Öko wird immer schicker. Auf eine Art und Weise wie es sich die guten alten Grünen in ihren Gesundheitssandalen nie träumen ließen. Nicht nur, dass Adidas mit Turnschuhe aus recycelten Autoreifen und ähnlichen Ökoschnickschnack jetzt auch umweltbewusstes Konsumieren propagiert, in England hat die Turnschuhmarke (tschuldigung – das Lifestyle-Unternehmen) einen kontrovers diskutierten Werbespot in den Kinos geschaltet. Der Plot: Hippe junge Leute in Adidasklamotten kurven mit einem Auto voller Pflanzen verdächtig durch die Stadt und schlagen plötzlich zu. Tatort ist ein öffentlicher Grünstreifen. Schneller als bei einem Ladenüberfall wird er hübsch bepflanzt und bevor die Polizei dem Treiben Einhalt gebieten kann, sind alle auch schon wieder abgehauen.

Guerilla Gardening nennt sich diese nächtliche Umweltverschönerung, die zwischen Stockholm, London und Zürich gerade zu einer neuen Bewegung heranwächst und die – kaum ins öffentliche Bewusstsein gerückt – von den Adidas-Trend-Spürnhunden schon kommerziell vereinnahmt wird. Sehr zum Ärger der Initiatoren, für die Guerillaverständnis und Marketing unversöhnliche Feinde bleiben – trotz inflationären Gebrauchs des Wortes Guerilla (Guerillastores, Guerillawerbung etc.) Eine Haltung, die die subversiven Gärtner dann doch wieder den Uraltgrünen deutscher Provinienz annähert. Und wer weiß, wenn sie Pech haben lässt Madonna in ihrem nächsten Videoclip ein paar Guerillagardener rumturnen.

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