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Ach, wie süß: der Spiegel zieht in der aktuellen Ausgabe (und Online) über Blogger her. Die Blogospäre regt sich wahnsinnig auf. Alle verlinken sich entrüstet hin und her. Die Clickzahlen steigen auf beiden Seiten und alle kommen sich wahnsinnig wichtig vor. (Jetzt könnte ich die Links dazu hier auch einbauen und damit mehr Leute auf meine Seite ziehen, ist mir aber wurscht, weil sowas von Gähn.)

Blogger sind der Meinung, das Internet wird Print über kurz oder lang töten und da ist was dran. Eigentlich keine üble Vorstellung. Um täglich News an den Leser zu bringen, müssen keine Bäume gefällt, kein bedrucktes Papier produziert und auch nicht mehr in stinkenden Lastern durch die Gegend gekarrt werden. Da die ganze teure Logistik entfällt, braucht es auch keine Verlage mehr, um die Infrastruktur zu organisieren. Das dämmert Springer, Holzbrinck, Burda und Co. gerade. Es macht sich Panik breit, weil keiner weiß, wo die Reise enden wird. Aber alle geben wahnsinnig viel Geld aus, um noch schnell auf den Begräbniszug aufzuspringen. Es werden Unsummen im Internet investiert, die Schreiber spart man ein. In den USA wurden schon tausende von Journalisten arbeitslos, dafür hoffen die Verlage jetzt auf user generated content. Was bedeutet: Verlagsmanager träumen davon, dass Leser so blöd sind, für lau ein noch schöneres Anzeigenumfeld zu liefern als teure Autoren. Sie starten im Internet immer neue Versuche, dieses Erfolgsmodell durchzusetzen. Natürlich vergeblich. Aber die Kosten müssen die Printredaktionen mit Sparmaßnahmen wieder ausgleichen. Die Konsequenz: die Qualität im Print sinkt, die Leser springen noch schneller ab, die Anzeigen bleiben aus und schuld an allem ist das Internet.

Bei Tageszeitungen sieht es am schlimmsten aus. Die wird es bald nicht mehr geben. Als alte Zeitschriftenfrau, die schöne Bilder mag und nicht zuviel Worte, sehe ich die Lage für mein Metier optimistischer.

Die Internetseite, die es schafft, halbwegs brauchbare Optik zu produzieren wie hier die nicht weiter erwähnenswerte Modezeitschrift Madame in einer ganz alltägliche Fotostrecke, die muss erst noch erfunden werden. Als Zeitungsverlagserbe würde ich die geerbte Klitsche schnell verscherbeln, bevor sie nichts mehr wert ist. Als Zeitschriftenverlagserbe würde ich gepflegt abwarten, bis alle pleite sind und dann (fast) mein ganzes Geld einsetzen, um die besten Fotografen, Autoren und Grafiker zu engagieren und ein erstklassiges Blatt machen. Sollte das Ding dann keine Liebhaber finden und den Bach runter gehen, dann wenigstens mit Würde und Anstand.

Es soll noch Menschen da draußen geben, die gedruckte Magazine lesen – und sich auf jeden Termin beim Zahnarzt oder Gynäkologen freuen, weil sie dann ungeniert einer heimlichen Leidenschaft frönen dürfen: Sich alle im Wartezimmer rumliegenden, zerfledderten Exemplare von Gala oder Bunte reinziehen. Diese Sucht befriedigt das Internet viel nachhaltiger. Mit Klatschseiten, die ihre Häme schneller, gemeiner und witziger abschießen, als alle Hamburger und Münchner gemeinsam. Dazu täglich, knapp und kostenlos. Für den kleinen Spaß zwischendurch. Dass die oft fünftklassigen Promis und Sternchen in Deutschland keiner kennt, ist für das Vergnügen völlig egal. In der Bunten kann man ja auch nicht jede Pappnase identifizieren.
Mein Tipp zum Einstieg (Englischkenntnisse vorausgesetzt): Gofugyourself. Internetsurfern braucht man diese Meisterinnen des fein ziselierten Spotts nicht mehr zu empfehlen. Sie sind weltberühmt. Aber auch all den hartgesottenen Fans von Druckerzeugnissen seien sie ans Herz gelegt.
Zur Einstimmung hier eine kleine fiktive Konversation zwischen zwei echten Celebrities: Tina Turner und Giorgio Armani. Anlass: ihr Kleid.

