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Gerade ist hierzulande Vanity Fair hops gegangen, aber das heißt ja nicht, dass Condè Nast die Geschäfte aufgibt. In Großbritannien hat der Verlag heute ein neues fettes Lifestylemagazin gestartet. Mit einem ebensolchen Cover.
Beth Ditto erinnert an ein anderes Dickerchen, das schon mal mal berühmt war – die kniende Nackte am Strand, unterm Sonnenschirm. Wann war das, in den 70ern oder 80ern? Jedenfalls zu einer Zeit, als ein paar Kilo zuviel auf den Hüften eine Frau nicht für den Rest ihres Lebens in Depressionen stürzten.
In der Mode hängt angeblich die Saumlänge mit der Konjunktur zusammen, wie die Kurve auf der Anzeigentafel der Börse. Je besser die Zeiten, desto kürzer die Röcke, heißt es. Da liegt ein Umkehrschluss nahe. Je schlechter die Zeiten, desto runder die Mädchen.
Übrigens ist Chefredakteurin
Katie Grand das wahrscheinlich größte Talente, das momentan im Frauenzeitschriftenmarkt zugange ist. Es könnte gut sein, dass Condè Nast mit ihr Anna Wintours Nachfolgerin aufbaut.

Blättert man internationale Modezeitschriften, kann man im Moment einen Superobertrend nicht mehr ignorieren:

In der aktuellen italienische Flair (aus der auch beide Fotos stammen) sind gleich in vier verschiedenen Fotostrecken Spitzenkleider von Prada eingebaut. Andere Magazine halten es genauso. Und auf der Straße tragen schon die ersten Mädels stolz ihre Kopien zur Schau. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Vorausgesetzt man hält sich an die neue Art Spitze zu tragen: auf keinen Fall mit durchblitzendem BH drunter, tiefen Ausschnitten oder mit kokett zipfelnden Rocksäumen. Was allgemein als sexy gilt, ist streng verboten. Frau Prada befiehlt Seriosität. Mit ungewöhnlichen Kontrasten spielen ist ein alter Trick von ihr. Also kombiniert sie das frivolste aller Materialien – Spitze – mit prüden Rollkragenpullis. Und siehe da, es funktioniert.

Zeitschriftenstylisten (und die Mädels auf der Straße) lassen sich davon inspirieren und geben Geklöppeltem mit weißen Männerhemden, mit Sporttrikots oder Kapuzenshirts einen neuen Kick.
Womit auch erklärt wäre, warum Miucchia Prada als immer noch wichtigste Designerin gilt. Sie entdeckt auch in Altbekanntem verblüffend neue Möglichkeiten. Das wirkt manchmal leicht daneben (Neopren in der City?!) ist aber oft ziemlich Spitze.

Ach, wie süß: der Spiegel zieht in der aktuellen Ausgabe (und Online) über Blogger her. Die Blogospäre regt sich wahnsinnig auf. Alle verlinken sich entrüstet hin und her. Die Clickzahlen steigen auf beiden Seiten und alle kommen sich wahnsinnig wichtig vor. (Jetzt könnte ich die Links dazu hier auch einbauen und damit mehr Leute auf meine Seite ziehen, ist mir aber wurscht, weil sowas von Gähn.)

Blogger sind der Meinung, das Internet wird Print über kurz oder lang töten und da ist was dran. Eigentlich keine üble Vorstellung. Um täglich News an den Leser zu bringen, müssen keine Bäume gefällt, kein bedrucktes Papier produziert und auch nicht mehr in stinkenden Lastern durch die Gegend gekarrt werden. Da die ganze teure Logistik entfällt, braucht es auch keine Verlage mehr, um die Infrastruktur zu organisieren. Das dämmert Springer, Holzbrinck, Burda und Co. gerade. Es macht sich Panik breit, weil keiner weiß, wo die Reise enden wird. Aber alle geben wahnsinnig viel Geld aus, um noch schnell auf den Begräbniszug aufzuspringen. Es werden Unsummen im Internet investiert, die Schreiber spart man ein. In den USA wurden schon tausende von Journalisten arbeitslos, dafür hoffen die Verlage jetzt auf user generated content. Was bedeutet: Verlagsmanager träumen davon, dass Leser so blöd sind, für lau ein noch schöneres Anzeigenumfeld zu liefern als teure Autoren. Sie starten im Internet immer neue Versuche, dieses Erfolgsmodell durchzusetzen. Natürlich vergeblich. Aber die Kosten müssen die Printredaktionen mit Sparmaßnahmen wieder ausgleichen. Die Konsequenz: die Qualität im Print sinkt, die Leser springen noch schneller ab, die Anzeigen bleiben aus und schuld an allem ist das Internet.

