Es soll noch Menschen da draußen geben, die gedruckte Magazine lesen – und sich auf jeden Termin beim Zahnarzt oder Gynäkologen freuen, weil sie dann ungeniert einer heimlichen Leidenschaft frönen dürfen: Sich alle im Wartezimmer rumliegenden, zerfledderten Exemplare von Gala oder Bunte reinziehen. Diese Sucht befriedigt das Internet viel nachhaltiger. Mit Klatschseiten, die ihre Häme schneller, gemeiner und witziger abschießen, als alle Hamburger und Münchner gemeinsam. Dazu täglich, knapp und kostenlos. Für den kleinen Spaß zwischendurch. Dass die oft fünftklassigen Promis und Sternchen in Deutschland keiner kennt, ist für das Vergnügen völlig egal. In der Bunten kann man ja auch nicht jede Pappnase identifizieren.
Mein Tipp zum Einstieg (Englischkenntnisse vorausgesetzt): Gofugyourself. Internetsurfern braucht man diese Meisterinnen des fein ziselierten Spotts nicht mehr zu empfehlen. Sie sind weltberühmt. Aber auch all den hartgesottenen Fans von Druckerzeugnissen seien sie ans Herz gelegt.
Zur Einstimmung hier eine kleine fiktive Konversation zwischen zwei echten Celebrities: Tina Turner und Giorgio Armani. Anlass: ihr Kleid.

Ab dem 8. August muss ja schon wieder Sport geguckt werden. Höchste Zeit also, um sich noch mal schnell – bevor Trainingsanzüge und verschwitzte Trikots die Bildberichterstattung dominieren – anzuschauen, was neben der Olympiade sonst modemäßig in China passiert. Natürlich hat das Land, wie jede boomende Industrienation, eine eigene Fashionweek. Die letzte fand im März in Peking statt, gezeigt wurden Kollektionen für den Herbst/Winter 2008/9 und diejenigen der westlichen Modejournalisten, die davon Kenntnis nahmen, waren sich in ihrem Urteil einig: „Absolut untragbar“ (absolutely unwearable). Was in diesen Kreisen das höchste Lob ist, bedeutet es doch, die Designer haben sich nicht von kommerziellen Zwängen leiten lassen, sondern munter drauf los phantasiert. Ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse eventueller Käuferinnen.
Bewiesen wurde dabei, dass
1. Selbstironie und Kommunismus sich nicht ausschließen

2. auch in China Talente à la Lagerfeld und Galliano heranreifen

3. Maoanzüge, Suzie-Wong-Kleidchen, Drachenstickereien und Stehkragen im Reich der Mitte als erledigt angesehen werden können.


Fotos: chinadaily.com

Den ersten Preis beim Nachwuchswettbewerb „Hempel Award“ gewann übrigens ein Deutscher, David Ubl, Absolvent der Esmod Berlin, mit einer kreativen, aber sehr untragbaren Männerkollektion.

Karen Duve hat es mit ihrem neuen Roman „Taxi“ in die Spiegel-Bestseller-Liste geschafft. Warum, sei an einem Zitat verdeutlicht, das so ganz nebenbei beide Geschlechter stilkritisch abfertigt:

„Der Trendforscher hatte sich mit der zunehmenden Vereinzelung der Westeuropäer beschäftigt und vorausgesagt, dass sich in den Großstädten demnächst nach Geschlechtern getrennte Stadtteile herausbilden würden, in denen entweder nur noch Single-Frauen oder nur noch Single- Männer leben würden. Die Single-Frauen würden in schnuckeligen kleinen Stadtteilen wie Eppendorf oder Eimsbüttel wohnen. Sie würden Rüschengardinen an den Fenstern ihrer Altbauten anbringen, und es würde Cafés und Buchläden geben und Geschäfte, in denen man hübschen sinnlosen Krimskrams kaufen konnte. In den Männer-Stadtteilen würden Zweckbauten stehen – ohne Rüschengardinen. Statt Buchläden und Cafés würde es Kneipen und Fast-Food-Ketten geben und mindestens eine Sportarena. Was der Trendforscher bei seinen Prognosen aber noch nicht berücksichtigt hatte, war, dass die Männerstadtteile unter einer fortschreitenden Verslumung zu leiden haben würden. Ich dachte das für ihn zu Ende: Der Dreck bei den Männern würde kniehoch liegen. Bei den Frauen hingegen würde sogar das Laub zusammengeharkt, in kleine Stoffbeutel gefüllt und mit Samtschleifen in den neuesten Herbstmodefarben zugebunden und an den Straßenrand gestellt. Die Frauen würden auch große Plüschtiere auf die Verkehrsinseln setzen und niemand würde sie wegnehmen, außer wenn zufällig mal ein randalierender Mann rüberkäme. Wahrscheinlich würden die Frauen irgendwann das Elend in den Männerslums nicht mehr mit ansehen können, und sie würden freiwillige Putzkolonnen hinüberschicken. Die Putzkolonnen müssten dann weiße Sicherheitsanzüge tragen wie nach einem Reaktorunfall, und wenn sie aus den Männerstadtteilen zurück kämen, müssten sie zuerst durch eine Schleuse mit Desinfektionsduschen. Diese Desinfektionsschleusen wären überhaupt wichtig, damit die Männer nicht ihr ganzes Ungeziefer und ihre Bakterien mit in die kleine pastellfarbene Welt der Frauen trügen. Ich überlegte, in welchen Stadtteilen das Leben grässlicher wäre, und ich konnte mich nicht entscheiden.“