Da sich hier diese Woche alles um das Thema „Verschönerungsmaßnahmen“ dreht, Fußball aber noch zu kurz kommt, heute ein Tipp für alle, die mit einem kleinen chirurgischen Eingriff liebäugeln oder darüber meditieren, ob sie sich die Falten wegspritzen lassen sollen: Youtube könnte bei der Entscheidungsfindung hilfreich sein.

Egal ob es sich um Brustoperationen oder Botox-Injektionen handelt, in tausenden von Videos können Interessenten sich ganz genau über die Prozeduren informieren. Ärzte in der ganzen Welt haben die Videoplattform als Marketingmöglichkeit entdeckt und stellen dort ihre Nip n‘ tuck Künste zur Schau. Laut New York Times geben sie den Frauen, die sich bei der Operation fotografieren lassen, sogar Rabatte.

Wer (wie ich) zu feige ist, sich die Filme anzugucken, kann stattdessen auf ein hochinteressantes Blog ausweichen: Makemeheal mit regelmäßiger, lückenloser Dokumentation der neuesten Verschönerungsaktionen der Promis. Wunderbar zum ablästern und Blut muss man sich auch nicht betrachten.

Was das alles mit Fußball zu tun hat?

Die berühmteste aller Spielerfrauen wird in Makemeheal besonders liebevoll porträtiert.

Auch wenn Victoria Beckham bei dieser EM notgedrungen fehlt, ist ihr stilprägender Einfluss auf der Tribüne der Spielerfrauen deutlich zu sehen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich dort eine besonders eifrige Klientel der Schönheitschirurgie versammelt. Liegt es vielleicht daran, dass Fußballergattinnen sich durch einen besonders mutigen Charakter auszeichnen müssen, um in der Manndeckung am Ball zu bleiben?

Seit beginn dieser Fußballeuropameisterschaft schaue ich mit Neid in Reskis Republik. Dank der täglichen Weissagungen ihres italienischen Orakels und einer googleaffinen Berichterstattung strömen die Massen in ihre Gassen. Während der Stylebus so dahinholpert. Zur Zeit interessiert die Clicker nichts anderes als die EM 2008. Nicht mal halterlose Strümpfe oder Votzensport von Lady Bitch Ray.
Was mich auf die Idee brachte, auch einen suchmaschinenoptimierten Post zu verfassen. (Falls das Wort suchmaschinenoptimiert Printjournalisten nicht geläufig sein sollte: Es handelt sich dabei um die Kunst, Onlinetexte mit wichtigen Schlagworten vollzustopfen, damit sie von Google erfasst und möglichst ganz nach oben in die Liste der Suchergebnisse geschickt werden. Weil: Je weiter oben ein Beitrag erscheint, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass ein Clicker auf deine Seite wandert. Und da Clicks die Internatauflage oder Interneteinschaltquote sind, versucht jeder, der sich wichtig fühlt oder mit Anzeigen Geld verdienen will, Clicks herbeizutricksen. Ohne jetzt weiter in das weite Feld der Clickgenerierung einzusteigen, nur noch so viel: Der wichtigste Leser eines Onlinetextes ist erst einmal die Suchmaschine von Google. Gewitzte Onlineschreiber richten ihre Texte also an den Bedürfnissen eines Computers aus. Womit der alten journalistischen Grundsatz „Immer an den Leser denken“ im Internetzeitalter von der Variante „Immer an Google denken.“ abgelöst wird.)

Aber wo war ich stehen geblieben?

Ach ja, bei dem Vorsatz einen suchmaschinenoptimalen Post zu verfassen. Dafür kombiniere ich jetzt mal versuchsweise ein äußerst erfolgreiches Schlagwort meines Blogs – Merkel – mit einem im Moment höchst populären Suchwort: Fußball.


