„So, so,“ sagte ein furchtbar wichtiger Manager eines schrecklich bedeutenden Verlages zu mir. „Sie schreiben also ein Blog. Können Sie mir mal verraten, warum sie das tun.“
„Och, so aus Spaß“, sagte ich. „Für eine Journalistin, die in Zeitschriften ihr Geld verdient, ist es ein Traum, schreiben zu dürfen, was sie will. Keiner meckert, und noch wichtiger, keiner fummelt in meinen Texten rum.“
„Aber wieviele Leute lesen das denn?“ Neben seinen vielen anderen Aktivitäten leitet er auch die Internetabteilung seines Unternehmens. Mit Zahlen kennt er sich.
„Na ja“, sagte ich mit stolz geschwellter Brust, „my best day ever waren 328 Zugriffe.“ Dabei verschwieg ich, dass in Zeiten akuter Faulheit wie in den letzten Wochen, die Besucherkurve steil nach unten geht.
Er brauchte ein paar Sekunden, um den Schock zu verdauen. „328 Zugriffe“, wiederholte er vorsichtig und sah mich mit leerem Blick an. Wahrscheinlich rollten vor seinem inneren Auge gerade die Millionenzahlen der verlagseigenen Webseiten ab. „Äh, was tun Sie denn um mehr Besucher auf Ihre Seite zu kriegen?“
„Nichts“, sagte ich. „Ist mir egal.“
„Kennen Sie Googleoptimierungsmöglichkeiten?“
„Kenne ich.“
„Und, wenden Sie die auch an?“
„Nö, ist ja nur mein privates Blog“, sagte ich.
„Haben Sie schon mal überlegt, mit Ihrem Blog Geld zu verdienen.“
„Nö“, sagte ich.
„Affiliateprogramme und so“, schlug er vor.
„Interessiert mich nicht“, sagte ich.
„Aber Sie müssen doch einen Grund haben ein Blog zu schreiben.“
„Spaß“, erinnerte ich ihn.
Sein Blick glitt nun endgültig ins Leere. Als würde er im Kopf mal schnell alle Möglichkeiten prüfen, wie er diese gefährliche Terroristin aus dem Verlagsgebäude entfernen lassen könnte. Gottseidank rettete ihn die Sekretärin. Sie erinnerte ihn daran, dass unten das Taxi wartete, das ihn zum Flughafen bringen sollte.
Er nahm sein Sakko und ging, ohne sich zu verabschieden.

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