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Eine attraktive Blondine, die aussieht als ob sie kein Wässerchen trüben könnten, aber im Taxi bläst sie dir einen. Sinngemäß so, wenn auch nicht genau mit diesen Worten, beschrieb Alfred Hitchcock einst seine Traumfrau. Und machte sie bekanntlich in vielen Versionen (z. B. bodenständig mit Doris Day oder aristokratisch mit Grace Kelly) zur Hauptfigur seiner Filme.

Frauen, hinter deren gutbürgerlicher Fassade ein Sumpf aus sexuellen Phantasien und Lüsten brodelt, faszinierte viele Regisseure der 50er und 60er Jahre. Chabrol etwa, Ingmar Bergmann und auch Luis Bunuel. Letzter hat 1967 mit „Belle de Jour“ den Klassiker zum Thema gedreht. Schaut man sich den Film heute an, muss man schon ein bisschen schmunzeln darüber, dass eine Catherine Deneuve in Dessous damals als Provokation galt. Auch die surrealistische Wendung der Geschichte wirkt heute rührend harmlos. Da gab Bunuel eher seinen Macken nach, als sich auf erzählerisches Neuland zu wagen. Trotzdem wirkt der Film immer noch erstaunlich modern.

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Das liegt vor allem an der genialen Besetzung der Hauptfigur der Arztgattin und Tagesnutte Belle de Jour mit Catherine Deneuve, die damals erst 22 Jahre alt war. Die Deneuve hat ja immer diese spießig-eisige Aura, die sie so langweilig wirken lässt. Nun in ihren besten Momenten schafft sie es, sowas wie Gefühle aufblitzen zu lassen. Gut also, dass sie bei Bunuel nicht viel mehr zu tun hat, als schön und unnahbar auszusehen. Das kann sie von Natur aus. Den Rest erledigt ihr Styling. Dafür war Yves Saint Laurent verantwortlich. Er steckte sie in schwarz und beige (nur für die Dessous im Bordell wählte er unschuldiges Weiß). Alles hochgeschlossen, spröde, sehr streng, aber modisch absolut auf der Höhe der Zeit.

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Seine Raffinesse liegt in winzigen Details. Wenn Belle de Jour ihren nichtsahnenden Ehemann in Krankenhaus besucht, trägt sie einen Lackledermantel. Äußerst geschmackvoll. Erst auf den zweiten Blick kapiert der Betrachter, dass diese Art Kleidung von Damen eines gewissen Gewerbes bevorzugt wird. In ihrem sado-masochistischen Traum lässt Belle de Jour sich einen auffallend roten Mantel vom Leib reißen. Das einzige Rot in einer ansonsten braun-beige-schwarzen Farbpalette. (Damit übrigens ähnlich dezent wie jene in Frühstück bei Tiffany und genauso chic.)

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Frühstück für Tiffany war der Beginn einer lebenslangen Freundschaft zwischen Hubert de Givenchy und Audrey Hepburn. Mit Catherine Deneuve hatte auch Yves Saint Laurent seine Muse gefunden. Seine Traumfrau, wenn auch nicht unbedingt in Hitchcocks Sinn.

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PS Auch Catherine Deneuves Schuhe in Belle de Jour gehören zur Modegeschichte. Es sind die berühmten Pilgrims Flats (ein schöner Name für das Schuhwerk einer Dame, die in ihrem Job gewöhnlich viel Pflaster treten muss) von Roger Vivier. YSL und Vivier kannten sich aus der gemeinsamen Zeit bei Dior. Die Lackschuhe mit den silbernen Schnallen gibt es seit etwa zwei Jahren wieder in einer Neuauflage von Vivier zu kaufen und sie werden nach wie vor gerne von gutbürgerlichen Arztgattinnen getragen.

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Ein Teil der Fotos via cinebeats, a fantastic movieblog

Es gibt ein neues Wort auf Styling-Denglish: Color Blocking. Das hat was mit Blockhaus zu tun oder mit Blockstreifen und bedeutet unter Grafikern, dass eine Layout möglichst gekonnt mit Farbflächen gefüllt wird. Je unterschiedlicher, fetter und klotziger, desto spannender. Umgesetzt in Mode sieht das so aus:

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Ungewöhnliche Farben miteinander zu tragen ist ein Riesentrend in diesem Sommer. Wobei auffällt, dass kaum ein Designer sich so richtig ran traut. Aus lauter Angst, zu bunt zu wirken, bleiben sie dann doch gerne auf vertrautem Terrain und kombinieren Ton in Ton oder mit höchstens zwei starken Farben statt auch mal gewagter zu mischen. Den Mut bringen eher die Kids auf der Straße auf. Die feiern in den USA schon color blocking parties, auf denen die Gäste so bunt rausgeputzt wie möglich erscheinen. Aber stylish natürlich und nicht nur einfach quietschig. Der New Yorker Nachwuchsdesigner Chris Benz hat für seine Sommerkollektion so ein Farbenfest inszeniert und ließ damit die geschmackvoll nuancierten alten Meistern ziemlich blass aussehen.