Fotos: Spiegel online

Fußballfans haben dieses Spiel natürlich längst abgehakt. (Ganz schlecht für die Clicks.) Ohne hier weiter in Wunden zu stochern, war dieses Treffen doch in einer Hinsicht bemerkenswert: wie geschickt sich die Kanzlerin mal wieder in Szene gesetzt hat. Okay, der curryfarbene Blazer hing an ihr, als hätte er sich schon einen ganzen Tag in Sitzungen gelangweilt, außerdem stand ihr die Farbe nicht optimal. Frisch vom Friseur kam sie auch und wahrscheinlich hatte sie ihm befohlen: Runter damit, ich will nicht alle vier Wochen zum nachschneiden kommen. Die Haare waren zu kurz. Ihr vom vielen Ärger mit der SPD deutlich gerundeten Schreibtischbuckel hätte meine Oma früher mit „Haltung, Mädchen“ kommentiert. Aber sonst machte sie alles richtig. Wechselte mit jedem anwesenden Wichtigmann ein paar Worte (gute Fotogelegenheiten). Demonstrierte Interesse, lächelte in den richtigen Momenten und ließ sich sogar von Theo Zwanziger abbusseln. Im Gespräch mit Kerner (oder war es Beckmann) kokettierte sie mit ihrem fußballerischen Laientum, um dann Lahm zu loben, weil er so fleißig war. Was Botoxdiva Netzer dazu veranlasste, ihr erstaunliches Fachwissen zu bescheinigen.
Mutig diese Frau Merkel. Wagt sich ins Testosteronland und macht alles richtig. Respekt.

PS: Über den Clickerfolg dieses Post informiere ich demnächst. Nur eine kleine Zusatzinfo für Suchmaschinenoptimierungstüftler: der mit weitem Abstand erfolgreichste Post meines Blogs ist der hier. Und das erstaunt mich dann doch.

Vivienne Westwood kultiviert als große alte Dame des Punk bis heute die schrillen Auftritte. Qietschige Dauerwellfussel, eiserne-Lady-Styling und stilbildende Ignoranz für jede Art von Trend zeichnen sie aus. Sie kann sich selbst ironisieren ohne sich dabei zur Witzfigur zu machen wie eine Donatella Versace. Deren verzweifelter Versuch, mittels Chirurgie jung zu bleiben, weckt höchsten noch Mitleid. Wie souverän dagegen Vivienne Westwood.

Der britische Esquire hat anläßlich seines 75. Geburtstags ein paar Modedesigner gebeten, ein altes Esquire-Cover nachzustellen. Und prompt bewies die britische Provokateuse, dass sie mit ihren Ideen ihren Konkurrenten immer noch weit vorauseilen kann.

Vivienne Westwood pur. Ungeliftet, nicht gebotoxt – ja nicht mal geschminkt. In vornehmer Blässe (ist auch viel gesünder) statt armanihafter Solariumsbräune. Die Falten am Hals nicht à la Lagerfeld hinter einem absurd hohen Kragen eingequetscht. Den punkigen Totenkopf adrett an die Perlenkette gelegt. Mit feinem Großmutterlächeln. Soviel Mut zur Wahrheit muss ihr in diesem Gewerbe erst mal eine(r) nachmachen.

Für Anzeigen zu posieren, scheint sich momentan zum gefragtesten Broterwerb von Promis zu entwickeln. Neuester Zugang: Coppola, père et fille.

Wie davor Gorbatschow und Keith Richards machen nun auch Francis Ford Coppola und Tochter Sofia Reklame für Taschen. Yep, die mit den Logos, ganz links. Fotografiert hat nicht irgendwer, sondern Annie Leibowitz – sichtlich inspiriert von Coppolas Paten-Ästhetik. Sieht doch aus, wie ein ein Mafia-Boss in der Sommerfrische. Wie das Ganze zustande kam, wird in der Times ausführlich nacherzählt. Nur eines findet keine Erwähnung: das bisschen Extracash, das auch Promis nicht verabscheuen.

