„I always wanted to fuck her and she knew it and it was a good and healthy feeling and made more sense than some of the talk“  hat Hemingway in schönster Machopoesie über Gertrude Stein geschrieben, ungeachtet der Tatsache, dass sie keinen Hehl aus ihrem Lesbentum machte und mit Alice B. Toklas eine allgemein bekannte Liebesbeziehung pflegte. Die füllige Stein nannte ihre Lebensgefährtin wegen deren unübersehbaren Bartansatz unter der Nase liebevoll Hitler, was Toklas mit Fettuski konterte. Ihr Codewort für Orgasmus war Kuh (cow). Hemingway beendete seine Freundschaft mit den beiden, als er einmal im Flur mithörte, wie Gertrude weinte und Pussy (ein anderer ihrer Kosenamen für Alice) anflehte: „Don’t pussy. Don’t. Don’t, please don’t. I’ll do anything pussy, but please don’t do it. Please don’t, pussy.“ Er konnte Alice nicht ausstehen – vielleicht weil ihr etwas vergönnt war was ihm vorenthalten wurde: to fuck Gertrude. 

So was lernt man, wenn man Biographien liest – in diesem Fall „Two Lives“ von Janet Malcolm. Meine Freundin Betsy, die in der USA-Literatur immer die Trüffeln findet, hat sie mir geschickt und nach der Lektüre dachte ich, Gertrude, würde sie heute leben, würde bloggen.

Ihr Hauptwerk, The Making of Americans, hat kaum ein Mensch gelesen, weil jeder spätesten nach Seite 30 erschöpft aufgibt. Der Grund: Ihr Stilprinzip der Wiederholungen, der in einem Satz („Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“) noch irgendwie interessant klingt, scheint sich nach übereinstimmender Meinung all ihrer Biographen auf ca. 700 Seiten ziemlich abzunutzen. Gertrude hat 8 Jahre an dem Text geschrieben und Malcolms Vorstellung dazu, „an image of a woman sitting at a desk stubbornly performing her daily task of covering blank pieces of paper with words“ erinnert doch stark an das Tagwerk einer blogueuse. Nur, dass die natürlich nicht Papier, sondern einen Mac benutzt. Und auch Malcolms abschließende Beurteilung des Stein’schen Oevres kann eine Bloggerin absolut nachempfinden: „If you regard it as an excercise in whistling in the dark, you will understand its brilliance.“ Schöner kann man den Geisteszustand einer Bloggerin nicht beschreiben. Gertrude ist eine von uns.

Aber abgesehen davon, der eigentliche Grund, warum Gertrude Stein und Alice B. Toklas im Stylebus einen Fensterplatz haben, ist natürlich ihr avantgardistisicher Lesbian Chic, wie er heute noch z.B. von k.d. lang oder Hella von Sinnen kultiviert wird.  stein2.jpg
Auch das ist Style.

Und weil es so schön klingt, jetzt doch noch ein bißchen Stein im Originalsound:

They are all of them repeating and I hear it.
I love it and I tell it. I love it and now I will write ist.
This is now a history of my love of it.
I hear it and I love it and I write it.
They repeat it.  

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