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Karen Duve hat es mit ihrem neuen Roman „Taxi“ in die Spiegel-Bestseller-Liste geschafft. Warum, sei an einem Zitat verdeutlicht, das so ganz nebenbei beide Geschlechter stilkritisch abfertigt:

„Der Trendforscher hatte sich mit der zunehmenden Vereinzelung der Westeuropäer beschäftigt und vorausgesagt, dass sich in den Großstädten demnächst nach Geschlechtern getrennte Stadtteile herausbilden würden, in denen entweder nur noch Single-Frauen oder nur noch Single- Männer leben würden. Die Single-Frauen würden in schnuckeligen kleinen Stadtteilen wie Eppendorf oder Eimsbüttel wohnen. Sie würden Rüschengardinen an den Fenstern ihrer Altbauten anbringen, und es würde Cafés und Buchläden geben und Geschäfte, in denen man hübschen sinnlosen Krimskrams kaufen konnte. In den Männer-Stadtteilen würden Zweckbauten stehen – ohne Rüschengardinen. Statt Buchläden und Cafés würde es Kneipen und Fast-Food-Ketten geben und mindestens eine Sportarena. Was der Trendforscher bei seinen Prognosen aber noch nicht berücksichtigt hatte, war, dass die Männerstadtteile unter einer fortschreitenden Verslumung zu leiden haben würden. Ich dachte das für ihn zu Ende: Der Dreck bei den Männern würde kniehoch liegen. Bei den Frauen hingegen würde sogar das Laub zusammengeharkt, in kleine Stoffbeutel gefüllt und mit Samtschleifen in den neuesten Herbstmodefarben zugebunden und an den Straßenrand gestellt. Die Frauen würden auch große Plüschtiere auf die Verkehrsinseln setzen und niemand würde sie wegnehmen, außer wenn zufällig mal ein randalierender Mann rüberkäme. Wahrscheinlich würden die Frauen irgendwann das Elend in den Männerslums nicht mehr mit ansehen können, und sie würden freiwillige Putzkolonnen hinüberschicken. Die Putzkolonnen müssten dann weiße Sicherheitsanzüge tragen wie nach einem Reaktorunfall, und wenn sie aus den Männerstadtteilen zurück kämen, müssten sie zuerst durch eine Schleuse mit Desinfektionsduschen. Diese Desinfektionsschleusen wären überhaupt wichtig, damit die Männer nicht ihr ganzes Ungeziefer und ihre Bakterien mit in die kleine pastellfarbene Welt der Frauen trügen. Ich überlegte, in welchen Stadtteilen das Leben grässlicher wäre, und ich konnte mich nicht entscheiden.“

Obwohl der Roman in den 80er Jahren spielt und weder die neue Gebärfreudigkeit der Frauen berücksichtigt, noch die Vercoffeeshopisierung der Innenstädte, an der sich überraschend viele Männer beteiligen, ist er deshalb noch lange nicht altmodisch. Ganz im Gegenteil. So viel allgemeingültige Wahrheiten über beide Geschlechter hat keiner der Krimis auf der Bestseller-Liste zu bieten. Saukomisch ist er außerdem. Sehr empfehlenswerte Urlaubslektüre

In Paris haben die Haute Couture Schauen für den Sommer 2009 begonnen. Vorher gingen die Männer-Schauen zu Ende. In beiden spielte John Galliano mit – und er bot, wie immer, ganz großes Theater.


Alle Fotos courtesy style.com

Phantasielosigkeit wäre wirklich das allerletzte, was man ihm vorwerfen könnte.

Während die anderen Jungs sich für die EM abrackern, sahnt David Beckham richtig genüßlich ab – für weit weniger Arbeit. 10 Millionen Dollar kriegt er angeblich von der US-Kaufhauskette Macy’s für eine neue Werbekampagne.


Foto via justjared.buzznet.com

Becks in Unterwäsche von Armani und mit seinem weltbekannten, sehr fotogenem Sixpack. Damit ja niemand auf falsche Gedanken kommt (schließlich ist Fußball in den USA nicht so irrsinnig populär und ein europäischer Fußballer, trotz publicitywilder Ehefrau, nicht jedem ein Begriff), steht E(V)A da, wo’s hingehört.