Charlotte Roche nähert sich mit den „Feuchtgebieten“ dem 1millionsten verkauften Exemplar. Sie wird gerade reich damit. Und immer noch ist in den vielen Feuilletonartikeln über sie die Ratlosigkeit zu spüren, bei der Suche nach den Gründen dieses Erfolgs. In einer lesenswerten Zeitreportage über das deutsche Romanwunder wird eine 24jährige Cynthia zitiert: „Charlotte hat ein Bild unserer Generation gezeigt, wie sie sein könnte, wenn der Schönheitswahn uns nicht so unfrei gemacht hätte.“ Genau das ist es. Charlotte Roche spricht der riesigen Mehrheit der Frauen aus der Seele, die es nie wagen würden, sich den kritischen Augen einer Heidi Klum auszuliefern – sich aber total von ihr verunsichern lässt. Und dafür, dass Roche sich nicht den Schneid abkaufen lässt und stellvertretend für alle eine klare Gegenmeinung ausdrückt, darf sie mindestens genauso reich werden wie Klum.

Auch meine kritische Begutachtung von Claudia Roth (im Post davor) geschah eher in der Klumschen als in der Tradition von Charlotte Roche.
„Aber, aber, meine Liebe“, schrieb daraufhin L. in einer Mail, „warum so kritisch mit der Roth? Ich sehe vor allem ein strahlendes Wesen und ganz schöne Beine und finde die Würste
halb so wild. Und der Satz stimmt überhaupt nicht:
Vertraue nie den Komplimenten von anderen Frauen.
Du hast nur ein paar falsche Freundinnen.“

So kann man Pölsterchen auch sehen. Und das ist sicherlich die sympathischere Einstellung.

Was Komplimente von Frauen angeht, bleibe ich allerdings dabei: Vorsicht damit. Erst recht, wenn die Komplimente von Mitarbeiterinnen eines Klatschblatts kommen, die auf besonders herzlich machen. Verwechsle Schleimerinnen nie mit Freundinnen – also mit Frauen, denen man aus Erfahrung vertrauen darf. Die müssen dafür nicht unbedingt immer freundlich sein.

„Kämmen ist spießig“ sagte mir vor Jahren eine Freundin. Ein Hinweis, den ich bis heute beherzige. Was manchmal für Verwirrung sorgt, vor allem bei Mitmenschen, die das Chaos auf meinem Kopf als Hinweis auf die Verfassung seines Inhalt sehen. Dass dies so ist, liegt – das muss hier ausdrücklich hinzugefügt werden – nicht an meinem Friseur.

Nein, das bin nicht ich. Das ist ein Model. Mein Friseur Klaus Tischer hat mit ihr und der wuscheligen Kreation in Weißblond den German Hairdresser Award 2007 als bester Haarschneidekünstler Süddeutschlands gewonnen und damit Georg Baselitz‘ berühmten Satz „Kreativität ist was für Friseure“ aufs schönste bestätigt.

Jede Frau braucht einen congenialen Stylisten an ihrer Seite, deswegen käme mir nie in den Sinn, Klaus gegen einen seiner Kollegen auszutauschen. Womöglich noch aus dem selben Salon. Aber es gibt solche wankelmütigen Naturen, die heimlich mit dem Scherenvirtuosen nebenan liebäugeln. Meist in der irrigen Annahme, der andere kriegte sie schöner hin. Das Dilemma, das solch ein Wunsch nach einer neuen Beziehung auslöst, erörterte kürzlich sogar der SZ-Hausphilosoph Rainer Erlinger in seiner Magazin-Kolumne. Er empfahl, mit einem „charmanten Hinweis à la ‚Jetzt ist mal ein anderer dran'“ den Platz vor dem Spiegel zu wechseln. Mal ganz davon abgesehen, was Herr Erlinger für charmant hält: diese Antwort ist in keinster Weise geeignet das schlechte Gewissen über einen Hochverrat zu mildern. Man sagt ja auch nicht seinem Mann – egal wie liebevoll – jetzt ist mal ein anderer dran und legt sich dann abends seelenruhig neben ihn ins Bett.
Aber wie ist die delikate Angelegenheit sonst zu bewältigen?