Bei Tageszeitungen sieht es am schlimmsten aus. Die wird es bald nicht mehr geben. Als alte Zeitschriftenfrau, die schöne Bilder mag und nicht zuviel Worte, sehe ich die Lage für mein Metier optimistischer.

Die Internetseite, die es schafft, halbwegs brauchbare Optik zu produzieren wie hier die nicht weiter erwähnenswerte Modezeitschrift Madame in einer ganz alltägliche Fotostrecke, die muss erst noch erfunden werden. Als Zeitungsverlagserbe würde ich die geerbte Klitsche schnell verscherbeln, bevor sie nichts mehr wert ist. Als Zeitschriftenverlagserbe würde ich gepflegt abwarten, bis alle pleite sind und dann (fast) mein ganzes Geld einsetzen, um die besten Fotografen, Autoren und Grafiker zu engagieren und ein erstklassiges Blatt machen. Sollte das Ding dann keine Liebhaber finden und den Bach runter gehen, dann wenigstens mit Würde und Anstand.

Das deutschlandweit stilbildende Druckerzeugnis Instyle hat das Model Agyness Deyn als It-Girl geoutet.

Nicht, dass diese Information neu wäre. Von der Süddeutschen über den Spiegel bis hin zur gesamten Frauen- und Klatschpresse – kein Blatt, das sich dem Zeitgeist verpflichtet fühlt, kann im Moment die Britin ignorieren. Ihre gefühlte Popularität erreicht schon fast die der angelsächsischen Überikone Lady Di.

Da It-Girls allgemein als Geschmacksbarometer gelten, ist interessant, was Miss Deyn auf dem Instyle-Foto trägt. Das Ganze sieht zwar aus wie für das Party-Motto „Punk“ zurechtgepfriemelt, darf aber nicht als Schnapsidee unterschätzt werden. Es zeigt klar, was modemäßig demnächst auf uns zu kommt. Nö, nicht die Union-Jack-Tasche. Seit den letzten Sportereignissen ist jegliches Flaggendesign wegen inflationärer Verbreitung streng verboten. Pumps zu knöchellangen Röhrenhosen gehören auch in den Abfalleimer der Modegeschichte. Und falls das ein Kreuz sein sollte, was da im Dekollete baumelt, das gilt höchstens noch bei Kirchentagsbesuchern als chic.

Nein, das zukunftsweisende Teil dieses Ensembles ist der Pullover. Mit heißer Nadel selbstgestrickt, zipfelig und löchrig, wegen funktionierender Luftzufuhr partytauglich. Kreationen wie diese sind absolut im Kommen.

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Die zu recht hochgelobten Rodarte-Sisters aus New York zeigen in ihrer Winterkollektion, wie man schwarze Löcher in Kunstwerke verwandelt.
Und ein anderer Könner – Dries van Noten – hatte eine ähnliche Idee.

Kopien dieser Art von Strickwaren – demnächst in einem Zara oder H&M near you.

Es soll noch Menschen da draußen geben, die gedruckte Magazine lesen – und sich auf jeden Termin beim Zahnarzt oder Gynäkologen freuen, weil sie dann ungeniert einer heimlichen Leidenschaft frönen dürfen: Sich alle im Wartezimmer rumliegenden, zerfledderten Exemplare von Gala oder Bunte reinziehen. Diese Sucht befriedigt das Internet viel nachhaltiger. Mit Klatschseiten, die ihre Häme schneller, gemeiner und witziger abschießen, als alle Hamburger und Münchner gemeinsam. Dazu täglich, knapp und kostenlos. Für den kleinen Spaß zwischendurch. Dass die oft fünftklassigen Promis und Sternchen in Deutschland keiner kennt, ist für das Vergnügen völlig egal. In der Bunten kann man ja auch nicht jede Pappnase identifizieren.
Mein Tipp zum Einstieg (Englischkenntnisse vorausgesetzt): Gofugyourself. Internetsurfern braucht man diese Meisterinnen des fein ziselierten Spotts nicht mehr zu empfehlen. Sie sind weltberühmt. Aber auch all den hartgesottenen Fans von Druckerzeugnissen seien sie ans Herz gelegt.
Zur Einstimmung hier eine kleine fiktive Konversation zwischen zwei echten Celebrities: Tina Turner und Giorgio Armani. Anlass: ihr Kleid.

