Pablo Picasso hat für die Kunstszene eine ähnliche Bedeutung wie Woody Allen für die Filmbranche: immer gut für einen coolen Spruch. „Mittelmäßige Künstler kopieren, geniale klauen“, hat er gesagt.  Das gilt für alle kreativen Menschen, natürlich auch für Modemacher. Wie kreatives“klauen“ aussieht, ist sehr schön am Beispiel der Mulleavys-Sisters zu sehen, die ich in meinem Blogbeitrag von gestern mit Antony & the Johnsons In Verbindung brachte. Heute bin ich schlauer – und weiß, wo sie die Ideen für ihre Rodarte-Herbst-Winterkollektion 2008 wirklich her holten.  Neben den üblichen Verdächtigen wie Mangas, Kabuki-Theater und Horrorfilme nennen sie auch Eva Hesse als Inspirationsquelle für ihre zarten, zerzausten Strickkleider. Und das ist nun wirklich interessant. 

Eva Hesse, geboren 1936, war die Tochter eines jüdischen Anwalts aus Hamburg, der mit seiner Familie 1939 vor den Nazis nach New York flüchtete. Eva Hesse studierte Malerei, begann dann aber dreidimensional zu arbeiten. Aus Seilen, Latex oder Fiberglas schuf sie in den 60er Jahren zarte, aber auch ziemlich große skulpturale Gebilde, die heute als wegweisend für die Kunst dieser Zeit gelten. Sie starb schon 1970 an einem Gehirntumor. Ihr Werk ist relativ klein, aber unter Kennern hochgeschätzt. Zuletzt zeigte 2006 das Jewish Museum of New York ihre Arbeiten. Die Ausstellung beeindruckte auch auch Kate und Laura Mulleavys und inspirierte sie zu ihrer eigenen Knüpfkunst, deren Möglichkeiten, wie sie sagen, immer noch nicht ausgereizt sind.      

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Stehlen ist für diese Form der kongenialen Aneignung nun wirklich nicht das richtige Wort. Eher passt ein anderer Picasso-Spruch, jener, der vielleicht am häufigsten von allen zitiert wird: „Ich suche nicht, ich finde.“ 

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