Die Antwort erhielt ich bei einer Lesung im Münchner Salon von Ulrich Graf. Christian Schünemann stellte dort seinen zweiten höchst amüsanten Frisör-Krimi „Der Bruder“ vor und obwohl Herr Graf ganz buddhamäßig in sich ruhend ebenfalls zuhörte, wagte ich nicht, dem Meister selbst die Frage zu stellen. Stattdessen aber einem Kreis seiner Kundinnen. Das Entsetzen legte sich wie ein Nebel billig-klebrigen Haarsprays über die Damen. Dann flüsterte eine so leise, dass die anwesenden Graf-Angestellten nichts davon mitkriegten: „Also nein, das geht überhaupt nicht. Da kann man nur eins machen: Den Salon wechseln und sich nie wieder blicken lassen.“ Die anderen nickten.

Der Karlspreis gilt unter europäischen Politikern als die höchste Auszeichnung. Am ersten Mai hat ihn Angela Merkel in Aachen verliehen bekommen. Damit ist sie aufgenommen in den Kreis der „Väter Europas“. Neben Simone Veil, der Norwegerin Gro Harlem Brundtland und Königin Beatrix die vierte Frau unter 54 Männern. Eine schöne Leistung. Und da die Bundeskanzlerin sich auch ansonsten im Moment höchster Beliebtheit erfreut (und Kurt Beck ganz lässig zeigt, wo der Hammer hängt), ist jetzt ein guter Zeitpunkt, ihre Erfolgsgeheimnisse auszuplaudern.

1. Wenn im fortgeschrittenem Lebensalter die Anwendung von Lippenstift, Wimperntusche und Eyeliner erforderlich ist, das in Gottesnamen halt auch noch lernen.
2. Mut zum Dekolletée – aber nie als einzige Waffe darauf vertrauen.
3. Selbstkritisch in den Spiegel gucken – sich aber keinesfalls davon entmutigen lassen.
4. Die Vorteile von Hosenanzügen nutzen. Sie sind zwar nach einer Burka das ödeste Kleidungsstück, dafür bedecken sie fast genausoviel wie eine Burka. Sehr vorteilhaft, wenn man nicht mit einer Kleidergröße unter 40 gesegnet ist. Männer wissen schon, warum sie darauf vertrauen.
5. Sich als junges Nachwuchstalent an einen erotisch unausgelasteten, aber mächtigen alten Mann ranwanzen und sich von ihm entdecken und fördern lassen. (Kohls Mädchen)
6. Gibt es Anzeichen für einen Machtverlust des alten Mannes, selber die Macht übernehmen. Treue ist was für Sissies.
7. Außer dem Alten hält dich keiner der anderen Männer für eine Attraktion? Wunderbar! Sie werden dich unterschätzen. Und im Abseits verblüfft ihre Wunden lecken.
8. Von alten, erfolgreichen Männern lernen: Durchhalten! Aussitzen! Kämpfen! Durchhalten! Aussitzen! Kämpfen! Niemals aufgeben! Um jetzt hier mal protzend eine philosophische Grunderkenntnis (von Buddha bis Nietzsche) einzustreuen: Amor fati. Liebe dein Schicksal. Es geht auch volkstümlicher mit einem Kalenderspruch: Jede Stunde Lebenskunde.
9. Beobachte die Selbstdarsteller um dich rum mit einem mildem Lächeln und denk dir deinen Teil Sprich ihn aber nie aus.
10. Jeder erfolgreiche Mann hat eine tüchtige Ehefrau und/oder Sekretärin im Hintergrund. Halte es genauso: Du brauchst einen loyalen, gescheiten Mann, der deine Tränen aushält und eine loyale, gescheite Freundin (gerne auch als Büromanagerin).
11. Das klingt alles wahnsinnig anstrengend? Hat hier jemand behauptet, das Leben sei ein Spaziergang im Frühling. Außerdem gibt es noch Punkt 12.
12. Hast du endlich erreicht, was du wolltest – genieße es! Besonders, wenn sich Sarkozy an dich ranwanzt. Obwohl du seinem Beuteschema in keiner Hinsicht entsprichst.

