Ich liebe youtube. Man kann drin rumwandern wie auf einem Flohmarkt, mal in dies, mal in das rein gucken, sich von Bildern, Namen, Tönen anlocken lassen und nach ein paar unterhaltsamen Stunden ist man vielleicht – wie nach einem Besuch auf einem Flohmarkt – absolut zufrieden, weil man was Hübsches gefunden hat.
Wichtig ist nur, dass man sich treiben lässt. Zum Beispiel so:

Ich suche bei Google Infos zum venezianischen Modemacher Fortuny und finde bei youtube einen (uninteressanten) TV-Beitrag von RAI über Fortuny.
Während er läuft, fällt mir auf der Liste der „related videos“ ein ganz anderer Name auf: jovovich-hawk fashionshow.
Milla Jovovich ist eine Schauspielerin, die mit einer Freundin auch Kleider entwirft. Das könnte doch was zum bloggen sein.

Click.
Gähn.
Aber die Musik ist hübsch. Wer singt den da?

Die Musik fiel auch anderen auf, die in den Kommentaren danach fragen. Und jemand weiß es und schreibt es rein:
Nouvelle Vague. Love will tear us apart.

Novelle Vague? Hab ich doch schon mal gehört. Gibt’s da nicht diesen Song „To drunk to fuck“?
Also Nouvelle Vague in die youtube-Suchfunktion eintippen.
Eine ganze Latte mit Videos.
„Love will tear us apart“ ist dabei – aber in einer schwachen Liveversion. Jede Menge wackelige Handyaufnahmen von Konzerten. Viele davon Mitschnitte von „To drunk to fuck“. Lustig. Und ein Video mit dem Song „Eisbaer“.
Die französisch-englische Band Nouvelle Vague singt deutsch. Das könnte spannend sein.

Click.

Halloo, was ist das denn? Eine hübsche Französin, die sich auf einem Eisbärfell rekelt und dazu mit entzückendem Akzent einen deutsches Nonsense-Schlager haucht.
„Ich möchte ein Eisbär sein, im kalten Polar/
Dann müsste ich nicht mehr schrein/
Alles wär so klar….“

Verwirrend. Sieht ein bisschen aus wie deutsches Fernsehen circa 1960 – ist bei genauerer Überlegung aber viel zu chic dafür. Wie kommt denn Nouvelle Vague zu so was?

Wieder helfen die Kommentare weiter.
„“Eisbär“ ist der Song einer Schweizer Band namens Grauzone“, die Anfang der 80er Jahre auf der neuen deutschen Welle („dadada“) mitspielte. Die Originalversion klingt wie ein Bergführerquartett aus dem Engadin, ist aber wohl Kult. Nouvelle Vague (was ja auch neue Welle heißt) hat das Ganze in einen Bossa Nova (neue Welle auf portugiesisch!) verwandelt – mit Sängerin Marina Celeste als zusätzlichem Charme-Faktor.

Da wir hier im Internet rumwandern, machen wir jetzt noch schnell einen Abstecher zu Nouvelle Vague bei wikipedia. Uns interessiert heute nur die Band nicht die Stilrichtung des frnazösischen Kinos (ist aber auch interessant!)
Und natürlich hat Nouvelle Vague (die Band) auch eine eigene, liebevoll gestaltete Website und – clever, clever – eine Myspace-Seite mit Radio. Hier ist dann endlich das wunderbare „To drunk to fuck“zu hören – übrigens wieder eine Cover-Version als Bossa Nova. Das Original stammt von einer Gruppe namens „Dead Kennedys“ und klingt nicht weiter verwunderlich sehr nach Punk. Wenn nun eine Mädchenstimme zirpt „Went to a party/I danced all night/I drank sixteen beers and started up a fight /I’m rolling down the stairs/to drunk to fuck“ hat das einen ganz eigenen Reiz.
Stellt sich jetzt nur noch Frage, soll ich als neuer Nouvelle Vague-Fan auch gleich das adäquate T-Shirt dazu bestellen? Für 23 Euro, direkt im Nouvelle-Vague-Shop

Da schlaf ich jetzt noch mal eine Nacht drüber.

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