Obwohl der Roman in den 80er Jahren spielt und weder die neue Gebärfreudigkeit der Frauen berücksichtigt, noch die Vercoffeeshopisierung der Innenstädte, an der sich überraschend viele Männer beteiligen, ist er deshalb noch lange nicht altmodisch. Ganz im Gegenteil. So viel allgemeingültige Wahrheiten über beide Geschlechter hat keiner der Krimis auf der Bestseller-Liste zu bieten. Saukomisch ist er außerdem. Sehr empfehlenswerte Urlaubslektüre

In Paris haben die Haute Couture Schauen für den Sommer 2009 begonnen. Vorher gingen die Männer-Schauen zu Ende. In beiden spielte John Galliano mit – und er bot, wie immer, ganz großes Theater.


Alle Fotos courtesy style.com

Phantasielosigkeit wäre wirklich das allerletzte, was man ihm vorwerfen könnte.

Da sich hier diese Woche alles um das Thema „Verschönerungsmaßnahmen“ dreht, Fußball aber noch zu kurz kommt, heute ein Tipp für alle, die mit einem kleinen chirurgischen Eingriff liebäugeln oder darüber meditieren, ob sie sich die Falten wegspritzen lassen sollen: Youtube könnte bei der Entscheidungsfindung hilfreich sein.

Egal ob es sich um Brustoperationen oder Botox-Injektionen handelt, in tausenden von Videos können Interessenten sich ganz genau über die Prozeduren informieren. Ärzte in der ganzen Welt haben die Videoplattform als Marketingmöglichkeit entdeckt und stellen dort ihre Nip n‘ tuck Künste zur Schau. Laut New York Times geben sie den Frauen, die sich bei der Operation fotografieren lassen, sogar Rabatte.

Wer (wie ich) zu feige ist, sich die Filme anzugucken, kann stattdessen auf ein hochinteressantes Blog ausweichen: Makemeheal mit regelmäßiger, lückenloser Dokumentation der neuesten Verschönerungsaktionen der Promis. Wunderbar zum ablästern und Blut muss man sich auch nicht betrachten.

Was das alles mit Fußball zu tun hat?

Die berühmteste aller Spielerfrauen wird in Makemeheal besonders liebevoll porträtiert.

Auch wenn Victoria Beckham bei dieser EM notgedrungen fehlt, ist ihr stilprägender Einfluss auf der Tribüne der Spielerfrauen deutlich zu sehen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich dort eine besonders eifrige Klientel der Schönheitschirurgie versammelt. Liegt es vielleicht daran, dass Fußballergattinnen sich durch einen besonders mutigen Charakter auszeichnen müssen, um in der Manndeckung am Ball zu bleiben?