Seit beginn dieser Fußballeuropameisterschaft schaue ich mit Neid in Reskis Republik. Dank der täglichen Weissagungen ihres italienischen Orakels und einer googleaffinen Berichterstattung strömen die Massen in ihre Gassen. Während der Stylebus so dahinholpert. Zur Zeit interessiert die Clicker nichts anderes als die EM 2008. Nicht mal halterlose Strümpfe oder Votzensport von Lady Bitch Ray.
Was mich auf die Idee brachte, auch einen suchmaschinenoptimierten Post zu verfassen. (Falls das Wort suchmaschinenoptimiert Printjournalisten nicht geläufig sein sollte: Es handelt sich dabei um die Kunst, Onlinetexte mit wichtigen Schlagworten vollzustopfen, damit sie von Google erfasst und möglichst ganz nach oben in die Liste der Suchergebnisse geschickt werden. Weil: Je weiter oben ein Beitrag erscheint, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass ein Clicker auf deine Seite wandert. Und da Clicks die Internatauflage oder Interneteinschaltquote sind, versucht jeder, der sich wichtig fühlt oder mit Anzeigen Geld verdienen will, Clicks herbeizutricksen. Ohne jetzt weiter in das weite Feld der Clickgenerierung einzusteigen, nur noch so viel: Der wichtigste Leser eines Onlinetextes ist erst einmal die Suchmaschine von Google. Gewitzte Onlineschreiber richten ihre Texte also an den Bedürfnissen eines Computers aus. Womit der alten journalistischen Grundsatz „Immer an den Leser denken“ im Internetzeitalter von der Variante „Immer an Google denken.“ abgelöst wird.)

Aber wo war ich stehen geblieben?

Ach ja, bei dem Vorsatz einen suchmaschinenoptimalen Post zu verfassen. Dafür kombiniere ich jetzt mal versuchsweise ein äußerst erfolgreiches Schlagwort meines Blogs – Merkel – mit einem im Moment höchst populären Suchwort: Fußball.


Fotos: Spiegel online

Fußballfans haben dieses Spiel natürlich längst abgehakt. (Ganz schlecht für die Clicks.) Ohne hier weiter in Wunden zu stochern, war dieses Treffen doch in einer Hinsicht bemerkenswert: wie geschickt sich die Kanzlerin mal wieder in Szene gesetzt hat. Okay, der curryfarbene Blazer hing an ihr, als hätte er sich schon einen ganzen Tag in Sitzungen gelangweilt, außerdem stand ihr die Farbe nicht optimal. Frisch vom Friseur kam sie auch und wahrscheinlich hatte sie ihm befohlen: Runter damit, ich will nicht alle vier Wochen zum nachschneiden kommen. Die Haare waren zu kurz. Ihr vom vielen Ärger mit der SPD deutlich gerundeten Schreibtischbuckel hätte meine Oma früher mit „Haltung, Mädchen“ kommentiert. Aber sonst machte sie alles richtig. Wechselte mit jedem anwesenden Wichtigmann ein paar Worte (gute Fotogelegenheiten). Demonstrierte Interesse, lächelte in den richtigen Momenten und ließ sich sogar von Theo Zwanziger abbusseln. Im Gespräch mit Kerner (oder war es Beckmann) kokettierte sie mit ihrem fußballerischen Laientum, um dann Lahm zu loben, weil er so fleißig war. Was Botoxdiva Netzer dazu veranlasste, ihr erstaunliches Fachwissen zu bescheinigen.
Mutig diese Frau Merkel. Wagt sich ins Testosteronland und macht alles richtig. Respekt.

PS: Über den Clickerfolg dieses Post informiere ich demnächst. Nur eine kleine Zusatzinfo für Suchmaschinenoptimierungstüftler: der mit weitem Abstand erfolgreichste Post meines Blogs ist der hier. Und das erstaunt mich dann doch.

