Im Spiegel behauptet die Verlagsgröße Angelika Taschen heute, genug von dem Gedöns um It-Bags zu haben und glücklich von Bottega Veneta auf ein 120-Euro-Verkäuferinnen-Modell umgestiegen zu sein – um im letzten Absatz dann doch feige eine Kehrtwendung zu vollziehen:
„Trotz meiner Handtaschenkrise schaue ich wieder nach der idealen Clutch für den Abend (gerade hochaktuell). Ist die Jil-Sander-Clutch mit ihren eleganten Proportionen besser als die etwas schräge von Lara Bohinc? Einmal süchtig, immer süchtig, und genau darauf setzt die Modebranche und findet weltweit massenweise Opfer.“
Also, was nun Frau Taschen? Wurden Sie wegen einer klaren Meinung oder wegen Ihres Namens für diesen Artikel engagiert?
Ich persönlich halte es wie Carine Roitfeld und packe Schlüssel, 20-Euro-Schein und eventuell das Handy in die Manteltasche. Damit ist man für die üblichen Kalamitäten eines Tages bestens gerüstet. Für offizielle Termine leihe ich mir von Freundin A. das quadratisch-praktische schwarze Thatcher-Modell. Nicht gerade Weltklassedesign, das Label nicht erwähnenswert, insgesamt aber sympathisch unauffällig. Damit kann man nichts falsch machen.

Huch, ich bemerke, ich bewege mich in Frau Taschens Richtung. Ich falle auch um!

Würde mir jemand so ein Jil-Sander-Teil nachwerfen – ich würde es auffangen!

Eine andere Möglichkeit, sich dem It-Bag-Getue zu entziehen, ist die ökologisch korrekte Schiene.

Der Guardian stellt in einer Diashow dieses und sieben andere No-Names vor, die aus Kimono- und sonstigen Stoffresten gefertigt sind, aus ausgemusterten Lederpolstermöbeln oder alten Plastiktüten und von Flüchtlingen, Waisenkindern oder ähnlich hilfsbedürftigen Mitmenschen genäht wurden. Wer weiß, vielleicht sind solche Labels bald genauso begehrt wie die gerade angesagten, kauft man damit doch gleich noch ein zusätzliches Nice-to-Have mit: ein gutes Gewissen.

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