Wenn am Wochenende alle greifbaren Männer Fußball gucken, bleibt einer Frau garnichts anderes übrig als sich mit einer ähnlich vom Schicksal geschlagenen Freundin selbständig zu machen. Ich ging mit M. wandern. Frei nach Nietzsches Diktum „Vertrau nie einem Gedanken, der im Sitzen entstanden ist“ spannen wir dabei plaudernd die schönsten Assoziationsfäden. Unser Themenspektrum: Ärger über die Mountainbiker, die auf den engsten, rutschigsten Waldwegen im Minutentakt die Vorbeifahrt erzwingen. Immer mit einem freundlichen Grüß Gott, was – da waren wir uns einig – aus rein taktischen Gründen geschieht. Mountainbiker wissen, dass sie von den Fußgängern gehasst werden und versuchen, mögliche Konflikte mit Höflichkeit zu entschärfen.
Beim Überqueren eines sumpfigen Geländes fielen uns die Feuchtgebiete ein. Ein Thema, das im Moment überall in der Luft liegt, selbst in abgelegenen Höhen. Da M. Schriftstellerin ist, weiß sie, dass Autoren immer in der Gefahr schweben, mit ihrer Fiktion identifiziert zu werden. Während wir bergauf keuchten, lobten wir beide übereinstimmend Charlotte Roches Mut zum Unappetitlichen und ihre gewiefte Gegenposition zum keimfreien, mit Sagrotan geschrubbten Schönheitsideal. M. hat eine Tochter in der 12. Klasse und sie erzählte von einem Gespräch, das kürzlich in ihrer Küche mit vier 18jährigen Schülerinnen stattfand. Es ging um Intimrasur bzw. um Schamhaar-Styling.

Ein Thema, das durch den Roche-Roman in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt ist und auch bei Wikipedia in aller Ausführlichkeit erörtert wird. M.s Küchenquartett war sich einig, dass es nur zwei Alternativen gibt: entweder alles weg oder aber die brasilianische Art mit einem schmalen „landing strip“ als Restnatur. Alles andere sei ekelig. Ja, auch eine ordentlich getrimmte Bikinizone. Wir beide, aufgewachsen mit feministischen Klassikern wie „Our Bodies, Our Selves“, konnten uns die Ursache für diesen Abscheu vor Schamhaaren nicht erklären. Während die Mountain-Biker an uns vorbei rasten, um noch rechtzeitig zu Russland/Niederlande im Tal zu sein, kletterten wir über rutschige Baumwurzeln und Felsbrocken und waren froh, nicht mehr 18 zu sein.

PS: Vor die Wahl gestellt eine Kurzgeschichte über Mountainbiker oder über morgentliche Rituale unter der Dusche hier anzuhängen, entscheide ich mich für die Rache an den Bikern: Mitten in der Pampa.

Während die anderen Jungs sich für die EM abrackern, sahnt David Beckham richtig genüßlich ab – für weit weniger Arbeit. 10 Millionen Dollar kriegt er angeblich von der US-Kaufhauskette Macy’s für eine neue Werbekampagne.


Foto via justjared.buzznet.com

Becks in Unterwäsche von Armani und mit seinem weltbekannten, sehr fotogenem Sixpack. Damit ja niemand auf falsche Gedanken kommt (schließlich ist Fußball in den USA nicht so irrsinnig populär und ein europäischer Fußballer, trotz publicitywilder Ehefrau, nicht jedem ein Begriff), steht E(V)A da, wo’s hingehört.

Seit beginn dieser Fußballeuropameisterschaft schaue ich mit Neid in Reskis Republik. Dank der täglichen Weissagungen ihres italienischen Orakels und einer googleaffinen Berichterstattung strömen die Massen in ihre Gassen. Während der Stylebus so dahinholpert. Zur Zeit interessiert die Clicker nichts anderes als die EM 2008. Nicht mal halterlose Strümpfe oder Votzensport von Lady Bitch Ray.
Was mich auf die Idee brachte, auch einen suchmaschinenoptimierten Post zu verfassen. (Falls das Wort suchmaschinenoptimiert Printjournalisten nicht geläufig sein sollte: Es handelt sich dabei um die Kunst, Onlinetexte mit wichtigen Schlagworten vollzustopfen, damit sie von Google erfasst und möglichst ganz nach oben in die Liste der Suchergebnisse geschickt werden. Weil: Je weiter oben ein Beitrag erscheint, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass ein Clicker auf deine Seite wandert. Und da Clicks die Internatauflage oder Interneteinschaltquote sind, versucht jeder, der sich wichtig fühlt oder mit Anzeigen Geld verdienen will, Clicks herbeizutricksen. Ohne jetzt weiter in das weite Feld der Clickgenerierung einzusteigen, nur noch so viel: Der wichtigste Leser eines Onlinetextes ist erst einmal die Suchmaschine von Google. Gewitzte Onlineschreiber richten ihre Texte also an den Bedürfnissen eines Computers aus. Womit der alten journalistischen Grundsatz „Immer an den Leser denken“ im Internetzeitalter von der Variante „Immer an Google denken.“ abgelöst wird.)

Aber wo war ich stehen geblieben?

