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Ein kleiner Nachtrag zu den halterlosen Strümpfen, die in Styling-Denglish auch Overknees heißen. Prada versucht nun schon in der zweiten Saison, die Frauen dafür zu erwärmen. Einen gewissen Kokotten-Charme kann man diesen leicht verkürzten overknee socks (britisches Englisch) an den, mit dringend dafür notwendigen Fohlenbeinen ausgestatteten, Models auch nicht absprechen.


Foto: Raymond Meier/US-Vogue

In den Händen von Patricia Field, der meiner einsamen Meinung nach völlig überschätzten Kostümbildnerin von Sex and the City, geht dann leider jeglicher Charme verloren.

Sarah Jessica Parker trägt in dem von allen 30ty- und 40ty-Somethings fiebrig erwarteten Sex-and-the-City-Kinofilm auch Overknees. Da sie dünne, gut durchtrainierte Beine hat und fehlende Länge mit extrem hohen Absätzen wett macht, hätten sie alle Chancen spektakulär auszusehen. An ihr zeigt sich aber leider nur, dass an Storchenstelzen statt einem Röllchen einfach Haut über den Rand quillt. Bei diesem Field-Styling bleibt nur noch die Kokotte übrig, um nicht zu sagen Schlampe. Wobei das allerdings in den Kreisen von Lady „Bitch“ Ray (s.u.) schon wieder als Ehrentitel gilt. Und das sie gerade den Ton angibt, könnte es also sein, dass Overknees im Sommer endgültig salonfähig sind.

Ein guter Tipp auch für Frauen, die im Job nach amerikanischer Manier Strümpfe tragen müssen: Overknee socks wären doch mal was Neues in Banken, Versicherungen, Consultingfirmen oder Airlines ;-)

Eine hübsche Fundsache aus Linda Grants exzellenten Blog „The Thoughtful Dresser“

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Any girl can be glamorous. All you have to do is stand still and look stupid. (Hedy Lamarr)

Hedi Lamarr war mindestens ein so gerissenes Luder wie Paris Hilton. Sie feierte lieber Parties als ihre Hollywoodkarriere voranzutreiben, obwohl sie alle Voraussetzungen erfüllte. Sie war schön (Hollywood vermarktete sie ein Zeit lang als schönste Frau der Welt), begabt, charmant und klug. Linda Grant erzählt in ihrem Post noch einmal die Geschichte von Hedi Lamarrs bahnbrechender Erfindung: einer wichtigen Komponente der Satelliten- und Handytechnik, erfunden in den 40er Jahren und ihrer Zeit weit voraus. Aus dem sehr lesenswerten deutschen Wikipedia-Artikel über die Schauspielerin wird klar, dass sie sich ihr ganzes Leben lang das zu nehmen wusste, was sie wollte und sich von niemand ausbremsen ließ. Erst recht nicht von ihren sechs Ehemännern. Schon die Art und Weise wie sie noch in Österreich ihren ersten – einen steinreichen Macho – ausbootete, verdient jeden Respekt.

„Die schönste Frau der Welt hatte einen Plan. Am Abend würde ihr Gatte sie wie jeden Abend aus dem goldenen Käfig holen und sie mit ein, zwei der kostbaren Juwelen aus seinem Tresor behängen. Aber heute würde der österreichische Faschist Fürst Starhemberg zum Dinner kommen, und ihr Mann Fritz Mandl würde ihm nur zu gern möglichst viele Waffen aus seiner Waffenfabrik verkaufen. Also schlug die schönste Frau der Welt dem Gatten vor, dass er sie heute ausnahmsweise mit allen Juwelen behänge, damit der Chef der Heimwehr beeindruckt und zu einem großen Geschäft ermuntert würde. Ihr Auftritt war eine Sensation. Von den Fingern bis ins Haar – nichts als Kristall, weiß, rot, blau, grün, Smaragde, Rubine, Diamanten, sie musste so viel wie ein Maharadscha gewogen haben. Vor dem Dessert entschuldigte sie sich für einen Moment. Kopfweh. Sie kam nicht zurück. Am Morgen war sie auf einem Schiff nach Übersee, samt den Juwelen, ihrer Schönheit, ihrer Klugheit, ihrem Talent.“

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Eine attraktive Blondine, die aussieht als ob sie kein Wässerchen trüben könnten, aber im Taxi bläst sie dir einen. Sinngemäß so, wenn auch nicht genau mit diesen Worten, beschrieb Alfred Hitchcock einst seine Traumfrau. Und machte sie bekanntlich in vielen Versionen (z. B. bodenständig mit Doris Day oder aristokratisch mit Grace Kelly) zur Hauptfigur seiner Filme.

