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Dies ist ein Hut. Auch wenn ich, anders als die mutige Frau Reski, Hüte nur bei sengender Sonne trage und mir diese Chinoiserie von Philip Treacy nie aufs Haupt kommen würde, muss ich voller Bewunderung zugeben: ein großartiges Stück. Treacy hat sich bei einem Aufenthalt in Kyoto dazu inspirieren lassen, die Figurinen sind aus Kork, es stecken „120 Stunden Handwerksarbeit“ drin und während man die „phantastische japanische Landschaft“ auf dem Kopf trägt soll man nach dem Willen des Schöpfers „von Japan träumen“. Warum das gute Stück dann „Chinese Garden“ heißt, bleibt allerdings sein Geheimnis.  

Treacy, zur Zeit wahrscheinlich der bedeutendste Hutmacher (wenn man so ein profanes Wort für einen derartigen Vituosen überhaupt benutzen darf), hat das Headdress (so die offizielle Bezeichnung) 2005 für Alexander McQueen gestaltet, bewundern kann es inzwischen aber jeder, vorausgesetzt er besucht im Internet oder doch lieber vor Ort das Metropolitan Museum of Art in New York. Der Chinese Garden gehört zur Modesammlung des Museum und ist im Internet Teil seines Fashionblogs. Dort stellen die Kuratoren nach und nach die besten Stücke der Sammlung vor und Besucher der Ausstellung können ihre Kommentare abgeben. So erfährt man in feinstem Kunsthistoriker-Slang, dass Treacys Kreation eine Referenz an die Chinoiserien des 18. Jahrhunderts und an die Haarmode ca. 1770 in Europa ist, im Sinne von „elaborate landscapes constructed in the topography of women’s heroically sculpted hair“. Auch die Kommentare sind oft sehr informativ und lesenswert – von einem gelegentlichen „it sucks!“ oder „arrgh!“ mal abgesehen. Alles in allem eine klasse Idee, um in Zeiten, in denen jeder F-Promi sich dazu berufen fühlt, ein eigenes Label zu gründen, an die handwerkliche Qualität und gesellschaftliche Bedeutung wirklich guter Mode  zu erinnern. 

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