Ab dem 8. August muss ja schon wieder Sport geguckt werden. Höchste Zeit also, um sich noch mal schnell – bevor Trainingsanzüge und verschwitzte Trikots die Bildberichterstattung dominieren – anzuschauen, was neben der Olympiade sonst modemäßig in China passiert. Natürlich hat das Land, wie jede boomende Industrienation, eine eigene Fashionweek. Die letzte fand im März in Peking statt, gezeigt wurden Kollektionen für den Herbst/Winter 2008/9 und diejenigen der westlichen Modejournalisten, die davon Kenntnis nahmen, waren sich in ihrem Urteil einig: „Absolut untragbar“ (absolutely unwearable). Was in diesen Kreisen das höchste Lob ist, bedeutet es doch, die Designer haben sich nicht von kommerziellen Zwängen leiten lassen, sondern munter drauf los phantasiert. Ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse eventueller Käuferinnen.
Bewiesen wurde dabei, dass
1. Selbstironie und Kommunismus sich nicht ausschließen

2. auch in China Talente à la Lagerfeld und Galliano heranreifen

3. Maoanzüge, Suzie-Wong-Kleidchen, Drachenstickereien und Stehkragen im Reich der Mitte als erledigt angesehen werden können.


Fotos: chinadaily.com

Den ersten Preis beim Nachwuchswettbewerb „Hempel Award“ gewann übrigens ein Deutscher, David Ubl, Absolvent der Esmod Berlin, mit einer kreativen, aber sehr untragbaren Männerkollektion.

In Paris haben die Haute Couture Schauen für den Sommer 2009 begonnen. Vorher gingen die Männer-Schauen zu Ende. In beiden spielte John Galliano mit – und er bot, wie immer, ganz großes Theater.


Alle Fotos courtesy style.com

Phantasielosigkeit wäre wirklich das allerletzte, was man ihm vorwerfen könnte.

Da sich hier diese Woche alles um das Thema „Verschönerungsmaßnahmen“ dreht, Fußball aber noch zu kurz kommt, heute ein Tipp für alle, die mit einem kleinen chirurgischen Eingriff liebäugeln oder darüber meditieren, ob sie sich die Falten wegspritzen lassen sollen: Youtube könnte bei der Entscheidungsfindung hilfreich sein.

Egal ob es sich um Brustoperationen oder Botox-Injektionen handelt, in tausenden von Videos können Interessenten sich ganz genau über die Prozeduren informieren. Ärzte in der ganzen Welt haben die Videoplattform als Marketingmöglichkeit entdeckt und stellen dort ihre Nip n‘ tuck Künste zur Schau. Laut New York Times geben sie den Frauen, die sich bei der Operation fotografieren lassen, sogar Rabatte.

Wer (wie ich) zu feige ist, sich die Filme anzugucken, kann stattdessen auf ein hochinteressantes Blog ausweichen: Makemeheal mit regelmäßiger, lückenloser Dokumentation der neuesten Verschönerungsaktionen der Promis. Wunderbar zum ablästern und Blut muss man sich auch nicht betrachten.

Was das alles mit Fußball zu tun hat?

Die berühmteste aller Spielerfrauen wird in Makemeheal besonders liebevoll porträtiert.

Auch wenn Victoria Beckham bei dieser EM notgedrungen fehlt, ist ihr stilprägender Einfluss auf der Tribüne der Spielerfrauen deutlich zu sehen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich dort eine besonders eifrige Klientel der Schönheitschirurgie versammelt. Liegt es vielleicht daran, dass Fußballergattinnen sich durch einen besonders mutigen Charakter auszeichnen müssen, um in der Manndeckung am Ball zu bleiben?

Während die anderen Jungs sich für die EM abrackern, sahnt David Beckham richtig genüßlich ab – für weit weniger Arbeit. 10 Millionen Dollar kriegt er angeblich von der US-Kaufhauskette Macy’s für eine neue Werbekampagne.


Foto via justjared.buzznet.com

Becks in Unterwäsche von Armani und mit seinem weltbekannten, sehr fotogenem Sixpack. Damit ja niemand auf falsche Gedanken kommt (schließlich ist Fußball in den USA nicht so irrsinnig populär und ein europäischer Fußballer, trotz publicitywilder Ehefrau, nicht jedem ein Begriff), steht E(V)A da, wo’s hingehört.