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Einen alten Meister gibt es natürlich, den auch der verwegenste junge wilde nicht übertrumpfen kann. Sein color blocking zieht im Moment die Besucher in Scharen in die Münchner Hypokulturstiftung, wo noch bis 27. April Arbeiten von Mark Rothko ausgestellt sind.

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Wobei Rothko das, was ich hier getan habe, nämlich seine Arbeiten einfach hübsch nebeneinander aufzureihen, aufs höchste missbilligt hätte. Er verabscheute es, wenn Malerei als Dekoration benutzt wurde. Seine Kunst sollte sinnliche Erfahrungen auslösen und nicht einfach nur adrett über dem Sofa hängen (oder – noch schlimmer – als modische Spielerei eine Saison lang durch die Welt geistern).

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Mea culpa – aber die Versuchung, mit color blocking ein bisschen color blogging zu betreiben, war einfach zu groß.

Rothko-Fotos via National Gallery of Art, Washington (mit einer lesenswerten Online-Übersicht über das Werk von Mark Rothko). Alle Modefotos courtesy style.com

ACHTUNG: Dieses Foto ist von gestern, aber das Thema ist von heute.

Frauenzeitschriftenredaktionen sind immer ein guter Indikator dafür, was die Mädels da draußen wirklich interessiert. Ganz ungeniert wird die weibliche Sicht auf das Weltgeschehen gepflegt. In der Regel ohne männliche Gegenmeinung, was sehr amüsant sein kann, aber Politikredakteure in tiefe Depressionen stürzen würde. Das am meisten diskutierte Thema bei meinem Redaktionsgastspiel heute war dieses:

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Carla Bruni trägt tatsächlich Ballerinas. Und er kann seine extrahohen Absätze noch nicht mal unter seinen extralangen Hosenbeinen verbergen. Trotzdem überragt sie ihn. Wie finden wir das, Mädels?

1) Sie steht nicht zu ihrer Größe. Wie feige!
2) Es muss echte Liebe sein. Warum sonst sollte sie nach einem Leben in Killerheels ausgerechnet jetzt darauf verzichten?
3) Cool. Ballerinas sind gerade total im Trend.
4) Macht einen auf brav und trägt wahrscheinlich halterlose Strümpfe. Ziemlich ausgekochtes Luder!
5) Bestimmt hat er sie dazu gezwungen, die Arme!
6) Egal wie hoch seine Absätze sind, sie zeigt wahre Größe.

Ich hoffe auf Nr. 4. Ein Rock chick, das First Lady mimt verspricht für die nächste Zeit ziemlich gute Unterhaltung.

Huch, wer neigt denn da so graziös das Haupt vor dem faltigsten Sohn der internationalen Monarchie-Szene?

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Ist etwa Jackie Kennedy samt Pillbox wieder auferstanden?

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Ach nein, es ist Madame Sarkozy mit dem offensichtlichen Ehrgeiz als politische Stilikone in die Geschichte einzugehen.

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Das Thema Strümpfe ist im Internet ein weites Feld. Zahllose Foren widmen sich so existenziellen Fragen wie: Mädels, wie findet ihr Strapse oder halterlose Strümpfe? Neben Praktikerinnen mit handfesten Tipps und Erfahrungsberichten schalten sich auch gerne männliche User in die Diskussion ein. Bei der Strapse-oder-halterlose Strümpfe-Problematik immerhin 47 Prozent, die sich unter dem Punkt „Ich bin zwar ein Mann, will aber trotzdem was dazu sagen“ äußerten. Hier die nur leicht über den Daumen gepeilten relevanten Umfrageergebnisse aus der Männergruppe (mit Originalzitaten).

Finde ich gut…
Strumpfhosen: 7 % (och nee…)
nackte Beine: 21 Prozent (aber nur wenn der Rest auch nackt ist)
Strapse: 62 Prozent (Geil!! bzw. Wieso dürfen nur Mädels Strapse tragen?)
Halterlose Strümpfe: 99 Prozent (Geil!! Sabber, Sabber.)

