Wir hier in Bayern erfreuen uns eines Fernsehsenders, der nicht nur rührig die staatstragende Partei beklatscht, sondern auch eine eifrige Filmredaktion besitzt. Und so gibt’s beim Rumzappen immer wieder Überraschungen, weil man plötzlich beim BR hängen bleibt. Ist mir letzte Woche passiert, als ich Audrey Hepburn im schwarzen Abendkleid auf ein mit Juwelen bestücktes Schaufenster zusteuern sah.  „Frühstück bei Tiffany“ habe ich etliche Male gesehen und etliche Male die Handlung wieder vergessen – und mir war auch sofort wieder klar, warum. Audrey Hepburn als Farmersbraut aus Texas, die sich in Manhattan als Partygirl prostituiert – das glaubt kein Mensch.  Truman Capote hatte völlig recht, mit seiner Einschätzung, dass sie die falsche Besetzung für die Verfilmung seines Buches ist. Er wollte Marilyn Monroe, bekam sie aber nicht, weil ihr Roman und Script zu unmoralisch waren. Die belgische Diplomatentochter Hepburn teilte diese Bedenken nicht. Pech für Capote, ein Glück für den Film. Ohne ihren Liebreiz würde die ganze hanebüchene Story als Lachnummer entlarvt. Kommt hinzu, dass sie Hollywoods Kostümbildnerwunderwaffe Edith Head ausbremste und ihren Freund Hubert de Givenchy einschleuste. Die beiden – mit wohlwollender Unterstützung des Regisseurs Blake Edwards – schufen nun das Wunder, weswegen „Frühstück bei Tiffany“ für alle Zeiten ein Filmklassiker bleiben und Audrey Hepburn auf ewig im Pantheon der Stilikonen einen Ehrenplatz behalten wird.

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Givenchys Styling-Tricks: Eine begrenzte Farbpalette aus schwarz, beige und einem Mantel in einem warmen Rotton. C’est ca. Das hübsche rosafarbene Kleid, das aber im Farbton so überhaupt nicht zum Rest passt, stammt angeblich nicht von Givenchy (wurde dessen ungeachtet aber trotzdem kürzlich für 70 000 Euro versteigert. Das schwarze Originalabendkleid aus der Anfangssequenz wechselte gar für 700 000 Euro den Besitzer.) Als galanter Franzose versuchte der Designer gar nicht erst, mit ausgefallenen Entwürfen Audrey Hepburn die Schau zu stehlen. Im Gegenteil, die betont schlichten Schnitte aber in eher kräftigen Stoffen unterstreichen nur ihre Zartheit. Er demonstrierte auf höchstem Niveau, was ein guter Designer können sollte: Jede Frau in eine Schönheit zu verwandeln.  

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Damit das Ganze nicht langweilig wird, darf bei den Accessoires geklotzt werden: Sonnenbrille, Hut, Scheifen, Perlen – alles in riesig, was die zierliche Hepburn noch fragiler wirken lässt. Und alles leicht albern, was Holly Golightlys verspielten Charakter andeutet. Die Hepburn meistert das souverän. Wer sonst könnte sich erlauben, in einer albernen türkisfarbenen Schlafmaske und Ohrstöpseln mit Quasten die Tür zu öffnen, und jeder Zuschauer versteht sofort, warum der ansonsten etwas dämliche George Peppard sich auf der Stelle in sie verliebt. Sie sich aber umgekehrt nicht in ihn.

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Verständlich, dass das Überpartygirl unserer Tage fast schon verzweifelt daran arbeitet, diese traumsichere Balance zwischen Eleganz und Humor auch hinzukriegen. Nur ist Paris Hilton immer wieder daran gescheitert. Vielleicht weil inzwischen eine andere Art von Designern das Feld beherrscht. Riccardo Tisci entwirft jetzt für Givenchy auch in traditionellem schwarz und beige, aber ob er damit den alten Gentleman Hubert und seine lebenslange Muse überzeugt hätte? In meine Reihe „Designer, die Frauen in Göttinnen verwandeln“ würde er es jedenfalls nicht schaffen.

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