Wenn Schaufensterpuppen Rückschlüsse zulassen auf das Frauenbild einer Gesellschaft, dann ist im Moment eine interessante Entwicklung im Gang.

Früher schmückten wohlfrisierte Damen die Fenster, deren Haarpracht spontanen Neid auslösten. Dann waren eine Zeitlang mit weißem Lack überzogene Abbilder von Brigitte Nielsen (der furchteinflößenden dänischen Ex-Ehefrau von Sylvester Stallone) sehr populär. Oder es hingen mehr oder weniger kunstvoll designte Kleiderbügel rum (quasi als versinnbildlichte Aussage aller Models mit Minderwertigkeitsgefühlen, die sich als „Kleiderständer“ mißbraucht fühlen). Seit Jahren bevölkern nun vor allem elegante, kopflose Figuren die Auslagen, in die sich die Betrachterin leicht hineindenken kann. Jetzt haben sie Konkurrenz bekommen: zierliche großäugige Nymphen mit aisatischem Einschlag, die das Wunder vollbringen, gleichzeitig (Tschuldigung) schlitz- und kulleräugig die Welt zu bestaunen.

Nicht das sowas neu wäre. Kunstobjekte im Kindchenschema gibt’s als Putten, kleine Jesulein, Prinzessinnen aller Epochen und aus dem Tierreich.

Bambi sollte den Identifikationsimpuls vor allem bei Kids wecken (lange bevor in vergoldeter Geschmacklosigkeit Filmstars damit umschmeichelt wurden. Aber das ist eine andere Geschichte). Die rehäugigen Schaufensterpuppen in Designerfähnchen in Münchens Upperclassboutique Teresa wenden sich dagegen eindeutig an Frauen mit gehobenem Einkommen – und das können ja nicht nur Teenagertöchter sein. Oder sollen die Lolitas doch eher einkommensstarke Ehemänner dazu anregen, dem heiß geliebten Trophywife was Nettes von Cloé oder Gucci zu apportieren?

Möglich ist auch , dass die Schaufenstergestaltung eine kaufkräftige Touristenklientel aus Asien ansprechen soll, die München traditionsgemäß sehr schätzt.

Oder eben alles zusammen. Bambi und Mangamädels als wesensverwandte Comicfiguren bedienen die Sehnsucht von Erwachsenen nach Kitsch genauso wie der japanische Künstler Takashi Murakami. Der hat es geschafft, mit Spitzenpreisen das schlechte Gewissen der Ästheten zu beruhigen. Vielleicht handelt der Schaufensterdekorateur bei Teresa ähnlich clever.

In den Mangaforen im Web freuen sich die Teenagermädels noch ganz unmittelbar an den japanischen Erbinnen von Pipi Langstrumpf. Die Bilder der Mangaheldinnen helfen ihnen, hat man den Eindruck, die Angst vor dem Erwachsenwerden zu bewältigen.

Und vielleicht schaffen genau das die Magapuppen im Schaufenster von Teresa auch. Die weibliche Angst vor dem Erwachsenwerden (oder gemeiner: vor dem Altern) für ein paar Augenblick weg zu zaubern.

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