Seit beginn dieser Fußballeuropameisterschaft schaue ich mit Neid in Reskis Republik. Dank der täglichen Weissagungen ihres italienischen Orakels und einer googleaffinen Berichterstattung strömen die Massen in ihre Gassen. Während der Stylebus so dahinholpert. Zur Zeit interessiert die Clicker nichts anderes als die EM 2008. Nicht mal halterlose Strümpfe oder Votzensport von Lady Bitch Ray.
Was mich auf die Idee brachte, auch einen suchmaschinenoptimierten Post zu verfassen. (Falls das Wort suchmaschinenoptimiert Printjournalisten nicht geläufig sein sollte: Es handelt sich dabei um die Kunst, Onlinetexte mit wichtigen Schlagworten vollzustopfen, damit sie von Google erfasst und möglichst ganz nach oben in die Liste der Suchergebnisse geschickt werden. Weil: Je weiter oben ein Beitrag erscheint, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass ein Clicker auf deine Seite wandert. Und da Clicks die Internatauflage oder Interneteinschaltquote sind, versucht jeder, der sich wichtig fühlt oder mit Anzeigen Geld verdienen will, Clicks herbeizutricksen. Ohne jetzt weiter in das weite Feld der Clickgenerierung einzusteigen, nur noch so viel: Der wichtigste Leser eines Onlinetextes ist erst einmal die Suchmaschine von Google. Gewitzte Onlineschreiber richten ihre Texte also an den Bedürfnissen eines Computers aus. Womit der alten journalistischen Grundsatz „Immer an den Leser denken“ im Internetzeitalter von der Variante „Immer an Google denken.“ abgelöst wird.)

Aber wo war ich stehen geblieben?

Ach ja, bei dem Vorsatz einen suchmaschinenoptimalen Post zu verfassen. Dafür kombiniere ich jetzt mal versuchsweise ein äußerst erfolgreiches Schlagwort meines Blogs – Merkel – mit einem im Moment höchst populären Suchwort: Fußball.


Fotos: Spiegel online

Fußballfans haben dieses Spiel natürlich längst abgehakt. (Ganz schlecht für die Clicks.) Ohne hier weiter in Wunden zu stochern, war dieses Treffen doch in einer Hinsicht bemerkenswert: wie geschickt sich die Kanzlerin mal wieder in Szene gesetzt hat. Okay, der curryfarbene Blazer hing an ihr, als hätte er sich schon einen ganzen Tag in Sitzungen gelangweilt, außerdem stand ihr die Farbe nicht optimal. Frisch vom Friseur kam sie auch und wahrscheinlich hatte sie ihm befohlen: Runter damit, ich will nicht alle vier Wochen zum nachschneiden kommen. Die Haare waren zu kurz. Ihr vom vielen Ärger mit der SPD deutlich gerundeten Schreibtischbuckel hätte meine Oma früher mit „Haltung, Mädchen“ kommentiert. Aber sonst machte sie alles richtig. Wechselte mit jedem anwesenden Wichtigmann ein paar Worte (gute Fotogelegenheiten). Demonstrierte Interesse, lächelte in den richtigen Momenten und ließ sich sogar von Theo Zwanziger abbusseln. Im Gespräch mit Kerner (oder war es Beckmann) kokettierte sie mit ihrem fußballerischen Laientum, um dann Lahm zu loben, weil er so fleißig war. Was Botoxdiva Netzer dazu veranlasste, ihr erstaunliches Fachwissen zu bescheinigen.
Mutig diese Frau Merkel. Wagt sich ins Testosteronland und macht alles richtig. Respekt.

PS: Über den Clickerfolg dieses Post informiere ich demnächst. Nur eine kleine Zusatzinfo für Suchmaschinenoptimierungstüftler: der mit weitem Abstand erfolgreichste Post meines Blogs ist der hier. Und das erstaunt mich dann doch.

Im Moment richtet gerade jedes Label brav seine Ökoecke ein – einerseits um sich mit demonstrativem Verantwortungsbewusstsein anzuwanzen, andererseits um ja keinen Trend zu verschlafen. Auch Armbändchen, von deren Erlös ein paar Cent an eine Wohltätigkeitsorganisation – Charity auf deutsch – gespendet werden, sollen das Geschäft mit dem guten Gewissen in Schwung bringen. Alles schön und gut. Während also die Großunternehmen noch herumeiern zwischen nicht ganz astreinen, aber billigen Produktionsmethoden im Ausland und dem Polieren des Heiligenscheins im Inland, schlagen ein paar nähende Fundis einen viel konsequenteren Weg ein. Mode aus Abfall ist ihr Motto und wer dabei an Gewänder aus blauem Mülltütenplastik denkt, liegt falsch. Diese Phase ist überwunden. Die Britinnen Annika Sanders und Seager von der Firma Junkstyling zum Beispiel, nehmen zwar auch (fast) alles was die Kleiderspendezentrale hergibt, aber das Ergebnis ihrer Abfallverwertung kann sich sehen lassen. Blaugemusterte Herrenhemden verschrotten sie etwa so:

Sollten von einem Kaschmirblazer nur noch die Ärmel intakt sein, macht das nichts, die lassen sich nämlich wunderbar als Schal reinkarnieren.