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Womit wir beim Thema wären: Ausgerechnet an Ostern entdeckte ich die große Schar der Trägerinnen von halterlosen Strümpfen, die völlig Undercover unterwegs ist und nur Eingeweihten bekannt. Auf das Thema angesprochen („Du, was für eine Art von Strümpfen trägst du eigentlich“) outeten sich über den Daumen gepeilt 70 Prozent meiner Kontrollgruppe als heimliche Anhängerinnen. Das überraschte mich. Da ich selbst dem Kreis 70-DEN-blickdichte-schwarze-Strumpfhose angehöre, wusste ich bis jetzt nicht, dass so viele meiner Geschlechtsgenossinnen ein Doppelleben als femme fatale führen. Und keine davon ist Chefredakteurin, Sekretärin oder Rennrodlerin, die einzigen Berufszweige, im denen ich persönlich schon halterlosen Strümpfen gesichtigt habe. Zufällig!

Meine Freundin M-L. gestand mir, dass sie während ihrer zweiten Schwangerschaft die als hocherotisch eingestufte Beinbekleidung entdeckte: „Es gibt sehr gute halterlose Stützstrümpfe.“ Meine Freundinnen C,. P. und I. gaben alle den Tipp, lieber eine Nummer größer zu kaufen, „damit das Bein nicht so abgewürgt wird“ und warnen davor, sich vor dem Tragen einzucremen. „Dann kann’s dir auf offener Straße passieren, dass die Dinger dir plötzlich um die Fesseln schlackern“. In einem Forum lernte ich, dass es auch Exemplare zum Festkleben, statt mit Gummizug gibt. Der Tipp dazu: „Wenn der Kleber nicht mehr hält, ihn mit Bier beträufeln, aber bevor man die Strümpfe anzieht, sonst läuft das Bier die Beine runter.“

Auf Anfrage äußerte auch mein wichtigster männlicher Consultant spontan und offen seine Meinung: „Sehr erotisch!“ :-) (was ja nichts anderes ist als die elegantere Formulierung der Antwort der Mehrheit der Männer aus der eingangs erwähnten Umfrage). Vielleicht ist der Frühlang eine gute Jahreszeit für ein bißchen Feldforschung.

Foto via Heidweb (offensichtlich eine etablierte Adresse für den Kauf passenden Exemplare)

Wenn sich alle Welt für etwas begeistert, ist das nicht grundsätzlich ein Qualitätsmerkmal. Deshalb neige ich auch dazu, alles was hoch gehyped wird, zu ignorieren. Bis mir dann jemand das Buch in die Hand drückt oder mich in den Film schleppt und mich auf diese Weise zu der Einsicht zwingt: Auch mir gefällt manchmal, was alle Welt gut findet. Trotz der Peinlichkeit, mich schon wieder auf einer Linie mit der Zeitschrift Brigitte wiederzufinden. Die hat Miranda July schon vor Wochen gefeiert und war damit verdammt spät dran, denn außer mir und Brigitte befasst sich der Rest der Welt schon seit mindestens zwei Jahren mit der kalifornischen Künstlerin, die von sich selber sagt, sie sei „eine Autorin, die Filme macht, Videos dreht, Performances aufführt“ – und selbstverständlich auch die Website für ihr erstes Buch selbst gestaltet hat.

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Foto via David Byrnes Website ( ja, genau der von den Talking Heads.)

Ein It-Girl der Intellektuellen also, das mir bislang entgangen war. Nun hat Prestatore gestern Miranda Julys hochgelobte Short Stories „Zehn Wahrheiten“ mitgebracht und nach einem Nachmittag mit ihnen auf der Couch muss ich verschämt gestehen: Die sind aber verdammt gut. Mit Sätzen, die so neidisch machen, dass man einen Moment lang nicht weiter lesen kann, um das zu verkraften.

„Ich warf meinen Staub aus, die pulversisierenden Rückstände all der Dinge, die ich durch meinen Zweifel kaputt gemacht hatte.“

„Ich war nie sehr gesprächig. Manchmal fällt mir etwas zu sagen ein, und dann frage ich mich: Ist es das wert? Und die Antwort ist dann: nein.“

„Dann setzte die Euphorie ein, ein warmer Wind von Hawaii, der unsere Tränen trocknete und den Weg zurück in die physische Welt frei machte.“

„Mathelehrer erklären, Mathe sei einfach eine komische Art „ich liebe dich“ zu sagen.“

Um ausnahmsweise mal Elke Heidenreich zu zitieren: L.E.S.E.N.!!