Um den Begeisterungstaumel für die EM 2008 auch stylemäßig zu unterstützen, schlage ich folgende Designs vor:

Gleichermaßen für Fußgänger und Fahrradfahrer geeignet. Selbstverständlich auch von weiblichen Fußballenthusiasten einsetzbar – obwohl durchaus auch femininere Modelle möglich sind. z.B. in Form eines Diadems, mit Pompoms oder garniert mit Federn und Tüll.

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, die Fußball-EM komplett zu ignorieren. Stylemäßig gibt sie wenig her – außer für TV-Kommentatoren und ähnliche Spezialisten, die sich über die Schönheit von Strategien, Spielzügen, Schwalben, Fallrückziehern, Elfmetern und ähnlichem begeistern können. Liegt mir alles fern, ist mir alles egal. So egal wie das Styling der Spieler-Gespielinnen, die im Moment von SZ bis Bunte gehuldigt werden. Da muss ich jetzt nicht auch noch mithalten. Aber nun hat La Reski sich zur WM geäußert – und nicht nur mit funkelndem Witz, sondern auch so, dass aFußball-Ignoranten wie ich sich getröstet fühlen in ihrer Abseitsfalle.

In Bayern gibt es tatsächlich noch Orte ohne Internetzugang, die guten alten Printmedien dringen aber locker in solche antidigitalen Oasen vor. So erfuhr ich ganz altmodisch beim Lesen in der Zeit, dass der hochgeschätzte Kollege Harald Martenstein sich als Autotester profiliert. Das ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert.

Erstens weil mein erstes selbst gekauftes Auto (d.h. nicht von Paps geschenkt, sondern mit selbstverdientem Geld abgestottert) ein gebrauchter Alfa Romeo Spider war. Er kostete das schier unfassbare Vermögen von 14tausend Mark und war leider hellblau, was ihn noch teurer machte, weil er auf rot umgespritzt werden musste. Pininfarinarot. Auch als Lippenstift- und Nagellack-Farbe unübertrofffen. Unterm geschlossenen Deck pfiff der Wind und tröpfelte das Wasser. Geriet man mit offenem Cabrio auf der Autobahn in ein Gewitter, musste man rechts ranfahren und unter Aufbietung aller Kräfte versuchen, das Dach zuzuklappen und festzuhaken. Am besten ging das mit einer männlichen Begleitperson. Was einerseits kein Problem war, weil sich alle gerne mitnehmen ließen. Andererseits schon – weil sie alle auch mal ans Lenkrad wollten. Außerdem hatte der Alfa wegen undichter Kabel im Regen die Angewohnheit, urplötzlich stehen zu bleiben. Ohne Rücksicht auf die Verkehrssituation. Wenn der Wagen auf einer dreispurigen Autobahn auf dem mittleren Streifen beleidigt den Geist aufgibt, weil er rechts und links von Lastwagen zugeplatscht wird, braucht man zum Überleben vor allem eines: Glück. Wir hatten es.

Der Alfa wurde verkauft, als das Baby zu groß wurde für die Kiste, in der es auf der Hinterbank festgeschnallt war. Das ist nun fast 18 Jahre her und nie wieder hat ein Auto so viel Spaß gemacht.

Der neue Alfa Romeo Spider 2.4 ist garantiert viel sicherer als mein 2.0er von ca. 1980. Sitzheizung und elektronisches Verdeck hat er natürlich auch. Das Grundmodell kostet neu fast 40000 Euro, ist also auch gebraucht wohl kaum vom ersten selbstverdienten Geld zu finanzieren. Außerdem sieht der Spider inzwischen aus wie eine Bulldogge. Kantig, sperrig, furchteinflößend. Für immer dahin, die elegante Leichtigkeit im Automobilverkehr.

Beim Lachen über Harald Martensteins Hymne auf den Alfa Spider, wurde mir außerdem klar: Auch der Autojournalismus hat sich verändert.