Heute ein Rätsel für Kulturconnaisseurs: Auf welche Frau treffen alle diese Aussagen zu?

1) Sie kann mit 50 noch einen Spagat hinlegen.
2) Sie hat eine Vorliebe für glitzernde Strampelanzüge, die ihre Beine freilegen.
4) Schrecklich, wie würdelos sie altert.
5) Toll, dass sie so radikal ihr eigenes Ding durchzieht.
6) Sie erfindet sich immer wieder neu.
7) Sie sollte sie sich jetzt endlich mal was Neues überlegen.
8) Wird sie denn nie erwachsen?
9) Musikalisch fällt ihr auch nichts mehr ein.
10) Großartig, wie sie immer den aktuellen Zeitgeist in ihrer Musik einbezieht.
11) In ihrem Alter so mit jungen Männern rummachen – da muss man sich ja fremd schämen.
12) Sexy!
12) Mit Hilfe von soviel Schönheitschirurgie kann jede Frau mit 50 klasse aussehen.
13) Erstaunlich, wie durchtrainiert sie noch ist. Die muss sich sicher ziemlich quälen, die Arme.
12) Diese Frau ist ein Gesamtkunstwerk/eine Ikone/eine Diva/ein Phänomen.
13) Diese Frau ist peinlich/schrecklich/bescheuert/unerträglich.

Die Lösung ist einfach?

Es ist Madonna!

Stimmt.
Einerseits. Andererseits gab es eine Vorgängerin, auf die all diese Aussagen auch zutreffen.

Marika Rökk, das unverwüstliche Tanztalent der 30er bis 70er Jahre. Die, mit dem Paprika im Blut. Madonnas spirituelle Großmutter.

Hannah Montana ist eine irrsinnig erfolgreiche Tennie-Serie in den USA, die von einem 13jährigen Mädchen handelt, das ein Doppelleben führt: tagsüber brave, brünette Schülerin, abends mit blonder Perücke ein Popstar. Eine der üblichen Disney-Produktionen, einer Filmfirma, die groß wurde, weil sie schon immer clever die Sehnsüchte von Kindern zu bedienen wusste.

Nun hat die 15jährige Hauptdarstellerin Miley Cyrus Ärger. In der Juni-Ausgabe der US-Vanity Fair erschien ein (!) Foto von ihr, das sie nur mit einem Satinlaken bedeckt, in Rückenansicht zeigt. Aufgenommen von Annie Leibowitz


Fotomontage: New York Times

Die US-Elternschaft reagierte empört. Miley, ihre Eltern und Manager, die während des Shootings das Foto noch mochten, ruderten zurück und entschuldigten sich bei den Fans. Schließlich ist ein hunderte Millionen Dollar schwerer Franchising Markt auf die Sympathie der Zuschauerinnen angewiesen. Die Moralapostel aller Lager beschimpfen Chefredakteur und Fotografin, die sich offiziell betroffen zeigen – insgeheim aber einen Freudentanz aufführen dürften. Dass ein harmloses Foto ihr Blatt so grandios in die Schlagzeilen bringt, hätten sie sich wahrscheinlich nicht mal in ihren kühnsten Träumen erhofft.

„I watched about five minutes of the show out of a sick curiousity and I have to say that Hannah Montana just confirms my impression that teenage girls in America are about the biggest idiots in the entire world.“ schrieb ein Kommentator zudiesem Hannah-Montana-Video. Ein Urteil, das so auch auf die Eltern zutrifft. Von den Verantwortlichen bei Vanity Fair kann man das dagegen nicht behaupten. Der Coup ist genial.

Jetzt läuft sie also, drüben bei den Webkollegen von prada.com: die Prada Prototypes Auction 2008 (Geduld! Der Link baut sich seeehr langsam auf.)

