Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Artikel stehen, garniert mit vielen hübschen Fotos, über indische Modedesigner und ihre geheime Mitarbeit in europäischen Fashionhäusern. Aber auf der Suche nach einem opulenten Bollywoodvideo wurde ich von Youtube plötzlich in eine ganz andere Geschichte hineingezogen.

Auch Indien sucht den Superstar. Saregamapa heißt die Sendung dort, in der sich junge Sänger über 20(!) Wochen einem Wettbewerb stellen. Sie müssen vom Bollywoodfilmsongs bis zu traditionellen indischen Ghazals ein großes Repertoire beherrschen. In der Jury sitzen Produzenten, Filmstars und berühmte Musiker und alle singen bei den populärsten Schlagern hingerissen mit. Das Publikum sowieso.

Saregamapa ist auch interessant, weil die Sänger in Bollywoodfilmen in der Regel nicht genannt werden. Die Schauspieler sind die Stars. Nichts darf an ihrem Glamour kratzen. Also werden sie in ihren obligatorischen Gesangseinlagen synchoronisiert. Die Namen und Lieder der beliebtesten Sänger kennt zwar jedes Kind, aber die Gesichter blieben lange unbekannt. Erst das Fernsehen verbreitete sie bis ins letzte Dorf.  Lata Mangeskar, inzwischen schon fast 80 und ihre auch nicht viel jüngere Schwester Asha Bosle, haben drei  Generationen von Schauspielerinnen ihre Stimme geliehen. Sie sind Diven aber keine Performerinnen im westlichen Sinn. Das ändert sich erst jetzt bei den jungen Musikern, dank der Popularität solcher Fernsehshows wie Saregamapa.

2007  landete der 27jährige Raja Hasan auf dem zweiten Platz – nachdem er eigentlich schon ausgeschieden war, das Publikum ihn aber wieder hineinwählte. Das Video zeigt ihn am Anfang des Wettbewerbs – völlig  verunsichert von den Begeisterungsstürme, die er bei den Juroren auslöst. Am Ende des Wettbewerbs hat er seine Rolle als Popstar dann schon total verinnerlicht.  

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