Vor etwas mehr als einem Jahr hat Karl Lagerfeld eine junge Frau vor dem Mercer Hotel in Manhattan angesprochen. Sie saß auf einem Berg alter Louis-Vuitton-Koffer, redete in ihr Handy und Lagerfeld sagte zu ihr: „Only a woman can look glamorous when smoking.“  Die junge Frau heißt Chan Marshall und war als Sängerin immerhin schon so erfolgreich, dass sie im Mercer absteigen konnte – dem Lieblingshotel aller irgendwie sich anders fühlenden Popmusiker. Lagerfeld machte mit ihr das, was er gerne mit jungen Frauen tut, die ihm auffallen. Er erklärte sie zu seiner Muse, fotografierte sie und gab ihr einen ordentlich dotierten Vertrag als Chanel-Botschafterin für irgendwas, was mir entfallen ist. Schmuck? Parfüm? Accessoires? Egal. Wichtig ist nur, dass Chan seither unter dem Namen Cat Power unaufhaltsam Karriere macht als Sängerin.

Sie wirkt immer ein bisschen wie durch den Wind. Aber das hat ja Tradition unter den Musen dieser Welt. Man erinnere sich nur an Nico, eines von Andy Warhols It-Girls, die ihren Auftritten mit Velvet Underground einen gewissen Ruf als Popstar verdankt.Ihr Erfolgsgeheimnis war wahrscheinlich der brutale germanische Akzent, in Kombi mit dieser überirdischen Hübschheit – die sie übrigens ihr ganzes Leben lang verzweifelt versuchte, kaputt zu kriegen.

Cat Powers sieht aus wie Nico, singt aber viel besser. Dafür kann Karl Lagerfeld Femme Fatale garantiert nicht so schön verhunzen wie Lou Reed.

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