„Kämmen ist spießig“ sagte mir vor Jahren eine Freundin. Ein Hinweis, den ich bis heute beherzige. Was manchmal für Verwirrung sorgt, vor allem bei Mitmenschen, die das Chaos auf meinem Kopf als Hinweis auf die Verfassung seines Inhalt sehen. Dass dies so ist, liegt – das muss hier ausdrücklich hinzugefügt werden – nicht an meinem Friseur.

Nein, das bin nicht ich. Das ist ein Model. Mein Friseur Klaus Tischer hat mit ihr und der wuscheligen Kreation in Weißblond den German Hairdresser Award 2007 als bester Haarschneidekünstler Süddeutschlands gewonnen und damit Georg Baselitz‘ berühmten Satz „Kreativität ist was für Friseure“ aufs schönste bestätigt.

Jede Frau braucht einen congenialen Stylisten an ihrer Seite, deswegen käme mir nie in den Sinn, Klaus gegen einen seiner Kollegen auszutauschen. Womöglich noch aus dem selben Salon. Aber es gibt solche wankelmütigen Naturen, die heimlich mit dem Scherenvirtuosen nebenan liebäugeln. Meist in der irrigen Annahme, der andere kriegte sie schöner hin. Das Dilemma, das solch ein Wunsch nach einer neuen Beziehung auslöst, erörterte kürzlich sogar der SZ-Hausphilosoph Rainer Erlinger in seiner Magazin-Kolumne. Er empfahl, mit einem „charmanten Hinweis à la ‚Jetzt ist mal ein anderer dran'“ den Platz vor dem Spiegel zu wechseln. Mal ganz davon abgesehen, was Herr Erlinger für charmant hält: diese Antwort ist in keinster Weise geeignet das schlechte Gewissen über einen Hochverrat zu mildern. Man sagt ja auch nicht seinem Mann – egal wie liebevoll – jetzt ist mal ein anderer dran und legt sich dann abends seelenruhig neben ihn ins Bett.
Aber wie ist die delikate Angelegenheit sonst zu bewältigen?

Die Antwort erhielt ich bei einer Lesung im Münchner Salon von Ulrich Graf. Christian Schünemann stellte dort seinen zweiten höchst amüsanten Frisör-Krimi „Der Bruder“ vor und obwohl Herr Graf ganz buddhamäßig in sich ruhend ebenfalls zuhörte, wagte ich nicht, dem Meister selbst die Frage zu stellen. Stattdessen aber einem Kreis seiner Kundinnen. Das Entsetzen legte sich wie ein Nebel billig-klebrigen Haarsprays über die Damen. Dann flüsterte eine so leise, dass die anwesenden Graf-Angestellten nichts davon mitkriegten: „Also nein, das geht überhaupt nicht. Da kann man nur eins machen: Den Salon wechseln und sich nie wieder blicken lassen.“ Die anderen nickten.

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