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Marc Jacobs hat ja wohl ein Rad ab – oder was soll man sonst von den 80er-Jahre-Scheußlichkeiten da, auf dem Kopf seiner Models halten. Und Calvin Klein – gääähn. Solche Gedanken gehen einem laufend durch den Kopf beim Durchklicken durch style.com während der Schauen. London, Mailand, Paris stehen als nächstes an. New York ist gerade zu Ende gegangen, ohne groß Eindruck zu hinterlassen. Vielleicht liegt es am Wetter, dass gerade Frühling spielt und so überhaupt keine Lust weckt auf Winterklamotten. 

Weil die vielen bunten Bilder so viel Spaß machen, hier noch eine weitere Folge der beliebten Reihe „Mode und Kunstgeschichte“. Diesmal die New Yorker Chinesin Vera Wang und ihre Inspiration, der Maler Kees van Dongen.  Er gehörte zu den „Fauves“ – den alten Wilden, wenn man so will, lange vor den Berliner Jungen Wilden in den 80er Jahren. Der berühmteste Fauve war Henri Matisse. Kees van Dongen, ein Niederländer in Paris, fühlte sich von dessen Art der Malerei stark angezogen. Temperamentvolle Farben, wenig Rücksicht auf akademische Malweise wie Perspektive oder realistische Proportionen und ganz viel Ausdruck. Alles wild und ungebärdig. Fauve eben. Van Dongen war – im Gegensatz zu Matisse – nicht unbedingt eine geniale Begabung, aber ein paar schöne Porträts hat er auch hingekriegt. „L’Oued Nail“ von 1910 wurde bei Christie’s gerade für 5,68 Millionen Pfund versteigert. Er hat also seine Fans.

Die Designerin Vera Wang ist in den USA mit Hochzeitskleidern berühmt geworden. Es hat Jahre gedauert, bis sie es schaffte, aus dieser Schublade wieder raus zu kommen und eigenständige Kollektionen zu zeigen.  Irgendwie wird sie immer ein bisschen unterschätzt, obwohl sie kommerziell sehr erfolgreich ist. Oder vielleicht gerade deshalb. Sie hat einen wunderbar subtilen Sinn für Farben und Materialien und das sieht man sehr schön, wenn man ein paar Kees-van Dongen-Poträts mit ihren Kleidern in Verbindung bringt.  Seine kräftigen Farben mildert sie zu höchster Eleganz. Mir gefällt, wie sie rote Strickstrümpfe durch Chiffon durchscheinen lässt und eine rustikale Jacke zum silbernen Pailettenabendkleid kombiniert. Die Van-Dongen-Mädels aus dem Paris der 20er Jahre, heute würden sie so rum laufen. 

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Marc Jacobs hat übrigens auf die Frage, was ihn denn für diese Kollektion inspiriert habe, geantwortet: „I really wasn’t very inspired this season. I just live my life.“ Für diese Ehrlichkeit verzeiht man ihm glatt die Stirnbänder.  

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