Seit beginn dieser Fußballeuropameisterschaft schaue ich mit Neid in Reskis Republik. Dank der täglichen Weissagungen ihres italienischen Orakels und einer googleaffinen Berichterstattung strömen die Massen in ihre Gassen. Während der Stylebus so dahinholpert. Zur Zeit interessiert die Clicker nichts anderes als die EM 2008. Nicht mal halterlose Strümpfe oder Votzensport von Lady Bitch Ray.
Was mich auf die Idee brachte, auch einen suchmaschinenoptimierten Post zu verfassen. (Falls das Wort suchmaschinenoptimiert Printjournalisten nicht geläufig sein sollte: Es handelt sich dabei um die Kunst, Onlinetexte mit wichtigen Schlagworten vollzustopfen, damit sie von Google erfasst und möglichst ganz nach oben in die Liste der Suchergebnisse geschickt werden. Weil: Je weiter oben ein Beitrag erscheint, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass ein Clicker auf deine Seite wandert. Und da Clicks die Internatauflage oder Interneteinschaltquote sind, versucht jeder, der sich wichtig fühlt oder mit Anzeigen Geld verdienen will, Clicks herbeizutricksen. Ohne jetzt weiter in das weite Feld der Clickgenerierung einzusteigen, nur noch so viel: Der wichtigste Leser eines Onlinetextes ist erst einmal die Suchmaschine von Google. Gewitzte Onlineschreiber richten ihre Texte also an den Bedürfnissen eines Computers aus. Womit der alten journalistischen Grundsatz „Immer an den Leser denken“ im Internetzeitalter von der Variante „Immer an Google denken.“ abgelöst wird.)

Aber wo war ich stehen geblieben?

Ach ja, bei dem Vorsatz einen suchmaschinenoptimalen Post zu verfassen. Dafür kombiniere ich jetzt mal versuchsweise ein äußerst erfolgreiches Schlagwort meines Blogs – Merkel – mit einem im Moment höchst populären Suchwort: Fußball.


Fotos: Spiegel online

Fußballfans haben dieses Spiel natürlich längst abgehakt. (Ganz schlecht für die Clicks.) Ohne hier weiter in Wunden zu stochern, war dieses Treffen doch in einer Hinsicht bemerkenswert: wie geschickt sich die Kanzlerin mal wieder in Szene gesetzt hat. Okay, der curryfarbene Blazer hing an ihr, als hätte er sich schon einen ganzen Tag in Sitzungen gelangweilt, außerdem stand ihr die Farbe nicht optimal. Frisch vom Friseur kam sie auch und wahrscheinlich hatte sie ihm befohlen: Runter damit, ich will nicht alle vier Wochen zum nachschneiden kommen. Die Haare waren zu kurz. Ihr vom vielen Ärger mit der SPD deutlich gerundeten Schreibtischbuckel hätte meine Oma früher mit „Haltung, Mädchen“ kommentiert. Aber sonst machte sie alles richtig. Wechselte mit jedem anwesenden Wichtigmann ein paar Worte (gute Fotogelegenheiten). Demonstrierte Interesse, lächelte in den richtigen Momenten und ließ sich sogar von Theo Zwanziger abbusseln. Im Gespräch mit Kerner (oder war es Beckmann) kokettierte sie mit ihrem fußballerischen Laientum, um dann Lahm zu loben, weil er so fleißig war. Was Botoxdiva Netzer dazu veranlasste, ihr erstaunliches Fachwissen zu bescheinigen.
Mutig diese Frau Merkel. Wagt sich ins Testosteronland und macht alles richtig. Respekt.

PS: Über den Clickerfolg dieses Post informiere ich demnächst. Nur eine kleine Zusatzinfo für Suchmaschinenoptimierungstüftler: der mit weitem Abstand erfolgreichste Post meines Blogs ist der hier. Und das erstaunt mich dann doch.

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