Benetton, Brigitte  und ich, wir haben ein gemeinsames Anliegen. Wir interessieren uns nicht nur für Mode, weil damit unmassig Geld zu verdienen ist (Benetton, Brigitte) oder weil sie schön anzuschauen ist (ich), uns interessiert dieser ganze Rummel um Klamotten, weil man ihn ja auch, jetzt mal hochtrabend ausgedrückt, in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext sehen kann.Die gute alte Brigitte (die Zeitschrift) arbeitete sich an diesem Thema gerade in einem Dossiers ab. „Die Psychologie der Mode“ ging der Frage nach „wieso wir uns in unseren postmodernen Zeiten so häufig häuten“, sprich so auf unser Aussehen bedacht sind. Neben hübschen Bildern gab es ein Essay vom Hauspsychologen Oskar Holzberg, der ein paar Volten schlagen musste, um von der Einleitung bis zum Fazit durchzukommen. („Ein Blick in den Terminkalender. Meeting mit dem Abteilungsleiter. Dann Kinderturnen. Ein Blick in die Seele. Etwas mau. Modisch gehen die Hüftjeans garnicht mehr. Der kurze grüne Rock hat genug Selbstwert-pushenden Sexappeal….Es wird regnen. Aber dem herablassenden Abteilungsleiter stöckeln wir lieber in Highheels entgegen.“ (Aber, aber, Herr Holzberg!) „Wie wir uns kleiden, erzählt der Welt davon, wofür wir geliebt werden möchten.“)

Ich bestücke ein Blog mit vielen schönen Bildern als Beweis dafür dass Mode und Spaß sich nicht ausschließen – auch wenn zum Beispiel Schuhe gerade wie ein Klotz am Bein hängen sollen.

Benetton macht eine Anzeigenkampagne, in bewährter Manier gekoppelt mit Gutmenschentum (und das ist überhaupt nicht zynisch gemeint.) Von uns dreien der originellste Ansatz. 

benetton3.jpg 

Abgebildet sind auf diesem Motiv zwei senegalesische Textilverkäuferinnen in vorbildlichem Mustermix und der Betreiber eines mobilen Spielwarenladens. Alle drei konnten ihr Business dank eines Mikrokredits der Stiftung „Birima“ aufbauen und am Laufen halten. „Birima“ ist das Hilfsprojekt des senegalesischen Sängers Youssou N’Dour, ein Star der Weltmusik und einer der bekanntesten Sänger Afrikas. Seine Kooperation mit Benetton soll nun daran erinnern, dass Mikrokredite eine höchstwirksame Form der Armutsbekämpfung sind. Ein allseits bekannter Fakt, spätestens seit 2006 Muhammad Yunus aus Banghladesh, der Erfinder der Mikrokredite, dafür den Friedensnobelpreis erhielt.

Längst vergeben ganz verschiedene Organisationen Mikrokredite an Kleinstunternehmer in der ganzen Welt. Oft reichen 20 oder 50 Dollar für eine Ziege oder eine Nähmaschine, um einer Familie ein Einkommen zu sichern. Meistens sind die Kreditnehmer Frauen, bei Muhammad Yunus‘ Grameenbank z.B. 97 Prozent. Auch im Internet gibt es eine äußerst erfolgreiche Non-Profit-Organisation, die Mikrokredite organisiert. Jeder kann sich bei Kiva mit ein paar Dollars beteiligen und bekommt sein Geld innerhalb der vertraglich vereinbarten Zeit wieder zurück. Von Kiva stammt auch die Idee, die Empfänger der Kredite zu porträtieren. Benetton musste sie für seine Anzeigenkampagne einfach nur ästhetisch perfektionieren.

Youssou N’Dour machte übrigens schon, bevor Benetton ihn entdeckte, mit anderer prominenter Unterstützung auf seine Charity aufmerksam. Patty Smith etwa arbeitete an einem Song für „Birima“ mit und verausgabte sich als Laiendarstellerin in einem dazu gehörigen Video (hier die Originalfassung), das in Benettons Kreativschmiede Fabrica für die Kampagne allerdings professionell aufgemöbelt wurde – unter Verzicht der Schauspielkunst. Sollte Ihnen die bildschöne schwarze Sängerin im Video aufgefallen sein – das ist Simphiwe Dana aus Südafrika. Eine elegante Göttin, die nicht nur in ihrer Musik, sondern auch in ihrem Bühnenstyling afrikanische und westliche Elemente malerisch verbindet. (dieser Klick verbindet mit ihrer MySpace-Seite, auf der rechts ein Radio steht. Der schönste Song: Bantu Biko Street) 

simphiwe2.jpg

Warum ich das hier alles erzähle? Weil’s Spaß macht.

Advertisements