Als Mitarbeiterin von Frauenzeitschriften wird man immer mal wieder zu Events eingeladen, deren Zweck das Rumfahren von neuen Autos ist und Test genannt wird. In der Regel eine sehr angenehme Aufgabe, weil man zwei Tage in einem nagelneuen, schicken Gefährt in angenehmen, sonnigen Gegenden mit guten Straßen (Mallorca, Norditalien, Griechenland, Kanarische Inseln etc.) unterwegs ist, in erstklassigen Restaurants verpflegt und in luxuriösen Hotels untergebracht wird. Frauen sind in der Minderzahl. Die testenden Männer verfassen dann später lange komplizierte Artikel, durchsetzt mit Wörtern wie Differentialgetriebe oder Einspritzmotor und mit spürbarere Bewunderung für das Innenleben der neuen technischen Wunderwerke. Frauen schreiben eher über das geile Gefühl, das sich kurz hinter dem Lago Maggiore einstellt, wenn man im offenen Cabrio Serpentinen hochbrettert oder über das Glitzern in den Augen der Männer, wenn man mit einem Jaguar neben ihnen an einer roten Ampel hält. Wegen dieser besonderen Art der Sachkenntnis gelten Abgesandte von Frauenzeitschriften bei den Organisatoren der Events als Lifestyletussis.

Erstaunlicherweise orientiert sich ausgerechnet die seriöse Zeit bei den Autotests an den Vorbildern aus Elle oder Vogue und lässt die Artikel ebenfalls von Autoren verfassen, denen keinerlei Grundkenntnisse in Ingenieurwissenschaften den Spaß trübt. Das liest sich meistens viel amüsanter als alle engagierten Testberichte und beweist: Der alte Markwort-Spruch „Fakten, Fakten, Fakten“ hat auch im Autojournalismus endgültig ausgedient. Heutzutage sind Edelfedern wie Harald Martenstein die wahren Lifestyletussis.

Wenn mich nicht alles täuscht, bricht gerade eines der noch wenigen verbliebenen Tabus für Männer in sich zusammen.


Foto via Formatmag, „the hip hop news source“

Jetzt dürfen alle Kerle – wirklich alle! – Pink tragen. Und das ist gut so.

Der Karlspreis gilt unter europäischen Politikern als die höchste Auszeichnung. Am ersten Mai hat ihn Angela Merkel in Aachen verliehen bekommen. Damit ist sie aufgenommen in den Kreis der „Väter Europas“. Neben Simone Veil, der Norwegerin Gro Harlem Brundtland und Königin Beatrix die vierte Frau unter 54 Männern. Eine schöne Leistung. Und da die Bundeskanzlerin sich auch ansonsten im Moment höchster Beliebtheit erfreut (und Kurt Beck ganz lässig zeigt, wo der Hammer hängt), ist jetzt ein guter Zeitpunkt, ihre Erfolgsgeheimnisse auszuplaudern.

1. Wenn im fortgeschrittenem Lebensalter die Anwendung von Lippenstift, Wimperntusche und Eyeliner erforderlich ist, das in Gottesnamen halt auch noch lernen.
2. Mut zum Dekolletée – aber nie als einzige Waffe darauf vertrauen.
3. Selbstkritisch in den Spiegel gucken – sich aber keinesfalls davon entmutigen lassen.
4. Die Vorteile von Hosenanzügen nutzen. Sie sind zwar nach einer Burka das ödeste Kleidungsstück, dafür bedecken sie fast genausoviel wie eine Burka. Sehr vorteilhaft, wenn man nicht mit einer Kleidergröße unter 40 gesegnet ist. Männer wissen schon, warum sie darauf vertrauen.
5. Sich als junges Nachwuchstalent an einen erotisch unausgelasteten, aber mächtigen alten Mann ranwanzen und sich von ihm entdecken und fördern lassen. (Kohls Mädchen)
6. Gibt es Anzeichen für einen Machtverlust des alten Mannes, selber die Macht übernehmen. Treue ist was für Sissies.
7. Außer dem Alten hält dich keiner der anderen Männer für eine Attraktion? Wunderbar! Sie werden dich unterschätzen. Und im Abseits verblüfft ihre Wunden lecken.
8. Von alten, erfolgreichen Männern lernen: Durchhalten! Aussitzen! Kämpfen! Durchhalten! Aussitzen! Kämpfen! Niemals aufgeben! Um jetzt hier mal protzend eine philosophische Grunderkenntnis (von Buddha bis Nietzsche) einzustreuen: Amor fati. Liebe dein Schicksal. Es geht auch volkstümlicher mit einem Kalenderspruch: Jede Stunde Lebenskunde.
9. Beobachte die Selbstdarsteller um dich rum mit einem mildem Lächeln und denk dir deinen Teil Sprich ihn aber nie aus.
10. Jeder erfolgreiche Mann hat eine tüchtige Ehefrau und/oder Sekretärin im Hintergrund. Halte es genauso: Du brauchst einen loyalen, gescheiten Mann, der deine Tränen aushält und eine loyale, gescheite Freundin (gerne auch als Büromanagerin).
11. Das klingt alles wahnsinnig anstrengend? Hat hier jemand behauptet, das Leben sei ein Spaziergang im Frühling. Außerdem gibt es noch Punkt 12.
12. Hast du endlich erreicht, was du wolltest – genieße es! Besonders, wenn sich Sarkozy an dich ranwanzt. Obwohl du seinem Beuteschema in keiner Hinsicht entsprichst.

