Du, sage ich zu meinem Mann, tolles Buch hier von Thomas Glavinic: Das bin doch ich. Solltest du lesen. Es wird dir gefallen.

Warum?

Er beschreibt, wie Männer so ticken, an seinem eigenen Beispiel. Gnadenlos ehrlich, brutal zu sich selbst, und sehr witzig. Du wirst dich wiedererkennen.

(Das Telefon klingelt, Frau Reski ist dran) Hast du Mona gelesen, von Alexander Gorkow, fragt sie.

Ja, sage ich. Eigenartiges Buch. Viel Wortgeklingel mit genialen Passagen dazwischen. Talent hat er. Aber weißt du was merkwürdig ist: Glavinic und Gorkow rasieren sich beide eine Glatze. 

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Thomas Glavinic Alexander Gorkow 

(Frau Reski lacht.) Darüber wollte ich immer schon mal eine Kolumne schreiben. Warum es Männern gefällt, wie Gulag-Sträflinge rumzulaufen.

Gorkow schreibt in seinem Roman viel über Rumänien. Vielleicht liegt es daran, sage ich. Und Glavinic ist Österreicher, die sind sowieso unberechenbar.

(Frau Reski lacht immer noch.) Und wenn’s kalt wird, ziehen sie sich so ein Strickmützchen drüber. Du, mein Handy klingelt, die Zeit ist dran. Ich muss aufhören. Chiao. (Sie legt auf.)

Warum rasieren sich Schriftsteller eine Glatze? frage ich meinen Mann.

Wie alt sind sie?

Glavinic ist 1972 geboren, Gorkow 1966.

Beide also plus, minus vierzig. Dann ist der Grund doch klar. Totale Panik. Beiden gehen die Haare aus und sie sind völlig ratlos, in welcher Länge sie den Rest stehen lassen sollen. Egal, wie lang, es besteht die Gefahr, sich lächerlich zu machen, die Würde zu verlieren. Die denken, Glatze hat zwar was von einem Neonazi, sieht aber wenigstens männlich aus. (Er streicht sich versonnen über seine Frisur, die am Vormittag im türkischen Salon von acht auf vier Millimeter runtergekürzt wurden. Für fünf Euro, Ohren rasieren und Tee inklusive.)

Hm, sage ich, sehen ja beide eigentlich auch ganz passabel aus. 

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