Ach ja, bei dem Vorsatz einen suchmaschinenoptimalen Post zu verfassen. Dafür kombiniere ich jetzt mal versuchsweise ein äußerst erfolgreiches Schlagwort meines Blogs – Merkel – mit einem im Moment höchst populären Suchwort: Fußball.


Fotos: Spiegel online

Fußballfans haben dieses Spiel natürlich längst abgehakt. (Ganz schlecht für die Clicks.) Ohne hier weiter in Wunden zu stochern, war dieses Treffen doch in einer Hinsicht bemerkenswert: wie geschickt sich die Kanzlerin mal wieder in Szene gesetzt hat. Okay, der curryfarbene Blazer hing an ihr, als hätte er sich schon einen ganzen Tag in Sitzungen gelangweilt, außerdem stand ihr die Farbe nicht optimal. Frisch vom Friseur kam sie auch und wahrscheinlich hatte sie ihm befohlen: Runter damit, ich will nicht alle vier Wochen zum nachschneiden kommen. Die Haare waren zu kurz. Ihr vom vielen Ärger mit der SPD deutlich gerundeten Schreibtischbuckel hätte meine Oma früher mit „Haltung, Mädchen“ kommentiert. Aber sonst machte sie alles richtig. Wechselte mit jedem anwesenden Wichtigmann ein paar Worte (gute Fotogelegenheiten). Demonstrierte Interesse, lächelte in den richtigen Momenten und ließ sich sogar von Theo Zwanziger abbusseln. Im Gespräch mit Kerner (oder war es Beckmann) kokettierte sie mit ihrem fußballerischen Laientum, um dann Lahm zu loben, weil er so fleißig war. Was Botoxdiva Netzer dazu veranlasste, ihr erstaunliches Fachwissen zu bescheinigen.
Mutig diese Frau Merkel. Wagt sich ins Testosteronland und macht alles richtig. Respekt.

PS: Über den Clickerfolg dieses Post informiere ich demnächst. Nur eine kleine Zusatzinfo für Suchmaschinenoptimierungstüftler: der mit weitem Abstand erfolgreichste Post meines Blogs ist der hier. Und das erstaunt mich dann doch.

Im Moment richtet gerade jedes Label brav seine Ökoecke ein – einerseits um sich mit demonstrativem Verantwortungsbewusstsein anzuwanzen, andererseits um ja keinen Trend zu verschlafen. Auch Armbändchen, von deren Erlös ein paar Cent an eine Wohltätigkeitsorganisation – Charity auf deutsch – gespendet werden, sollen das Geschäft mit dem guten Gewissen in Schwung bringen. Alles schön und gut. Während also die Großunternehmen noch herumeiern zwischen nicht ganz astreinen, aber billigen Produktionsmethoden im Ausland und dem Polieren des Heiligenscheins im Inland, schlagen ein paar nähende Fundis einen viel konsequenteren Weg ein. Mode aus Abfall ist ihr Motto und wer dabei an Gewänder aus blauem Mülltütenplastik denkt, liegt falsch. Diese Phase ist überwunden. Die Britinnen Annika Sanders und Seager von der Firma Junkstyling zum Beispiel, nehmen zwar auch (fast) alles was die Kleiderspendezentrale hergibt, aber das Ergebnis ihrer Abfallverwertung kann sich sehen lassen. Blaugemusterte Herrenhemden verschrotten sie etwa so:

Sollten von einem Kaschmirblazer nur noch die Ärmel intakt sein, macht das nichts, die lassen sich nämlich wunderbar als Schal reinkarnieren.

Das Geschäft mit dem Junkstyling läuft prima. London entdeckt gerade die Coolness von recycelten Klamotten. Und wie man weiß: was aus London kommt verbreitet sich noch immer schneller um die Welt als alles, was in Berlin (oder Köln) für hip gehalten wird. Egal, wie lange am Prenzlauer Berg schon grün genäht wird.

Öko wird immer schicker. Auf eine Art und Weise wie es sich die guten alten Grünen in ihren Gesundheitssandalen nie träumen ließen. Nicht nur, dass Adidas mit Turnschuhe aus recycelten Autoreifen und ähnlichen Ökoschnickschnack jetzt auch umweltbewusstes Konsumieren propagiert, in England hat die Turnschuhmarke (tschuldigung – das Lifestyle-Unternehmen) einen kontrovers diskutierten Werbespot in den Kinos geschaltet. Der Plot: Hippe junge Leute in Adidasklamotten kurven mit einem Auto voller Pflanzen verdächtig durch die Stadt und schlagen plötzlich zu. Tatort ist ein öffentlicher Grünstreifen. Schneller als bei einem Ladenüberfall wird er hübsch bepflanzt und bevor die Polizei dem Treiben Einhalt gebieten kann, sind alle auch schon wieder abgehauen.