Lila ist die Farbe des Karfreitag in Italien, die Farbe der Kreuzigung Christ und der Buße, schreibt La Reski. Und damit auch wir Saupreißn, wir protestantischen nördlich der Alpen das problematische Charisma von Violett verstehen, hat sie heute die Beweisfotos nachgeliefert. Aufgenommen im sizilianischen Trapani. Alles echt, die Schärpenträger und der Anzugsmann mit schwarzen Handschuhen. Keine Dreharbeiten für einen Mafiafilm. Verständlich, dass die Modefarbe Lila bei einer Sizilianerin ganz ungute Assoziationen auslöst

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Noch mehr Fotos sind in Reskisrepublik zu sehen

La Reski schreibt heute über das gestörte Verhältnis der Italienerinnen zur Farbe Lila. Ha, dachte ich, das glaube ich jetzt nicht. Und ich werde ihr auch gleich das Gegenteil beweisen. Schließlich sind die italienischen Designer berühmt für ihren Mut zu kräftigen Farben. Und die italienischen Frauen legendär für die Nonchalance, mit der sie diese zu tragen wissen. Cavalli, Versace, Dolce & Gabbana, Valentino sollen Lila fürchten wie der Teufel das Weihwasser? Das kann nicht sein.

Aber siehe da, es scheint zu stimmen. Die Recherche auf style.com ergab gerade mal zwei Sommerkleidchen aus Mailand in der Lieblingsfarbe der Kardinäle. Von den unerschrockenen Damen Alberta Ferretti (li.) und Anna Molianri (re.) Man beachte auch den Hinweis auf die angemessene Lippenfarbe: so nude wie möglich.

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Soeben eingetroffen: eine von Yohanans Zeichnungen aus Jerusalem. „She’s behaving well“ he says. 

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Thanks to Yohanan Lakicevic

Dass in diesem Sommer Blumenprints, so groß wie Tapetenmuster aus den 70er Jahren, das Straßenbild schmücken werden, ist klar. Angeheizt wird der Hype sicher noch von dem Sex-and-the City-Film, der am 27. Mai in die Kinos kommt. Auf den Fotos, die davon jetzt schon kursieren, sind alle vier Hauptdarstellerinnen in wildester SATC-Manier rausgeputzt – dank der Haus-und Hof-Stylistin Patricia Field. Die pushte mit ihrer Liebe für Stilettos ja nicht nur Manolo Blahnik zum Schuhgott hoch. Ihr kunterbunter Klamottenmix wurde für die Serie auch das wichtigste Stilmerkmal. Nicht elegant, nicht chic, aber immer sehr fotogen. Das half über manche Schwachstelle im Drehbuch locker weg.

Im Film wird das nicht anders werden. Wenn Sara Jessica Parker im geblümten Kleid, mit geblümten Mantel in Manhattan rumstöckelt (in den neuesten Manolos natürlich) und die Handtasche im Eiffelturmdesign schlenkert, stellt sie eine Ansammlung von It-Dingern zur Schau. 

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Da das alles nächste Saison wieder allerkältester Kaffee sein wird, ist die Frage aller Fans, wo kriegt man sowas her, ohne beim Edeldesigner zigtausend Euros hinzublättern. In dieser Hinsicht hält E-Bay ja immer wieder Überraschungen bereit. Nicht gerade den Eiffeltum aber immerhin das hier habe ich gerade gefunden: Ein Mantel im Wohnzimmertapeten-Look von Cacharel.

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Leider nur in Größe 36. Zur Zeit steht das Gebot bei 2,49 Euro. Bis 22.März. kann noch mitgesteigert werden. 

Wenn man berücksichtigt, dass dieser Mann hier gerade durch das texanische Hochland läuft, muss man ihm bescheinigen, stylemäßig alles richtig zu machen (na ja, fast alles):  

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Ein braunes Hemd zur schwarzen Baumwollhose mit Bügelfalte hat im Land der Cowboys schon einen eleganten, avantgardistischen Touch. Die landestypischen Stiefel und die Jacke dazu verraten den gestalterischen Willen, auch Tradition und Herkunft gerecht zu werden. Die Farbkombi schwarz/braun ist konsequent durchgezogen. Das ganze Styling erinnert an die texanische Stilikone Johnny Cash, die in der gesamten Männerwelt bis heute von begeisterten Anhängern  gefeiert und kopiert wird. Einzig der sauber glatt geföhnte Pagenkopf weckt im Betrachter ein gewisses Mißtrauen aus. Was hat dieser Mann eigentlich vor?

