Es gibt ein neues Wort auf Styling-Denglish: Color Blocking. Das hat was mit Blockhaus zu tun oder mit Blockstreifen und bedeutet unter Grafikern, dass eine Layout möglichst gekonnt mit Farbflächen gefüllt wird. Je unterschiedlicher, fetter und klotziger, desto spannender. Umgesetzt in Mode sieht das so aus:

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Ungewöhnliche Farben miteinander zu tragen ist ein Riesentrend in diesem Sommer. Wobei auffällt, dass kaum ein Designer sich so richtig ran traut. Aus lauter Angst, zu bunt zu wirken, bleiben sie dann doch gerne auf vertrautem Terrain und kombinieren Ton in Ton oder mit höchstens zwei starken Farben statt auch mal gewagter zu mischen. Den Mut bringen eher die Kids auf der Straße auf. Die feiern in den USA schon color blocking parties, auf denen die Gäste so bunt rausgeputzt wie möglich erscheinen. Aber stylish natürlich und nicht nur einfach quietschig. Der New Yorker Nachwuchsdesigner Chris Benz hat für seine Sommerkollektion so ein Farbenfest inszeniert und ließ damit die geschmackvoll nuancierten alten Meistern ziemlich blass aussehen.

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Einen alten Meister gibt es natürlich, den auch der verwegenste junge wilde nicht übertrumpfen kann. Sein color blocking zieht im Moment die Besucher in Scharen in die Münchner Hypokulturstiftung, wo noch bis 27. April Arbeiten von Mark Rothko ausgestellt sind.

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Wobei Rothko das, was ich hier getan habe, nämlich seine Arbeiten einfach hübsch nebeneinander aufzureihen, aufs höchste missbilligt hätte. Er verabscheute es, wenn Malerei als Dekoration benutzt wurde. Seine Kunst sollte sinnliche Erfahrungen auslösen und nicht einfach nur adrett über dem Sofa hängen (oder – noch schlimmer – als modische Spielerei eine Saison lang durch die Welt geistern).

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Mea culpa – aber die Versuchung, mit color blocking ein bisschen color blogging zu betreiben, war einfach zu groß.

Rothko-Fotos via National Gallery of Art, Washington (mit einer lesenswerten Online-Übersicht über das Werk von Mark Rothko). Alle Modefotos courtesy style.com

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