Wolfgang trägt nie Schuhe. “Ich kann damit einfach nicht laufen”, sagt er. Er bereist die ganze Welt barfuß. Im Museum in Houston, Texas beschwerten sich die Besucher und ein Museumswärter verwies in nach draußen. “Ich gehe, aber nur wenn ich mein Eintrittsgeld wieder zurück kriege”, sagte Wolfgang. So landete er im Büro der Museumsdirektorin. Sie gab ihm die drei Dollar und begleitet ihn vor die Tür. “Ich schäme mich dafür, dass ich Sie hinauswerfe”, sagte sie. “Bei mir zuhause laufen alle barfuss.” Sie war Ägypterin.
Vor dem Museum setzte er sich auf ein Mäuerchen, um sich eine Zigarette zu drehen. Zur gleichen Zeit stieg eine Grundschulklasse aus einem gelben Bus. Als die Lehrerin Wolfgang sah, versammelte sie alle Kinder um sich, zeigte mit ausgestrecktem Arm auf den Mann auf der Mauer und rief: “So jemand wie den da wollen wir hier nicht haben.”
In Simbabwe nahm Wolfgang an einem achtstündigen Fußmarsch durch den Busch teil. “Sie wollen doch nicht ohne Schuhe gehen”, sagte der schwarze Guide entsetzt. “Doch”, sagte Wolfgang. Zwischendurch hielt er ein paar mal an um sich die Akaziennadeln aus den Fußsohlen zu ziehen. Die acht Stunden hielt er problemlos durch. Am Schluss gab ihm der Guide die zehn Dollar Teilnahmegebühr zurück. “Danke dafür, dass sie mir gezeigt, was unsere Vorfahren noch konnten. Wir haben es längst verlernt.”

Merci an Wolfgang Männer, den großen Maler, wunderbaren Geschichtenerzähler und barfüßigen Lebenskünstler

3 Kommentare
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Sonntag, 03. Februar 2008 um 1:43 nachmittags
serenissima
Genial! Diese Hommage an einen der letzten großen Verweigerer lässt uns hoffen.
Donnerstag, 24. April 2008 um 8:59 nachmittags
Johannes
Die Freiheit beim Barfußlaufen und der Hautkontakt zur Umwelt, zur Natur, sind wirklich schön. Es ist gut, wenn einmal der Zustand ereicht ist, in dem Fremdbeurteilungen keine Rolle mehr spielen. Und: Barfuß im Holocaust-Mahnmal ist ein innen und aussen berührendes Erlebnis.
Johannes
Barfuß-Initiative Berlin-Brandenburg
Freitag, 06. Juni 2008 um 9:32 vormittags
Wil, der "verrückte Alte mit den nackten Füßen und dem Strohut."
Wolfgang, mein lieber Wolfgang,
ich bin der Wil, 57 Jahre, Dichter (von Tausenden von Gedichten), Philosoph (habe darin sogar einen Dr. gemacht, was mir scheissegal ist), ich weiss, was ich alles weiß und vor allem, was ich noch nicht kenne. Und das ist noch eine ganze Menge mit nackten Füßen sehend zu erkennen, auf denen ich schon seit dem ersten Tag durch die Welt laufe, als meine Mutter mir versuchte, Schuhe anzuziehen, die ich sofort erbost, auszog und versteckte, später dann mit neuen Neuen im Arm nackfüssig gelaufen, gelaufen, dass meine geliebte Mutter mich nicht einholen kann, habe dann die Schuhe voller Abscheu in eine Mülltonne gestopft. Ach mein Lieber, habe einen wunderschönen Spitznamen, der mich mit ehrlichem Stolz erfüllt “Der verrückte Alte mit den nackten Füßen und dem Stroh-Hut”, den ich Sommer wie Winter, immer nacktfüssig trage, nur bei Minus-Graden ziehe ich schon meine “Winterschuhe” an, teure Spezial-”Schuhe” für Barfußläufer, aber der Hut ist oben drauf.
