Im Moment richtet gerade jedes Label brav seine Ökoecke ein – einerseits um sich mit demonstrativem Verantwortungsbewusstsein anzuwanzen, andererseits um ja keinen Trend zu verschlafen. Auch Armbändchen, von deren Erlös ein paar Cent an eine Wohltätigkeitsorganisation – Charity auf deutsch – gespendet werden, sollen das Geschäft mit dem guten Gewissen in Schwung bringen. Alles schön und gut. Während also die Großunternehmen noch herumeiern zwischen nicht ganz astreinen, aber billigen Produktionsmethoden im Ausland und dem Polieren des Heiligenscheins im Inland, schlagen ein paar nähende Fundis einen viel konsequenteren Weg ein. Mode aus Abfall ist ihr Motto und wer dabei an Gewänder aus blauem Mülltütenplastik denkt, liegt falsch. Diese Phase ist überwunden. Die Britinnen Annika Sanders und Seager von der Firma Junkstyling zum Beispiel, nehmen zwar auch (fast) alles was die Kleiderspendezentrale hergibt, aber das Ergebnis ihrer Abfallverwertung kann sich sehen lassen. Blaugemusterte Herrenhemden verschrotten sie etwa so:

Sollten von einem Kaschmirblazer nur noch die Ärmel intakt sein, macht das nichts, die lassen sich nämlich wunderbar als Schal reinkarnieren.

Das Geschäft mit dem Junkstyling läuft prima. London entdeckt gerade die Coolness von recycelten Klamotten. Und wie man weiß: was aus London kommt verbreitet sich noch immer schneller um die Welt als alles, was in Berlin (oder Köln) für hip gehalten wird. Egal, wie lange am Prenzlauer Berg schon grün genäht wird.

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