Du, sag ich zu meinen Mann. Guck dir das an, das ist jetzt Mode.

Ach, sagt er. Durchgeknallt, zugedröhnt und abgestürzt, das war zu meiner Zeit auch schon Mode. Nur waren damals die Männer berühmt und die Frauen die Groupies. Heutzutage ist das umgekehrt.

Quatsch, sage ich, die Hüte.

Nun das interessiert ihn wirklich. Er hat geschätzte 40 Stück davon, wesentlich mehr als Schuhe und fast soviel wie Messer und das alles sammelt er auch. Als ich ihn kennenlernte, machten sich andere Männer in seinem Alter mit Baseballmützen lächerlich. Er favorisierte schon damals die gleichen Kopfbedeckungen wie mein Opa. Im Winter aus Filz, im Sommer aus Panama oder von irgendwelchen italienischen Wochenmärkten. Er kann begeistert über die verschiedensten Modelle (Trilby, Porkpie, Fedora) referieren, über Materialien (kanadischen Kaninchenfilz versus bayerischen Schafswollfilz), über das effizienteste Schweißband, über die ideale Breite der Krempe (Zweieinviertel Inch beim Porkpie, weil der stingy brim affig ist) und ihre schickste Form (hinten schroff gestürzt beim Trilby) oder über Sinn und Zweck von Hutbändern (verhindern das Ausdehnen. Schmückendes „Obst“ daran ist nur was für Frauen und Trachtler). Elegant darf das Ganze auch nicht aussehen, sondern so als hätte es schon mehrere Leben lang in Kneipen am Haken gehängt.

Ich erinnere mich, dass wir in der Karibik unser Leben aufs Spiel setzten, weil während einer Bootsfahrt ein aufkommender Sturm ihm seine weitgereiste australische Rarität vom Boot ins Meer blies und drei Mann, statt schleunigst ans Ufer zu steuern, mit Stangen nach dem guten Stück angelten. Mit Erfolg, kurz bevor die Wellen über uns zusammenschlugen. Ich erinnere mich an einen wirklich ernsthaften Ehestreit, weil ich ein unmögliches Ding, das ihm meiner Meinung nach überhaupt nicht stand, einfach aus dem Fenster warf. Spätnachts, im Hochsommer, bei bestem Wetter. Der Hut überstand die Krise ohne Schaden. Im Moment liebäugelt er mit einem Porkpie, einem Modell, das sonst nur Jazzmusiker (Lester Young), Architekten (Frank Lloyd Wright) und Komiker (Buster Keaton) zu tragen wagten. Es ist seit ewigen Zeiten aus der Mode. Aber ich bin mir sicher, man kann dem avantgardistischen Modegespür meines Mannes auch in diesem Fall vertrauen. In sätestens zwei Jahrzehnten werden es die dann aktuellen Popstars entdeckt haben und total hip finden.

Wer das Thema weiter vertiefen möchte: Hier eine interessante Adresse.

Und ein Tipp für Frauen, die auch gerne mal ein bißchen Pete Doherty spielen möchten – nur schicker: Die junge Barbara Habig aus einer bekannten Wiener Hutmacherdynastie gibt dem Panamahut in diesem Sommer einen „funky flavour“ Das steht ihm gut. Und ihr auch.

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