Wir müssen in Kontakt miteinander, uns an uns erfreuen, austauschen, erzählen, lachen, weinen, wenn uns vor Freude danach ist, ich weine so gerne, kann so herrlich erfrischend weinen und lachen, werde Dich dann weinend, lachend umarmen, brauche dann immer einen Menschen, dem ich mein Glück, mein unendliches Glück zeigen kann. Alles ist dann aufgehoben, die Dualitität der Dinge, Alles ist in Allem, Alles ist gut, Alles ist in Allem, geboren aus einer gemeinsamen Wurzel, es gibt keinen Tod mehr und kein Sterben, es gibt keinen Gott, der eifersüchtig auf die Menschen im ödesten entfernten Eck des Universums “auf den Dächer hockt ein satter Gott und predigt von Genügsamkeit ” -Konstantin Wecker. Ich bin nicht genügsam, ich bin gierig nach Leben, nach wirklichem Leben, unersättlich gierig.
Arbeite zur Zeit an mehreren Projekte, weiß gar nicht mehr, wo ich als Renter noch die Zeit bei Allem stehlen kann. Wichtigstes: Ein Gedichtband über “Sehende Füße” (hieß bisher “Wanderungen”, heute umbenannt in …),und dann noch an einem Wahnsinns-Gedichtszyklus, an dem ich schon seit Jahren arbeite, mein Lebenswerk, das nie für Geld veröffentlicht zu kaufen sein wird. Darf ich das, was mir lebensotwenig soviel Freude bereitet für schnödes Geld verkaufen? Nein, Nein, immer Nein. Wenn ich nicht mehr bin, soll alles kostenlos in Internet gestellt werden, dann ein ein Drehbuch “Love Song” untermalt mit Musik von Korn, meiner Lieblingssband, ja bin Fan von schwerstem Metal, einem sehr harten Film aus dem Drogenmilieu, sowohl meine Geschichte, die Geschichte eines, der seit vierzig (!) Jahren diese Szene kennt und auch fiktiv in der Handlung.
Da Du lesen sollst, wie und was ich so schreibe, ein Beispiel dafür mein Gedicht Zyklus “Heimkehr”, der Prolog, innerlich tief verwurzelt in der Philosphie eines Giordano Bruno, den die “heilige Inquisition” im Winter des Jahres 1600 Campo de´Fiori auf dem Scheiterhaufen verbrannte, einen Giordana Bruno, der zum Urteil, nach sieben Kerker in Rom, die ihn körperlich zerstört, aber nicht sein Herz und seinen Geist, lediglich bermerkte: “„Mit größerer Furcht verkündet Ihr das Urteil gegen mich, als ich es entgegennehme.“
Der Prolog:
Heimkehr
Ich wollte nur eine Rast einlegen
Einen Moment nur verschnaufen
Auf meiner endlosen Reise
Durch die Welten und die Zeiten
Mich auf eine Höhe hocken
Um das Treiben des Lebens
Für eine kleine Weile zu betrachten
Auf diesem blauen Planeten
Am Rande aller Welten.
Ich sah sie durch ihre Endlichkeit gehen
Die Wesen dieser Erde, die Menschen
Die Tiere und die Pflanzen
Sah ihr Werden und Ihr Vergehen
Spürte ihr Verlangen und ihre Angst
Ihre Liebe und Ihre Leidenschaft
Litt an ihren Kriegen wie sie selbst
Wurde mit jedem von ihnen geboren
Bin mit jedem von ihnen gestorben
Ich stieg von meiner Höhe
Auf der ich hockte und
Ging zu ihnen, den Menschen
Den Tieren und den Pflanzen
Den lebendigen Wesen auf
Diesem blauen Planeten
Am Rande aller Welten
Habe meine Unsterblichkeit abgestreift
Und gegen die sterbliche Liebe getauscht
Die mich nun eint
Mit den Wesen dieser Erde
Den Menschen, den Tieren
Und den Pflanzen
Den lebendigen Wesen auf
Auf diesem blauen Planeten
Verloren am Rande aller Welten.
Wil Krüchten
Mai 2005
Mein lieber Wolfgang, mein Wunsch und Bitte ist, daß wir zwei alten Hutträger uns einmal treffen. Wenn es sein muß, komme ich auch tausend Kilometer geflogen.
Ich grüße Dich noch einmal, Dich, der gleichen Geistes wie ich, so sagen mein Herz und vor allem meine besten Freunde, meine Füße, die zu Dir eilen wollen.
Dein Wil