janker„Ich war 17 als ich aus Deutschland weg ging“, sagte John gestern abend. „Weil ich alles Deutsche hasste. Wie die Leute sich benahmen, wie sie sprachen und wie sie sich kleideten. Besonders wie sie sich kleideten. Und jetzt bin ich nach so vielen Jahren zurück in München und stelle fest: Mir gefällt die Tracht. Diese gehäkelten, geraden Jacken mit dem kleinen Stehkragen und den Borden sehen doch Klasse aus. Ich war sogar im Laden neben meinem Hotel und habe eine anprobiert. Ich konnte mich gerade noch bremsen, sonst hätte ich sie gekauft. Vielleicht beim nächsten Besuch. Und dann kaufe ich einen Hut dazu und ein Dirndl für meine Frau. Vielleicht bin ich inzwischen Amerikaner genug, um zu sehen: It’s cute.
Nebenbei entdeckten wir an diesem Abend eine Gemeinsamkeit von Josef Ackermann und Erich Honecker: Beide gehören zu der Sorte Männern, die sich weigert, zu erkennen, dass das System, auf dem sie ihr Leben aufgebaut haben, in sich zusammen bricht.

PS: Ein Janker wird natürlich gestrickt und nicht gehäkelt, aber woher soll John das wissen? Und es gibt sie noch aus Leinen und aus Filz.

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