Charlotte Roche nähert sich mit den „Feuchtgebieten“ dem 1millionsten verkauften Exemplar. Sie wird gerade reich damit. Und immer noch ist in den vielen Feuilletonartikeln über sie die Ratlosigkeit zu spüren, bei der Suche nach den Gründen dieses Erfolgs. In einer lesenswerten Zeitreportage über das deutsche Romanwunder wird eine 24jährige Cynthia zitiert: „Charlotte hat ein Bild unserer Generation gezeigt, wie sie sein könnte, wenn der Schönheitswahn uns nicht so unfrei gemacht hätte.“ Genau das ist es. Charlotte Roche spricht der riesigen Mehrheit der Frauen aus der Seele, die es nie wagen würden, sich den kritischen Augen einer Heidi Klum auszuliefern – sich aber total von ihr verunsichern lässt. Und dafür, dass Roche sich nicht den Schneid abkaufen lässt und stellvertretend für alle eine klare Gegenmeinung ausdrückt, darf sie mindestens genauso reich werden wie Klum.

Auch meine kritische Begutachtung von Claudia Roth (im Post davor) geschah eher in der Klumschen als in der Tradition von Charlotte Roche.
„Aber, aber, meine Liebe“, schrieb daraufhin L. in einer Mail, „warum so kritisch mit der Roth? Ich sehe vor allem ein strahlendes Wesen und ganz schöne Beine und finde die Würste
halb so wild. Und der Satz stimmt überhaupt nicht:
Vertraue nie den Komplimenten von anderen Frauen.
Du hast nur ein paar falsche Freundinnen.“

So kann man Pölsterchen auch sehen. Und das ist sicherlich die sympathischere Einstellung.

Was Komplimente von Frauen angeht, bleibe ich allerdings dabei: Vorsicht damit. Erst recht, wenn die Komplimente von Mitarbeiterinnen eines Klatschblatts kommen, die auf besonders herzlich machen. Verwechsle Schleimerinnen nie mit Freundinnen – also mit Frauen, denen man aus Erfahrung vertrauen darf. Die müssen dafür nicht unbedingt immer freundlich sein.

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