Ein Geständnis vorneweg: Ich habe nur eine ungefähre Ahnung was Trip Hop ist. Weder ein Reittunier, noch ein bestimmter Muskel bei Hip Hoppern noch eine Kaninchensorte, nö, Trip Hop ist eine Musikrichtung. Auch nach mehrmaligem Anhören erschließt sich mir allerdings kein signifikanter Unterschied zu all den anderen Musikrichtungen, die irgendwo in der Luft rumwabern. Trotzdem hat mich ein Artikel in der FAZ über ein Konzert der Band Portishead in München gefesselt. Interessant, was da alles zu lesen stand, über „sinistre, erhabene Klassiker“ der Band, ihr neues Album „Third“ und die erste Single-Auskoppelung „Machine Gun“, worin das „elektronisch verfremdete Schlagwerk lautmalerisch wie ein Maschinengewehr rattert“ und „nur Beth Gibbons‘ süß klagende Stimme dem progressiven Gewummere eine nachvollziehbare Melodie“ hinzufügt.


Foto: Andreas Müller/FAZ

Beth Gibbons! Der Name erinnerte mich daran, dass eine ähnlich schwärmerische Musikkritik vor Jahren in der SZ über ihr erstes (und einziges) Soloalbum „Out of Season“ der Ausgangspunkt einer Short Story wurde, die ich dann schrieb. Mit Erfundenem, Gehörtem und Erlebtem locker gemixt, wie das so ist bei Kurzgeschichten. Beim Rumsuchen und anhören der Videos heute bei youtube überfiel mich wieder diese leichte Langeweile, die der Grund war, warum Beth Gibbons und Portishead mich nicht wirklich interessierten. Ist mir zu cool, zu elektronisch, zu langsam, zu Kopf gesteuert. Am besten gefällt sie mir noch allein, ohne Band. Da hört man, was FAZ-Schreiber Müller meint, wenn er von ihrer „betörenden Stimme“ schwärmt: „Es ist immer noch faszinierend, was sie damit bewirken kann.“
Ihr Styling passt zu ihrem Ruhm als Bühnenelfe: Sie gilt als scheu, gibt kaum Interviews, lebt zurückgezogen auf einer Farm in England und tritt in schwarzer, minimalistischer Existenzialistenkluft (enge Hose, Rolli) auf. Alles sehr sympathisch.

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