Im Moment läuft in den Kinos eine Dokumentation aus der großartigen Naturfilm-Abteilung der BBC: „Unsere Erde“  mit viel Getier in den Hauptrollen. Menschen kommen nicht vor. Dafür aber zum Beispiel Paradiesvögel aus Neuguinea. Die Männchen sind berühmt für ihre Federpracht und ihre Balzrituale, mit denen sie die matronenhaften Weibchen umgarnen. Das ist sehr lustig und sehenswert – vor allem bei diesem Vogel:

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Er ist so selten, dass von ihm kaum Fotos existieren, dafür hat ihn der Staat Papua Neuguinea auf einer Briefmarke verewigt. Und sogar Wikipedia versagt, wenn es darum geht, ihn zu identifzieren. Also bleibt er hier, aus Angst vor dem Zorn der Ornithologen, ohne Namen. Zu seinem Kopfputz gehören zwei extralange, schwarze Federn mit ein paar neckischen Fransen am Ende. Gezeichnet sieht das ungefähr so aus:

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Wie es der Zufall will – diese beiden Federn begegneten mir Tage später nochmal.

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Ein paar der wippenden schwarzen Stengeln vom Paradiesvogel landeten graziös auf dem Haupt von Audrey Hepburn. Auch der weiße Puff, auf dem sie sitzen, hat ein natürliches Vorbild: den Stirnwuschel des Palmkakadu.

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Frauen sind Paradiesvögel. Das wussten 1961 Blake Edwards, der Regisseur von „Frühstück bei Tiffany“ und Hubert de Givenchy. Und es stimmt 2008 immer noch. Fashiondesigner schnappen ihre Ideen – wie jeder andere Künstler auch – überall auf. Und die Tierwelt ist nicht die schlechteste Inspirationsquelle – wie dieses aktuelle Beispiel ebenfalls zeigt: 

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Der sogenannte kleine Paradiesvogel (paradisae minor) setzt seinen ganzen Ehrgeiz in den Schmuck seines Hinterteils. Für Menschen etwas unpraktisch, weil sie auf selbigem ja sitzen müssen. Also hat Christian Louboutin in seiner Sommerkollektion die Federpracht (inklusive der schwarzen Paradiesvogel-Wuschel aus Audreys Federpuff) kurzerhand dahin verfrachtet, wo Frauen gerne Aufwand betreiben – an ihr Lieblings-Accessoire:

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Was der namenslose Paradiesvogel in „Unsere Erde“ alles anstellt, um das Weibchen zu becircen, gilt als eines der komplexesten Balzrituale in der Tierwelt.  Erst putzt er stundenlang seine Bühne und wartet, bis das Licht so steht, dass er optimal ausgeleuchet ist. Dann übt er intensiv, bis sich endlich ein paar gelangweilte Weibchen  einfinden, die völlig blasiert seine Darbietung beobachten. Er hopst rum, lässt seine Federn spielen, und legt sich wahnsinnig ins Zeug um  das andere Geschlecht zu beeindrucken. Richtig süß – und irgendwie kommt einem das beim Zusehen im Kino alles sehr bekannt vor.  

Alle High-Heels-Fotos (auch von der vorhergehenden Geschichte) courtesy style.com. Foto Audrey Hepburn via Joyce.fr

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