Der coolste Hund mit Porkpie war natürlich Gene Hackman in The French Connection.


USA 1971; Regie: William Friedkin

Da alle Welt (und Britney Spears) Trilby trägt, ist mein Mann auf ein weniger inflationär verbreitetes Hutmodell umgestiegen. Einen Porkpie, die favorisierte Kopfbedeckung solcher coolen Hunde wie Buster Keaton, dem Jazzer Lester Young und der Architekturlegende Frank Lloyd-Wright (v. li. n. re.)

Auf der Suche nach der perfekten Form bastelte Buster Keaton sich seine Hüte immer selbst. Das ging meinem Mann dann doch zu weit. Nachdem in München kein Porkpie aufzutreiben war, graste er das Internet ab, bis er bei einem Hutladen in New Yorks Orchard Street fündig wurde. Und nach einigen Tagen im Zoll, wo die von ihm ausgehende Bedrohung für die deutsche Kopfbedeckungsindustrie geprüft wurde, ist das gute Stück jetzt endlich angekommen.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die einzige Schweinepastete aus Filz im gesamten Alpenvorland.

Du, sag ich zu meinen Mann. Guck dir das an, das ist jetzt Mode.

Ach, sagt er. Durchgeknallt, zugedröhnt und abgestürzt, das war zu meiner Zeit auch schon Mode. Nur waren damals die Männer berühmt und die Frauen die Groupies. Heutzutage ist das umgekehrt.

Quatsch, sage ich, die Hüte.

Nun das interessiert ihn wirklich. Er hat geschätzte 40 Stück davon, wesentlich mehr als Schuhe und fast soviel wie Messer und das alles sammelt er auch. Als ich ihn kennenlernte, machten sich andere Männer in seinem Alter mit Baseballmützen lächerlich. Er favorisierte schon damals die gleichen Kopfbedeckungen wie mein Opa. Im Winter aus Filz, im Sommer aus Panama oder von irgendwelchen italienischen Wochenmärkten. Er kann begeistert über die verschiedensten Modelle (Trilby, Porkpie, Fedora) referieren, über Materialien (kanadischen Kaninchenfilz versus bayerischen Schafswollfilz), über das effizienteste Schweißband, über die ideale Breite der Krempe (Zweieinviertel Inch beim Porkpie, weil der stingy brim affig ist) und ihre schickste Form (hinten schroff gestürzt beim Trilby) oder über Sinn und Zweck von Hutbändern (verhindern das Ausdehnen. Schmückendes „Obst“ daran ist nur was für Frauen und Trachtler). Elegant darf das Ganze auch nicht aussehen, sondern so als hätte es schon mehrere Leben lang in Kneipen am Haken gehängt.