Das Geschäft mit dem Junkstyling läuft prima. London entdeckt gerade die Coolness von recycelten Klamotten. Und wie man weiß: was aus London kommt verbreitet sich noch immer schneller um die Welt als alles, was in Berlin (oder Köln) für hip gehalten wird. Egal, wie lange am Prenzlauer Berg schon grün genäht wird.

Öko wird immer schicker. Auf eine Art und Weise wie es sich die guten alten Grünen in ihren Gesundheitssandalen nie träumen ließen. Nicht nur, dass Adidas mit Turnschuhe aus recycelten Autoreifen und ähnlichen Ökoschnickschnack jetzt auch umweltbewusstes Konsumieren propagiert, in England hat die Turnschuhmarke (tschuldigung – das Lifestyle-Unternehmen) einen kontrovers diskutierten Werbespot in den Kinos geschaltet. Der Plot: Hippe junge Leute in Adidasklamotten kurven mit einem Auto voller Pflanzen verdächtig durch die Stadt und schlagen plötzlich zu. Tatort ist ein öffentlicher Grünstreifen. Schneller als bei einem Ladenüberfall wird er hübsch bepflanzt und bevor die Polizei dem Treiben Einhalt gebieten kann, sind alle auch schon wieder abgehauen.

Guerilla Gardening nennt sich diese nächtliche Umweltverschönerung, die zwischen Stockholm, London und Zürich gerade zu einer neuen Bewegung heranwächst und die – kaum ins öffentliche Bewusstsein gerückt – von den Adidas-Trend-Spürnhunden schon kommerziell vereinnahmt wird. Sehr zum Ärger der Initiatoren, für die Guerillaverständnis und Marketing unversöhnliche Feinde bleiben – trotz inflationären Gebrauchs des Wortes Guerilla (Guerillastores, Guerillawerbung etc.) Eine Haltung, die die subversiven Gärtner dann doch wieder den Uraltgrünen deutscher Provinienz annähert. Und wer weiß, wenn sie Pech haben lässt Madonna in ihrem nächsten Videoclip ein paar Guerillagardener rumturnen.

Vivienne Westwood kultiviert als große alte Dame des Punk bis heute die schrillen Auftritte. Qietschige Dauerwellfussel, eiserne-Lady-Styling und stilbildende Ignoranz für jede Art von Trend zeichnen sie aus. Sie kann sich selbst ironisieren ohne sich dabei zur Witzfigur zu machen wie eine Donatella Versace. Deren verzweifelter Versuch, mittels Chirurgie jung zu bleiben, weckt höchsten noch Mitleid. Wie souverän dagegen Vivienne Westwood.

Der britische Esquire hat anläßlich seines 75. Geburtstags ein paar Modedesigner gebeten, ein altes Esquire-Cover nachzustellen. Und prompt bewies die britische Provokateuse, dass sie mit ihren Ideen ihren Konkurrenten immer noch weit vorauseilen kann.

Vivienne Westwood pur. Ungeliftet, nicht gebotoxt – ja nicht mal geschminkt. In vornehmer Blässe (ist auch viel gesünder) statt armanihafter Solariumsbräune. Die Falten am Hals nicht à la Lagerfeld hinter einem absurd hohen Kragen eingequetscht. Den punkigen Totenkopf adrett an die Perlenkette gelegt. Mit feinem Großmutterlächeln. Soviel Mut zur Wahrheit muss ihr in diesem Gewerbe erst mal eine(r) nachmachen.

Für Anzeigen zu posieren, scheint sich momentan zum gefragtesten Broterwerb von Promis zu entwickeln. Neuester Zugang: Coppola, père et fille.

Wie davor Gorbatschow und Keith Richards machen nun auch Francis Ford Coppola und Tochter Sofia Reklame für Taschen. Yep, die mit den Logos, ganz links. Fotografiert hat nicht irgendwer, sondern Annie Leibowitz – sichtlich inspiriert von Coppolas Paten-Ästhetik. Sieht doch aus, wie ein ein Mafia-Boss in der Sommerfrische. Wie das Ganze zustande kam, wird in der Times ausführlich nacherzählt. Nur eines findet keine Erwähnung: das bisschen Extracash, das auch Promis nicht verabscheuen.