Am Ende von „No Country für Old Man“ weiß man’s: Prinz Eisenherz läuft Amok.

Was lernen wir daraus? In seiner Frisur zeigt sich der Charakter eines Menschen (und ein brillanter Schauspieler kann das bis in die letzte Haarspitze darstellen).

Übrigens: Wenn er nicht böse spielt, hat Javier Bardem die besten Chancen auf einen Spitzenplatz in der beliebten Liste „Promis, mit denen man sich den GV vorstellen kann“.

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Dass Modedesigner sich von der Natur inspirieren lassen ist an sich keine kreative Höchstleistung. Der erste Steinzeitmensch, der sich ein Bärenfell umhing, hatte die selbe Idee. Die nordamerikanischen Indianer imitierten die wilden Truthähne ihrer Heimat und versuchten den Feind mit furchterregendem Federschmuck in die Flucht zu schlagen. Mit mäßigem Erfolg, wie man weiß. Die wenigen verbliebenen afrikanischen Stämme, die nicht auf T-Shirt und Jeans umgestiegen sind, bemalen sich für ihre Partys gerne mit Löwen-, Tiger- oder Panthermustern. Ganz zu schweigen von den Fatigues, den Tarnfarben der Militärs, die je nach landschaftlichem Hintergrund vom grün-gelblichen (Dschungel) bis zum bräunlich-rötlichen (Wüste) variieren. Die Natur in der Mode war schon Thema für viele fette Fotobände und jede Wette, dass es bald einen neuen geben wird - mit den beiden US-Bloggerinnen von Trendinista als Herausgeberinnen.

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In ihrem Blog (und seit kurzem auch in dem E-Zine Coutorture) gehen sie umgekehrt an die Sache ran und suchen zu den fertigen Designs passende Analogien. Die Winter-Kollektion des Londoners Giles Deacon vergleichen sie zum Beispiel mit Insekten und lenken damit den Blick auf die Schönheit von Motten, Wanzen oder Raupen. Aber sie beschränken sich nicht nur auf Naturmotive, sondern werden zum Beispiel auch in der modernen Architektur oder beim Eiskunstlauf fündig. Eine witzige Idee, mit garantierter Erleuchtung: Ah, so kann man das auch sehen.

Und weil sie so gut zum Thema passt - hier noch eine weitere Kurzgeschichte

Über diesen You-Tube-Klassiker hat schon die ganze Welt gestaunt.  

Aber wie macht diese Japanerin das? In so einem Fall ist es gut, einen bequemen 18jährigen Sohn zu haben, der ganz viele T-Shirts falten muss, weil er in den Osterferien nach Berlin fährt.  Die klassische Mama-Version ist ihm viel zu umständlich. Irgendwo im Internet wird die 2-Sekunden-Falt-Methode erklärt. Da ist er sich sicher. Und tatsächlich… 

Es funktioniert. Der Koffer für Berlin ist fertig gepackt.

Guck mal, sage ich zu meinem Mann. Den finden jetzt alle Mädels total geil. Und Männer auch..

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Hm, sagt mein Mann. Irgendwie kommt mir der bekannt vor. 

Das ist Josh Holloway aus „Lost“, du weißt schon, der Fernsehserie, die du so gerne anschaust. 

Schon lang nicht mehr, sagt mein Mann. Nach dem Urlaub hatte ich völlig die Orientierung verloren. Wer ist wer? Wer hasst wen? Wer ist verliebt in wen? usw. Da blickt doch kein Mensch mehr durch. Du meinst schwule Männer finden ihn geil? 

Heteros auch, sage ich. Schau dich mal auf der Straße um, sie lassen sich  jetzt alle diesen schütteren Jungmänner-Vollbart wachsen. Sogar die H&M-Beilage in der SZ war voll davon.

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Wie lange dauert, das bis so was wächst? frage ich. 

Zehn, zwölf Tage, sagt er. Nur bei Ahmadinedschat sprießt das in zwei Tagen. 

Ahamina…..? 

Ahmadinedschat, der iranische Präsident.  

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Ach der, sage ich. Der so gaga ist. Hat sich Josh Holloway von ihm den Bart abgeguckt. Ist das die neue männliche Stilikone?