Ich erinnere mich, dass wir in der Karibik unser Leben aufs Spiel setzten, weil während einer Bootsfahrt ein aufkommender Sturm ihm seine weitgereiste australische Rarität vom Boot ins Meer blies und drei Mann, statt schleunigst ans Ufer zu steuern, mit Stangen nach dem guten Stück angelten. Mit Erfolg, kurz bevor die Wellen über uns zusammenschlugen. Ich erinnere mich an einen wirklich ernsthaften Ehestreit, weil ich ein unmögliches Ding, das ihm meiner Meinung nach überhaupt nicht stand, einfach aus dem Fenster warf. Spätnachts, im Hochsommer, bei bestem Wetter. Der Hut überstand die Krise ohne Schaden. Im Moment liebäugelt er mit einem Porkpie, einem Modell, das sonst nur Jazzmusiker (Lester Young), Architekten (Frank Lloyd Wright) und Komiker (Buster Keaton) zu tragen wagten. Es ist seit ewigen Zeiten aus der Mode. Aber ich bin mir sicher, man kann dem avantgardistischen Modegespür meines Mannes auch in diesem Fall vertrauen. In sätestens zwei Jahrzehnten werden es die dann aktuellen Popstars entdeckt haben und total hip finden.

Wer das Thema weiter vertiefen möchte: Hier eine interessante Adresse.

Und ein Tipp für Frauen, die auch gerne mal ein bißchen Pete Doherty spielen möchten – nur schicker: Die junge Barbara Habig aus einer bekannten Wiener Hutmacherdynastie gibt dem Panamahut in diesem Sommer einen „funky flavour“ Das steht ihm gut. Und ihr auch.

Wenn man berücksichtigt, dass dieser Mann hier gerade durch das texanische Hochland läuft, muss man ihm bescheinigen, stylemäßig alles richtig zu machen (na ja, fast alles):  

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Ein braunes Hemd zur schwarzen Baumwollhose mit Bügelfalte hat im Land der Cowboys schon einen eleganten, avantgardistischen Touch. Die landestypischen Stiefel und die Jacke dazu verraten den gestalterischen Willen, auch Tradition und Herkunft gerecht zu werden. Die Farbkombi schwarz/braun ist konsequent durchgezogen. Das ganze Styling erinnert an die texanische Stilikone Johnny Cash, die in der gesamten Männerwelt bis heute von begeisterten Anhängern  gefeiert und kopiert wird. Einzig der sauber glatt geföhnte Pagenkopf weckt im Betrachter ein gewisses Mißtrauen aus. Was hat dieser Mann eigentlich vor?

Am Ende von „No Country für Old Man“ weiß man’s: Prinz Eisenherz läuft Amok.

Was lernen wir daraus? In seiner Frisur zeigt sich der Charakter eines Menschen (und ein brillanter Schauspieler kann das bis in die letzte Haarspitze darstellen).

Übrigens: Wenn er nicht böse spielt, hat Javier Bardem die besten Chancen auf einen Spitzenplatz in der beliebten Liste „Promis, mit denen man sich den GV vorstellen kann“.

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Guck mal, sage ich zu meinem Mann. Den finden jetzt alle Mädels total geil. Und Männer auch..

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Hm, sagt mein Mann. Irgendwie kommt mir der bekannt vor. 

Das ist Josh Holloway aus „Lost“, du weißt schon, der Fernsehserie, die du so gerne anschaust. 

Schon lang nicht mehr, sagt mein Mann. Nach dem Urlaub hatte ich völlig die Orientierung verloren. Wer ist wer? Wer hasst wen? Wer ist verliebt in wen? usw. Da blickt doch kein Mensch mehr durch. Du meinst schwule Männer finden ihn geil? 

Heteros auch, sage ich. Schau dich mal auf der Straße um, sie lassen sich  jetzt alle diesen schütteren Jungmänner-Vollbart wachsen. Sogar die H&M-Beilage in der SZ war voll davon.

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Wie lange dauert, das bis so was wächst? frage ich. 

Zehn, zwölf Tage, sagt er. Nur bei Ahmadinedschat sprießt das in zwei Tagen. 

Ahamina…..? 

Ahmadinedschat, der iranische Präsident.  

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Ach der, sage ich. Der so gaga ist. Hat sich Josh Holloway von ihm den Bart abgeguckt. Ist das die neue männliche Stilikone?