Klientel der Schönheitschirurgie versammelt. Liegt es vielleicht daran, dass Fußballergattinnen sich durch einen besonders mutigen Charakter auszeichnen müssen, um in der Manndeckung am Ball zu bleiben?