Guerilla Gardening nennt sich diese nächtliche Umweltverschönerung, die zwischen Stockholm, London und Zürich gerade zu einer neuen Bewegung heranwächst und die – kaum ins öffentliche Bewusstsein gerückt – von den Adidas-Trend-Spürnhunden schon kommerziell vereinnahmt wird. Sehr zum Ärger der Initiatoren, für die Guerillaverständnis und Marketing unversöhnliche Feinde bleiben – trotz inflationären Gebrauchs des Wortes Guerilla (Guerillastores, Guerillawerbung etc.) Eine Haltung, die die subversiven Gärtner dann doch wieder den Uraltgrünen deutscher Provinienz annähert. Und wer weiß, wenn sie Pech haben lässt Madonna in ihrem nächsten Videoclip ein paar Guerillagardener rumturnen.

Keine Ahnung, wer das liest, aber unverdrossen stopft jeden Samstag der Briefbote die in Plastik eingeschweißten Werbeblättchen „Post Aktuell“ in den Kasten. Unser Hausbesitzer hat zwecks Entsorgung dieses Umweltärgernisses extra einen Korb angeschafft, in dem alle Mitbewohner ihr Exemplar nun einfach direkt vom Fach aus runterfallen lassen können. Der Kölner Politikwissenschaftler Frank Überall empfiehlt mit seiner Initiative „Zurück an den Absender“eine effizientere Form der Gegenwehr: den Papiermüll einfach dahin zurück schicken, wo er herkommt. Auf seiner Website liefert er auch gleich die Rücksendeaufkleber zum Selbstausdrucken mit. Könnte sein, dass die Post bald überall mit ernsthaften Müllproblemen zu kämpfen hat.

Vivienne Westwood kultiviert als große alte Dame des Punk bis heute die schrillen Auftritte. Qietschige Dauerwellfussel, eiserne-Lady-Styling und stilbildende Ignoranz für jede Art von Trend zeichnen sie aus. Sie kann sich selbst ironisieren ohne sich dabei zur Witzfigur zu machen wie eine Donatella Versace. Deren verzweifelter Versuch, mittels Chirurgie jung zu bleiben, weckt höchsten noch Mitleid. Wie souverän dagegen Vivienne Westwood.

Der britische Esquire hat anläßlich seines 75. Geburtstags ein paar Modedesigner gebeten, ein altes Esquire-Cover nachzustellen. Und prompt bewies die britische Provokateuse, dass sie mit ihren Ideen ihren Konkurrenten immer noch weit vorauseilen kann.

Vivienne Westwood pur. Ungeliftet, nicht gebotoxt – ja nicht mal geschminkt. In vornehmer Blässe (ist auch viel gesünder) statt armanihafter Solariumsbräune. Die Falten am Hals nicht à la Lagerfeld hinter einem absurd hohen Kragen eingequetscht. Den punkigen Totenkopf adrett an die Perlenkette gelegt. Mit feinem Großmutterlächeln. Soviel Mut zur Wahrheit muss ihr in diesem Gewerbe erst mal eine(r) nachmachen.

Für Anzeigen zu posieren, scheint sich momentan zum gefragtesten Broterwerb von Promis zu entwickeln. Neuester Zugang: Coppola, père et fille.

Wie davor Gorbatschow und Keith Richards machen nun auch Francis Ford Coppola und Tochter Sofia Reklame für Taschen. Yep, die mit den Logos, ganz links. Fotografiert hat nicht irgendwer, sondern Annie Leibowitz – sichtlich inspiriert von Coppolas Paten-Ästhetik. Sieht doch aus, wie ein ein Mafia-Boss in der Sommerfrische. Wie das Ganze zustande kam, wird in der Times ausführlich nacherzählt. Nur eines findet keine Erwähnung: das bisschen Extracash, das auch Promis nicht verabscheuen.

Um den Begeisterungstaumel für die EM 2008 auch stylemäßig zu unterstützen, schlage ich folgende Designs vor:

Gleichermaßen für Fußgänger und Fahrradfahrer geeignet. Selbstverständlich auch von weiblichen Fußballenthusiasten einsetzbar – obwohl durchaus auch femininere Modelle möglich sind. z.B. in Form eines Diadems, mit Pompoms oder garniert mit Federn und Tüll.