Modeleute sind wirklich arm dran. Statt sich auf den kommenden Frühling zu freuen, müssen sie sich schon wieder mit dem nächsten Winter beschäftigen. In meinem Blog dagegen kann ich das tun, worauf ich gerade Lust habe – ohne Rücksicht auf anstehende Termine. Heute bin ich an einem Schaufenster vorbei gejoggt, mit den neuen Sommersachen in der Auslage. Alles im Mustermix und alles ziemlich daneben. Zu bunt, zu krachert, irgendwie nicht gekonnt. Das brachte mich auf die Frage: Wie geht guter Mustermix? In Frauenzeitschriften wird gerne geraten, in einer Farbefamilie zu bleiben und keine unterschiedlichen Muster miteinander zu kombinieren. Also sich entweder auf Blümchen beschränken, oder auf Karos und auf keinen Fall geometrische zu floralen Designs zu  tragen. Aber stimmt das? Wie machen das die Styling-Profis?   

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Alberto Biani (li.) bleibt zwar in einer Farbfamilie – es grünt – aber das Blattwerk  auf der Bluse verträgt sich bestens mit dem gestreiften Karo. Die Edelhippiedame von Paul Smith verfährt nach dem gleichen Prinzip und treibt es dazu noch wesentlich bunter. Auch das funktioniert.  

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Romeo Gigli (li.) zeigt, dass Blumen und Streifen miteinander können. Und ohne den sportlichen Streifenschal wäre der Fantasy-Look von Etro tendenziell langweilig.

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Marc Jacobs (li.) denkt nicht im Traum daran, das Karo im Rock mit Uni zu beruhigen. Das Top hat die Unterwäsche aufgedruckt und das nicht gerade in dezenten Farben. Und die Blümchenkette gibt noch eins drauf. Prada kombiniert nur zwei Karos (wenn man die gestreiften Strümpfe nicht dazu zählt), aber sensible Farbgebung sieht anders aus. Das Ganze wirkt jedoch spannend und frisch und das ist viel wichtiger als das, was gemeinhin als guter Geschmack gilt.

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Von Wunderkind (li.) hätte jeder Look hierher gepasst. Wolfgang Joop mixt kühn und mit viel Gespür für Farben. Als wahrer Könner schreckt er auch nicht vor Raubtierprints zurück, die in der Mode eigentlich ein schlechtes Image haben. Auch Salvatore Ferragamo bediente sich im Tierreich und kombinierte eine Raubkatzenweste mit einem Rock, der sofort die Assoziation Zebra auslöst.  

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Der Meistermixer des Sommers aber ist Dries van Noten. Die Runway-Fotos seiner Kollektion kann man wie Malerei genießen, das Temperament und die Raffinesse bestaunen und sich fragen: Wie macht er das bloß? Wahrscheinlich wie der Schaufensterdekoratuer aus der Müllerstraße. Er ignoriert einfach alle Stylingregeln aus Modezeitschriften und verlässt sich auf seinen persönlichen Geschmack. Wenn wir das alle in diesem Sommer ausprobieren, ist eines sicher: Es wird spannend – auch wenn’s mal schrecklich daneben geht.      

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