Frauen, hinter deren gutbürgerlicher Fassade ein Sumpf aus sexuellen Phantasien und Lüsten brodelt, faszinierte viele Regisseure der 50er und 60er Jahre. Chabrol etwa, Ingmar Bergmann und auch Luis Bunuel. Letzter hat 1967 mit „Belle de Jour“ den Klassiker zum Thema gedreht. Schaut man sich den Film heute an, muss man schon ein bisschen schmunzeln darüber, dass eine Catherine Deneuve in Dessous damals als Provokation galt. Auch die surrealistische Wendung der Geschichte wirkt heute rührend harmlos. Da gab Bunuel eher seinen Macken nach, als sich auf erzählerisches Neuland zu wagen. Trotzdem wirkt der Film immer noch erstaunlich modern.

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Das liegt vor allem an der genialen Besetzung der Hauptfigur der Arztgattin und Tagesnutte Belle de Jour mit Catherine Deneuve, die damals erst 22 Jahre alt war. Die Deneuve hat ja immer diese spießig-eisige Aura, die sie so langweilig wirken lässt. Nun in ihren besten Momenten schafft sie es, sowas wie Gefühle aufblitzen zu lassen. Gut also, dass sie bei Bunuel nicht viel mehr zu tun hat, als schön und unnahbar auszusehen. Das kann sie von Natur aus. Den Rest erledigt ihr Styling. Dafür war Yves Saint Laurent verantwortlich. Er steckte sie in schwarz und beige (nur für die Dessous im Bordell wählte er unschuldiges Weiß). Alles hochgeschlossen, spröde, sehr streng, aber modisch absolut auf der Höhe der Zeit.

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Seine Raffinesse liegt in winzigen Details. Wenn Belle de Jour ihren nichtsahnenden Ehemann in Krankenhaus besucht, trägt sie einen Lackledermantel. Äußerst geschmackvoll. Erst auf den zweiten Blick kapiert der Betrachter, dass diese Art Kleidung von Damen eines gewissen Gewerbes bevorzugt wird. In ihrem sado-masochistischen Traum lässt Belle de Jour sich einen auffallend roten Mantel vom Leib reißen. Das einzige Rot in einer ansonsten braun-beige-schwarzen Farbpalette. (Damit übrigens ähnlich dezent wie jene in Frühstück bei Tiffany und genauso chic.)

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Frühstück für Tiffany war der Beginn einer lebenslangen Freundschaft zwischen Hubert de Givenchy und Audrey Hepburn. Mit Catherine Deneuve hatte auch Yves Saint Laurent seine Muse gefunden. Seine Traumfrau, wenn auch nicht unbedingt in Hitchcocks Sinn.

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PS Auch Catherine Deneuves Schuhe in Belle de Jour gehören zur Modegeschichte. Es sind die berühmten Pilgrims Flats (ein schöner Name für das Schuhwerk einer Dame, die in ihrem Job gewöhnlich viel Pflaster treten muss) von Roger Vivier. YSL und Vivier kannten sich aus der gemeinsamen Zeit bei Dior. Die Lackschuhe mit den silbernen Schnallen gibt es seit etwa zwei Jahren wieder in einer Neuauflage von Vivier zu kaufen und sie werden nach wie vor gerne von gutbürgerlichen Arztgattinnen getragen.

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Ein Teil der Fotos via cinebeats, a fantastic movieblog

Dass in diesem Sommer Blumenprints, so groß wie Tapetenmuster aus den 70er Jahren, das Straßenbild schmücken werden, ist klar. Angeheizt wird der Hype sicher noch von dem Sex-and-the City-Film, der am 27. Mai in die Kinos kommt. Auf den Fotos, die davon jetzt schon kursieren, sind alle vier Hauptdarstellerinnen in wildester SATC-Manier rausgeputzt – dank der Haus-und Hof-Stylistin Patricia Field. Die pushte mit ihrer Liebe für Stilettos ja nicht nur Manolo Blahnik zum Schuhgott hoch. Ihr kunterbunter Klamottenmix wurde für die Serie auch das wichtigste Stilmerkmal. Nicht elegant, nicht chic, aber immer sehr fotogen. Das half über manche Schwachstelle im Drehbuch locker weg.

Im Film wird das nicht anders werden. Wenn Sara Jessica Parker im geblümten Kleid, mit geblümten Mantel in Manhattan rumstöckelt (in den neuesten Manolos natürlich) und die Handtasche im Eiffelturmdesign schlenkert, stellt sie eine Ansammlung von It-Dingern zur Schau. 

