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Das ist ein hübscher Schuh, nicht wahr? Er stammt aus Manolo Blahniks aktueller Kollektion und da inzwischen jeder, aber auch wirklich jeder weiß, das Manolo der Zeus aller Schuhgötter ist, gibt es auch an dieser Schöpfung nichts zu mäkeln. Hochelegant, zierlich,  mit genau der richtigen Absatzhöhe, um Vernissagen, Parties und sogar die Bambi-Verleihung unbeschadet zu überstehen. Ja, man kann sich sogar vorstellen, damit zur Tram zu sprinten, außer daß natürlich Trambenutzerinnen sich selten Manolos leisten können. 
Dieses Modell hat nur einen Fehler: Es ist absolut nicht auf der Höhe der Zeit. Es ist, um es mal knallhart auszudrücken, unmodern. 

Die aktuelle Schuhmode sieht so aus:  
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 (Von o. li.n.u.re.) YSL, Dior, Chloè, Chloè, Dior, Clavin Klein
 

Der Trend geht zum Klumpfuß. Mit Trümmern, die als perfekte Ausstattung für Straßenkämpfe (als Plastersteinersatz) oder um einen Handtaschenräuber zu erschlagen (weglaufen kann man damit ja nicht) herhalten können. Die wichtigsten Merkmale: Plateausohle und klobiger Absatz, am besten beides gemeinsam. Noch letzte Saison hätte ich gewettet, dass Keilabsätze (Stylingdeutsch: Wedges) aus und vorbei sind, aber sie halten sich stur. Wenngleich auch häufig als Mogelpackung mit eingekerbten Absatz. Was aber am vierschrötigen Gesamteindruck nichts ändert.

Auch das Erscheinungsbild einer Sandalette ist von statischen Gegebenheiten der Brummer nachhaltig beeinflusst.  Da der Klotz irgendwie halten muss, müssen auch die Befestigungssysteme entsprechend rustikal gestaltet sein. Statt Riemchen krönen nun Schnallen die auch auf Skischuhen Platz hätten, die Sommersohlen. Oder es werden gleich die 80er-Jahre-Ankleboots aus der Wintersaiso für den Sommer umgerüstet. In der hitzetauglichen Variante mit Schlitzen und (Achtung Stylingdeutsch!) Cutouts hier und da.
 
Um nicht unfair zu werden: Manchmal kann sich das Ergebnis durchaus sehen lassen. 
 
  

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(Von li. o. n. re. u.) Bruno Frisoni, Prouenza,Schouler, Calvin Klein, Manolo Blahnik, Louboutin, Prada 

 

Das erstaunliche daran ist: Beim Durchclicken durch gefühlte 10 000 Schuhfotos gewöhnt man sich derartig schnell an diese Optik, dass konventionellere Modelle plötzlich fad wirken. Und letzten Endes hilft nur ehrlicher Blick in den Spiegel bei der Entscheidung, ob man die Trends nun mit macht oder nicht.   

Manolo Blahnik hat zwar kürzlich in einem Interview gejammert, dass er die aktuellen High Heels häßlich findet und nicht versteht, warum Frauen sowas mitmachen – aber gleichzeitig hat er in seiner neuen Kollektion bewiesen, dass er nicht nur Klassiker entwerfen kann, sondern sehr wohl immer noch auf der Höhe der Zeit ist. Bis auf die Sache mit dem klotzigen Absatz – den gibt’s nur über seine Leiche. 

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