Die italienische Nobelmarke versteigert Online Einzelstücke aus der Sommerkollektion 2008. Prototypen deshalb, weil auch Fashiondesigner ähnlich wie Auto- oder Milchquirldesigner ein paar Versuche brauchen, bis das perfekte Modell entwickelt ist. Solche, die dann auch auf den Laufsteg dürfen. Mit den ausgemusterten Teilen veranstaltet Prada nun schon zum wiederholten Mal eine Internetauktion und stiftet den Erlös einer Wohltätigkeitsorganisation. An wen das Geld geht, was alles in den nächsten drei Wochen versteigert wird und wie das ganze Procedere abläuft, kann man auf der Prada-Website (s.O.) nachlesen. Bevor jetzt aber alle schon mal hektisch das Kleingeld zusammen sammeln, hier zwei Warnhinweise.
1. Prada ist halt doch nicht e-Bay. Schnäppchen gibt’s hier nicht. Eher das Gegenteil – weil schätzungsweise saudiarabische, russische und US-Milliardärinnen mitbieten, außerdem internationale Modemuseen, Fußballergattinnen, Fashioncafebesitzer, Verrückte, Sammler und die Konkurrenz von Prada. Um nur mal ein paar Beispiele zu nennen. Die abgebildete bemalte, deutsche-telekomfarbene (cyclam!) Hose lag vor 20 Minuten bei 1600 Euro – und sie bleibt noch eine Woche im Angebot.

2. Die Sachen sind gemacht für Models auf dem Laufsteg. Wenn Größe S dran steht, dann nur weil es für Größe „spindeldürr“ keine eigene Bezeichnung gibt. Jede Frau die sich ehrlich eingesteht, dass ihre Hüfte in nichts unter Größe 34 passt, sollte nur mitbieten, wenn sie das Teil danach gerahmt an die Wand hängen will.

Macht nichts? Na dann viel Spaß!

Dass ich an einem Wochenende zweimal den Spiegel in Sachen Mode zitieren muss (siehe vorhergehenden Post), gleicht einer Kulturrevolution. Offenbar übt sich das Herrenkampfblatt in seiner Rolle als die neue Vogue:

„Ihr Auftritt in Oslo war in Sachen Couture nahezu perfekt: Das schwarze Abendkleid mit türkisfarbenem Bolero-Schal, Ton in Ton mit dem seidenen Abendtäschchen und sogar den Schuhspitzen, wirkte feminin, glamourös und dennoch staatstragend.“

Wo er recht hat, da hat er recht, der Spiegel.

Auch die BU zu dem folgendem Foto folgt streng den Richtlinien eines Gentleman, wie das im deutschen Topjournalismus eben üblich ist:

„Angela Merkel und der norwegische Regierungschef jens Stoltenberg. Die Vorliebe der Kanzlerin für klassische Musik ist bekannt – am Galaabend lauschte sie der Oper „In 80 Tagen um die Welt“ des norwegischen Komponisten Gisle Kverndokk.“

Liebe Angela Merkel, so ein Dekolletée kriegt Carla Bruni nicht hin. Wenn Sie weiter den Franzosen (und der Welt) auf derart unterhaltsame Art und Weise Lektionen in Sachen germanischem Schick erteilen, werde ich es halten, wie meine Freundin B. und sie beim nächsten Mal auch wählen.

Die Dame, die Truman Capote hier so stolz umklammert hält (er sie), sieht zwar irgendwie aus wie Jackie O. ist aber ihre Schwester Lee Radziwill.

Lee Radziwoll née Bouvier ist inzwischen 75, eine legendäre New Yorker Socialite und jede Saison immer noch in der Frontrow diverser Pariser Modehäuser zu sichten. Gut durchgeliftet wie alle New Yorker Socialites, ungebeugt elegant – und offensichtlich immer noch neugierig. Sie hat eine eigene My-Space-Seite, wenn auch schon länger nicht mehr aktualisiert, dafür aber mit versammeltem Freundeskreis. Unter anderen Jacqueline Bouvier Kennedy Onassis, Anna Wintour, Bette Davies und John (ja, wer wohl?). Im Profil gesteht sie bei den Stichworten Rauchen/Trinken: Ja/Ja, im Hintergrund läuft Moon River und das Motto ihrer Seite lautet: „I love Paris“ Süß!