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Da das alles nächste Saison wieder allerkältester Kaffee sein wird, ist die Frage aller Fans, wo kriegt man sowas her, ohne beim Edeldesigner zigtausend Euros hinzublättern. In dieser Hinsicht hält E-Bay ja immer wieder Überraschungen bereit. Nicht gerade den Eiffeltum aber immerhin das hier habe ich gerade gefunden: Ein Mantel im Wohnzimmertapeten-Look von Cacharel.

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Leider nur in Größe 36. Zur Zeit steht das Gebot bei 2,49 Euro. Bis 22.März. kann noch mitgesteigert werden. 

Wir hier in Bayern erfreuen uns eines Fernsehsenders, der nicht nur rührig die staatstragende Partei beklatscht, sondern auch eine eifrige Filmredaktion besitzt. Und so gibt’s beim Rumzappen immer wieder Überraschungen, weil man plötzlich beim BR hängen bleibt. Ist mir letzte Woche passiert, als ich Audrey Hepburn im schwarzen Abendkleid auf ein mit Juwelen bestücktes Schaufenster zusteuern sah.  „Frühstück bei Tiffany“ habe ich etliche Male gesehen und etliche Male die Handlung wieder vergessen – und mir war auch sofort wieder klar, warum. Audrey Hepburn als Farmersbraut aus Texas, die sich in Manhattan als Partygirl prostituiert – das glaubt kein Mensch.  Truman Capote hatte völlig recht, mit seiner Einschätzung, dass sie die falsche Besetzung für die Verfilmung seines Buches ist. Er wollte Marilyn Monroe, bekam sie aber nicht, weil ihr Roman und Script zu unmoralisch waren. Die belgische Diplomatentochter Hepburn teilte diese Bedenken nicht. Pech für Capote, ein Glück für den Film. Ohne ihren Liebreiz würde die ganze hanebüchene Story als Lachnummer entlarvt. Kommt hinzu, dass sie Hollywoods Kostümbildnerwunderwaffe Edith Head ausbremste und ihren Freund Hubert de Givenchy einschleuste. Die beiden – mit wohlwollender Unterstützung des Regisseurs Blake Edwards – schufen nun das Wunder, weswegen „Frühstück bei Tiffany“ für alle Zeiten ein Filmklassiker bleiben und Audrey Hepburn auf ewig im Pantheon der Stilikonen einen Ehrenplatz behalten wird.

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Givenchys Styling-Tricks: Eine begrenzte Farbpalette aus schwarz, beige und einem Mantel in einem warmen Rotton. C’est ca. Das hübsche rosafarbene Kleid, das aber im Farbton so überhaupt nicht zum Rest passt, stammt angeblich nicht von Givenchy (wurde dessen ungeachtet aber trotzdem kürzlich für 70 000 Euro versteigert. Das schwarze Originalabendkleid aus der Anfangssequenz wechselte gar für 700 000 Euro den Besitzer.) Als galanter Franzose versuchte der Designer gar nicht erst, mit ausgefallenen Entwürfen Audrey Hepburn die Schau zu stehlen. Im Gegenteil, die betont schlichten Schnitte aber in eher kräftigen Stoffen unterstreichen nur ihre Zartheit. Er demonstrierte auf höchstem Niveau, was ein guter Designer können sollte: Jede Frau in eine Schönheit zu verwandeln.  

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Damit das Ganze nicht langweilig wird, darf bei den Accessoires geklotzt werden: Sonnenbrille, Hut, Scheifen, Perlen – alles in riesig, was die zierliche Hepburn noch fragiler wirken lässt. Und alles leicht albern, was Holly Golightlys verspielten Charakter andeutet. Die Hepburn meistert das souverän. Wer sonst könnte sich erlauben, in einer albernen türkisfarbenen Schlafmaske und Ohrstöpseln mit Quasten die Tür zu öffnen, und jeder Zuschauer versteht sofort, warum der ansonsten etwas dämliche George Peppard sich auf der Stelle in sie verliebt. Sie sich aber umgekehrt nicht in ihn.

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Verständlich, dass das Überpartygirl unserer Tage fast schon verzweifelt daran arbeitet, diese traumsichere Balance zwischen Eleganz und Humor auch hinzukriegen. Nur ist Paris Hilton immer wieder daran gescheitert. Vielleicht weil inzwischen eine andere Art von Designern das Feld beherrscht. Riccardo Tisci entwirft jetzt für Givenchy auch in traditionellem schwarz und beige, aber ob er damit den alten Gentleman Hubert und seine lebenslange Muse überzeugt hätte? In meine Reihe „Designer, die Frauen in Göttinnen verwandeln“ würde er es jedenfalls nicht schaffen.

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